Mo Kenney – The Details

Mo Kenney - The Details (foto: rough trade)

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8 Turtlemusic / Rough Trade

8

Die aus Halifax (Nova Scotia/Kanada) kommende Singer-Songwriterin Mo Kenney legt mit „The Details“ ihr nunmehr drittes Studioalbum vor. Es ist ein sehr persönliches – und streckenweise auch beunruhigendes.

Thematisch geht es auf „The Details“ nämlich wirklich düsterer zu. Kenney, die seit ihrem 15. Lebensjahr mit Depressionen und auch mit Alkoholproblemen zu kämpfen hat, besingt auf dieser sehr intimen Platte alkoholbedingte Zusammenbrüche, Täler der Depression und zerbröckelnde Beziehungen. Dunkle, tiefschwarze Momente ihres Lebens also, wobei sie aber hier und da in all dem Ungemach immer wieder einen Silberstreif am Horizont aufblitzen lässt. Oft geht es dabei durchaus schwarzhumorig zu. Musikalisch mischt sie auf den insgesamt 14 Tracks Rock’n’Roll, Psychedelica und eingängigen Pop zu einem giftigen Cocktail.

Der Opener gibt gleich die Richtung vor: Das nur 35 Sekunden lange „Cat’s Not Cake“ kommt zwar einigermaßen sanft daher, inhaltlich ist die Nummer aber schwere Kost, geht es hier doch um das Zweiteilen des geliebten Haustiers am Ende einer Beziehung.

Ernster ist da schon der zweite Track: Auf der treibenden Nummer „On The Roof“ erzählt Kenney davon, wie es ihr nicht gelingt, sich aus der gefährlichen Spirale zu befreien, in der sie sich befindet. Vor, und während sie die Songs für das Album schrieb, trudelte sie rasant auf den absoluten Tiefpunkt zu, schwer deprimiert, mit dunklen Gedanken, zu viel trinkend, unfähig Beziehungen aufrechtzuerhalten, sich von ihren Freunden entfremdend und wild entschlossen, sich in der Besinnungslosigkeit verlieren.

In dem soften „June 3rd“ schwimmt sie sich etwas frei, bewältigt ihr eigenes toxisches Verhalten, nur um dann in dem Rocker „Maybe I Am“ – einer reverb-verhangene Nummer, die sich hin zu kraftvollen Gitarrenriffs entwickelt – beim Aufreißen eines Typen festzustellen, dass sie mit ihren Mitmenschen eigentlich gar nicht vernünftig umgehen kann. Im eher relaxt wirkenden „Counting“ gibt sie sich dermaßen am Boden zerstört, dass sie ihren Verstand zu verlieren droht.

Mehr Optimismus strahlt da schon das epische „I Can’t Wait“ aus, in dem sich Kenney daran erinnert, dass all ihre Probleme nicht das Ende aller Tage bedeuten. Doch lange hält das beruhigende Gefühl nicht an: In „Punchy“ schlägt sie ein Idiot in der Kneipe mitten ins Gesicht, trotz blutiger Zähne singt Kenney davon, nicht mit dem Lachen aufhören zu können.

Die Folk-Pop-Nummer „Unglued“ hat dann fast etwas Hippieskes, „If You’re Not Dead“ hingegen könnte auch von PJ Harvey stammen. Zum Ende des Albums wird es mit „Feeling Good“ dann etwas versöhnlich. Die Stimmung klart auf. Ein paar Narben sind geblieben, diese trägt Mo Kenney aber mit Stolz – als Erinnerung an das, was sie durchgemacht hat und als Zeichen, dass sie auch Zeiten in der Hölle überstehen kann.

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Fazit: Geht unter die Haut.

Anspieltipps: On The Roof, June 3rd, Out The Window, Unglued

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