My Soundtrack: Jana Groß (Bell, Book & Candle)

Bell Book & Candle (foto: denise van deesen)
Bell, Book & Candle? Lange war es einigermaßen still um die 1994 gegründete Berliner Pop-Band. Das letzte Album der Gruppe, die in den neunziger Jahren mit „Rescue Me“ einen internationalen Riesenhit hatte, liegt schon etwas länger zurück: „Bigger“ erschien 2005. Nun meldet sich die Gruppe zurück und geht direkt neue Wege: Statt auf Englisch kommt die neue Single „Wie wir sind“ des Trios auf Deutsch daher. Den Grund dafür verrät uns Frontfrau Jana Groß in dieser „My Soundtrack“-Ausgabe.  

 

    1. Rah Band – „Clouds Across The Moon“

Dieser Song erschien im Jahr 1985 – ich war 16 Jahre alt und auf Abschluß-Klassenfahrt. Wir fuhren an die Ostsee und irgendwer trug immer einen Kassettenrecorder beatstreetmäßig auf den Schultern mit sich rum. Die meisten von uns bekamen zur Jugendweihe ja verhältnismäßig viel Geld und kauften sich davon einen flotten „Stern“-Recorder. Ich war ganz verrückt nach diesem Song und seiner besungenen traurigen Geschichte und deshalb lief er also in Dauerschleife und begleitete uns eine Woche lang. Und wenn er heute irgendwo läuft, dann bin ich 16 und rieche das Meer.

 

    1. Casper – „Michael X“

Ich machte mir einen schönen Tag in der Stadt. Am Tauntzien ging ich in einen Jeansladen und schaute mich um. Beim Durchsehen der Klamotten stand ich dann unter einem Lautsprecher, aus dem die Zeilen kamen: “Und deine Mum hält Dein Zimmer, wie du’s gelassen hast.“ Dieser Text und diese Stimme hauten mich um. Ich hörte den Song bis zum Ende und musste sehr mit meinen Tränen kämpfen. Er handelt von einem 26-jährigen Jungen, der vom Leben Abschied nimmt und dessen Geschichte erzählt wird. Ich fühlte die Trauer dieser Mutter und des Freundes, der da erzählte, so gut nach. Mein Sohn war zu dieser Zeit 21 Jahre und ich hoffe seit seiner Geburt jeden Tag, dass es ihm gut geht und er glücklich ist.

 

    1. Leonard Cohen – „Hallelujah“

Es ist erst ein paar Jahre her, da waren wir als Großfamilie unterwegs und wohnten einige Tage in einem Ort in Südfrankreich. Auch meine Eltern, die ich sehr liebe, waren dabei und es war mir eine große Freude, als ich herausbekam, dass ein wundervoller Sänger namens Jim Garrett, den wir Jahre zuvor dort abends immer bewundert hatten nun wieder in einer Bar am Strand auftreten sollte. Ich überraschte die Eltern damit. Meine Mutter war besonders von Jims Version von „Hallelujah“ fasziniert. Ein paar Monate nach diesem Urlaub spielten wir unser jährliches Abschlusskonzert in der Christophoruskirche in Berlin und meine Eltern saßen im Rang. Ganz am Ende des Konzerts schaute ich dann nach oben und kündigte einen „neuen“ Song an. Sie erkannten das Lied sofort und es war ein wunderschöner Moment für uns alle.

 

    1. Peter Fox – „Schwarz zu blau“

Dieses Lied kam eigentlich zu spät in mein Leben. Zu spät, um vieles, was besungen wird, direkt erlebt zu haben. Und trotzdem ist mir das alles so passiert, nur 25 Jahre früher und ausschließlich im Ostteil der Stadt, in dem ich aufgewachsen bin. Und der Refrain passt einfach immer und in jede Zeit! Berlin ist dreckig, häßlich und grau und auch wunderschön. Es wird einfach immer meine Heimat und liebste Stadt sein und da ist es egal, in welchem Bezirk man wohnt oder unterwegs ist. Berlin hat so viele Cities mit eigenen Sprachen, mit coolen und ollen Ecken. Für mich ein absolutes Liebeslied!

 

    1. Frank Farian – „Rocky“

Zu dieser Zeit war ich mit meinen Eltern verreist. Es war Sommer, ich war zirka acht Jahre alt und wir wohnten in einer Art Bungalowsiedlung auf der Insel Rügen. Am Abend gingen meine Eltern aus – meist zum Tanzen in die benachbarte Bar. Da ich an diesen Ausflügen aufgrund meines Alters nicht teilnehmen durfte, schlich ich mich heimlich raus und belauschte die Erwachsenen und deren Musik. Ich kann mich noch sehr gut an dieses Lied erinnern, in dem ein Mann von seiner Liebe zu einer Frau sang, die dann schwanger wurde und ihm mitteilte, dass sie auch bald sterben würde. Er machte ihr Mut und sagte, dass sie es schon schaffen werden. Am Ende starb sie dann doch und seine Tochter erinnerte ihn immer an seine große Liebe. Ich war schockiert und fühlte mich gleichzeitig angezogen von diesem Lied. Bis heute schreibe ich am liebsten in meinen Texten über Geschichten, die mich selbst erst einmal berühren. Da wir nun erstmals ein deutschsprachiges Album am Start haben, kann ich auf den Konzerten sehen, wie sehr unsere neuen Songs auch andere Menschen bewegen. Und das ist unglaublich schön!

 

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