My Soundtrack: Gerhard Haase-Hindenberg

Gerhard Haase-Hindenberg (foto: privat)

Sex im Kopf, Musik im Ohr: In unserer neuen „My Soundtrack“-Episode gewährt uns der Autor Gerhard Haase-Hindenberg einen Einblick in seine musikalische Sozialisation – und verrät uns jene fünf Songs, die in seinem Leben eine tragende Rolle gespielt haben. Der Schauspieler („Operation Walküre“) und Schriftsteller rockt mit seinem Buch „Sex im Kopf“, in dem es um die sexuellen Wünsche und Fantasien der Deutschen geht, gerade die SPIEGEL-Bestsellerliste.

1) Scott McKenzie – San Francisco

Der Summer of love von 1967 hat die ganze Welt und mein ganz privates Leben verändert. Das Motto der Hippie-Bewegung „Make love not war“, das über den Atlantik bis in die deutsche Provinz schwappte, nahm ich ernst und zur Hymne des Scott McKenzie hatte ich – gerade 14 Jahre alt – meinen ersten Sex: „There’s a whole generation with a new explanation / People in motion, people in motion…” tönte es dabei aus dem krächzenden Lautsprecher meines Plattenspielers.

 

2) Janis Joplin – Cry baby

Eigentlich liebte ich alles von Janis Joplin, weil ich ihre Stimme liebte – so wie ich heute die Stimme von P!nk liebe. In einer Aufnahme von „Cry baby“ gibt es eine Liedzeile „Honey, the road’ll even end in Kathmandu“. Live hat Janis Kathmandu oft durch andere Orte ersetzt hat, aber das wusste ich damals nicht. Für mich war Kathmandu damals ein geheimnisvoller Ort. Und in gewisser Weise ist er es noch heute, obwohl ich inzwischen oft dort war und das wunderbare Buch „Göttin auf Zeit“ (über eine nepalesische Mädchengöttin) dort geschrieben habe.

 

3) The Rolling Stones – Sympathy For The Devil

Ich halte diesen Song für einen der besten Rock-Songs des letzten Jahrhunderts. Stranger Rhythmus, coole Gitarren-Riffs und ein ziemlich schräger Text… Dazu habe ich schon als Jugendlicher getanzt und nun kurz vorm Rentenalter fahre ich immer noch drauf ab.

 

4) Mohammed Mounir – Ezai

Kurz vor der Tahrir-Revolution in Ägypten im Januar 2011 hatte mich Adel Tawil in Kairo mit dem ägyptischen Pop-Star Mohammed Mounir bekannt gemacht, der als „King of Egypt“ verehrt wird. Damals hatte das Mubarak-Regime gerade seinen Song „Ezai“ verboten, in dem er seine Enttäuschung über eine Geliebte beschreibt. Jeder Ägypter aber wusste, dass es eine versteckte Botschaft an die Führung seines Landes war. Als Wochen später das Volk auf die Straße ging, nahm Mounir den Song auf, unterlegte ihn mit den Bildern der Straßenschlacht am Tahrir-Platz. Der Clip ging auf YouTube – die Hymne der Revolution war geboren.

 

5) Miley Cyrus – Various Songs

Wer das Video zu dem balladenartigen Song „Adore you“ kennt, kann sich vorstellen, warum es mich während der Arbeit an meinem aktuellen Buch „Sex im Kopf“ begleitet hat. Genau das ist es, was Miley-darling auslöst und auch ganz sicher beabsichtigt hat… Musikalisch finde ich „We can’t Stop“ interessanter und den rockigen Song „Wrecking Ball“ erst. Wirklich cool aber finde ich die Exzentrik ihrer Performances, ganz egal was sie singt.