Kino: Gone Girl

Gone Girl (foto: fox)

Dass David Fincher Spezialist darin ist, gute Thriller zu produzieren, beweist der Regisseur („Sieben“, „Fight Club“, „House of Cards“) aktuell mit seiner Verfilmung von Gillian Flynns Bestseller „Gone Girl – Das perfekte Opfer“. Was zunächst als Entführungsdrama beginnt, entpuppt sich als Abrechnung mit jenen Medien, die ihre Macht missbrauchen, sowie als Plädoyer gegen die Ehe. Übrigens: Neben Ben Affleck und Rosamund Pike in den Hauptrollen, mimt auch „How I Met Your Mother“-Star Neil Patrik Harris einen Nebencharakter.

Schatz, was haben wir uns angetan?“, lautet Nick Dunnes (Ben Affleck) Fazit über seine gescheiterte Ehe, die er wohl nur aus Fassungslosigkeit als Frage formuliert. Fassungslos, mit welcher emotionalen Brutalität sich er und seine Frau Amy (Pike) während ihrer langjährigen Beziehung gegenseitig zugesetzt haben. Der Film beginnt mit ihrem fünften Hochzeitstag, den Nick am Morgen damit verbringen soll, noch einmal über sich und Amy nachzudenken. Er beschließt, dass er dabei bleiben wird, sie zu verlassen. Am Mittag ist seine Frau dann spurlos verschwunden. Alles deutet auf eine gewaltsame Entführung oder Ermordung hin. Ihr gemeinsames Haus wird zum Tatort. Und Nick zum Hauptverdächtigen. Zu allem Überfluss ist das Medieninteresse an seiner verschwundenen Gattin, einem ehemaligen Kinderstar, groß. Die öffentliche Hetzjagd gegen Nick Dunne ist somit eröffnet.

Es sind zwei zentrale Motive, mit denen sich der Film auseinandersetzt: Die Lügen innerhalb einer Ehe und die seelischen Abgründe beider Partner sowie die manipulativen Fähigkeiten der Medien. Themen, die Regisseur David Fincher in seinem vielschichtig verstrickten Thriller glaubwürdig verhandelt. Mit Sicherheit auch deshalb, weil die Filmemacher die Autorin Gillian Flynn mit ins Boot ziehen konnten: Sie verfasste das Drehbuch.

Überzeugend auch die Darsteller: Ben Affleck mimt den zwischen Verzweiflung und Gleichgültigkeit hin und her gerissenen Ehemann, der zwar beteuert unschuldig zu sein, aber gleichzeitig erleichtert über das Verschwinden seiner ungeliebten Frau ist. Als Amy Dunne ist Rosamund Pike übrigens grandios. Wer sich weiterhin fragt, ob Nick Dunne im Stande war, seine Frau zu ermorden, kratzt hier nur an der Oberfläche. In Wahrheit geht es um die perfiden Psychosen eines lasterhaften Ehepaares und deren Frage: „Schatz, was haben wir uns nur angetan?“ Die Antwort darauf wird es sein, die gerade den glücklichsten Pärchen unter den Kinobesuchern jenseits der rund 150 Filmminuten noch nachgehen wird.