My Soundtrack: Juri

Juri (foto: band)

„Neopop“ heißt die neue EP von Juri. Auf den dort zu findenden fünf Songs verhandeln Sänger Juri Rother und Gitarrist Pierre Phil die poetischen und düsteren Momente des Lebens. Die Texte sind sensibel, oft aufwühlend („Brüder“!). Musik mit Ecken und Kanten. Derzeit ist das Duo noch auf Tour, im Mai stehen noch Konzerte in Bonn (7.5., Rheinimpuls) und Düsseldorf (12.5, BouiBouiBilk) an. Trotzdem haben die beiden Zeit für unsere My-Soundtrack-Reihe gefunden und uns die Songs verraten, die in ihrem Leben eine zentrale Rolle gespielt haben.

Bon Iver – Perth

Pierre: Dieses Gitarrenriff ist einfach der Hammer. So etwas hatte ich bis dahin noch nicht erlebt. Diese perfekte Abstimmung aller Elemente in der Produktion und im Song ist etwas was ich in dieser Form in der Popular Musik so nicht kannte. Dieses Lied zieht mich immernoch so sehr in den Bann. Wenn ich das Lied anmache und die Augen schließe, geht jedes Mal für mich die Sonne auf. Ein Meisterwerk, das jeder Mensch mindestens zehnmal in seinem Leben hintereinander gehört haben sollte!

Damien Rice – 9 Crimes

Pierre: Ich habe das Lied bei der Übertragung der Trauerfeier für Robert Enke per Zufall gehört und es ging nicht aus meinem Kopf. Das Lied lief mindestens fünf Wochen auf Dauerschleife und versetzte mich jedesmal in einen emotionalen Zustand. Wenn ich dieses Lied höre, kann ich mich in Situationen hineinversetzen, die ich nie erlebt habe, aber dennoch fühlen sie sich so an. Kopfkino hoch zehn!

Sofaplanet – Liebficken

Juri: Ich weiß, „Liebficken“ ist nicht unbedingt der Song, der unter Musikern als richtungsweisend oder inspirierend gilt, aber für mich war er das. Als kleiner Lausbub mit stolzen elf Jahren entdeckte ich die leicht verkratzte Maxi-CD von Sofaplanet unter dem Bett meiner Schwester. Schon bei der ersten Strophe fühlte ich mich unsagbar geheimnisvoll, während ich ein Lied mit dem verbotenem Wort für „liebemachen“ hörte. Ich war mir so sicher, dass in dem Lied eine ganze Menge Mysterien versteckt sind. Dreizehn Jahre später sitze ich vor meinem Laptop und höre mir nochmal das Lied an und finde, dass ich schon damals einen ausgezeichneten Musikgeschmack hatte!

Marc Cohn – Walking in Memphis

Juri: Der erste Song, bei dem ich mich selbst auf der Gitarre begleitet und dazu gesungen habe. Ziemlich schlecht, aber immerhin. Im Original ist das Klavier das tragende musikalische Element und auch ich habe es erst an den Tasten versucht. Nach mehreren Versuchen bemerkte ich, dass es einfach nicht funktioniert und ich es nicht spielen kann wie Marc Cohn. Meine Stimme war nicht voluminös genug und meine Fähigkeiten am Klavier begrenzt. Frustriert nahm ich meine Gitarre und sang das Lied deutlich leiser und langsamer als das Original. Und das Ergebnis war im Vergleich definitiv hörenswert. „Walking in Memphis“ war mir eine Lehre. Manchmal muss man in seinen vermeintlichen Schwächen seine Stärken suchen!

Udo Lindenberg – Johnny Controletti

Juri: Udo Lindenberg ist für mich ein Held ! Der alte Panikrocker beweist mir jedes mal aufs Neue, dass es manchmal total Wurst ist, wie etwas geschrieben ist, sondern die Haltung dahinter stimmen muss. Die vorhersehbarsten Reime funktionieren plötzlich und wirken auf einmal nicht mehr plump und berühren. In dem Song „Johnny Controletti“ erzählt Lindenberg von der Begegnung mit einem Mafia-Chef, der ihm erst ein paar Drinks spendiert und sich anschließend selbst zu seinem Manager erklärt. Die Geschichte fasziniert mich und immer wenn der Song läuft, wünsche ich mir einen Hut, eine Sonnenbrille und ein Glas Chianti und zwar avanti, avanti!