Manic Street Preachers – Send Away The Tigers

Manic Street Preachers (foto: label)

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7 Sony Music

7

Unter Hochdruck basteln die Manic Street Preachers gerade am Nachfolger ihres Longplayers „Futurology“ (2014). Um die Wartezeit aufs neue Album zu verkürzen, hat die Band eine Collector’s Edition zu ihrem Klassiker „Send Away The Tigers“ auf den Markt gebracht – zum zehnten Wiegenfest des Albums.  

Als ihr achtes Studioalbum „Send Away The Tigers“ auf den Markt kam, hatten die Manic Street Preachers gerade eine kleine Durststrecke hinter sich. Der sehr ruhig geratene Vorgänger „Lifeblood“ war nicht wahnsinnig erfolgreich gewesen, die Band legte daraufhin eine längere Pause ein. Die Masterminds James Dean Bradfield und Nicky Wire nahmen in dieser Zeit mit „The Great Western“ (2006) und „I Killed The Zeitgeist“ (2006) Soloalben auf. 2007 besannen sich die Briten wieder auf alte Stärken, klangen wieder schmutziger, rauer und jugendlicher. „Send Away The Tigers“ legt Zeugnis davon ab.

Schon der titelstiftende Opener zeigte auf, wohin die Reise gehen sollte. Orgelpfeifen, simple Gitarrenparts, James Dean Bradfields oft aggressiv wirkender Gesang. Kein Schnickschnack. Just straight forward Rock. Auch „Underdogs“ ist recht wütend geraten. Die Lust am Rock, sie war wieder da. Der eine oder andere Song hätte durchaus in die späten achtziger oder frühen neunziger Jahre gepasst. Das Album riecht streckenweise nach Hairspray. So auch der fast schon augenzwinkernde „Autumn Song“, der zu Beginn recht stark an „Sweet Child O’Mine“ erinnert.

Insgesamt gehen die Manic Street Preachers auf diesem Album wieder deutlich politischer zu Werke. „Rendition“ beispielsweise rückt die Geheimflüge der CIA in den Fokus, mit denen die Firma Menschen in rechtsfreie Räume transportiert. „Imperial Bodybags“ handelt von im Krieg gefallenen US-Soldaten und von den um sie trauernden Familien. Verpackt werden diese Musik gewordenen Anklagen in straighten Rock.

„Your Love Is Not Enough“, auf dem Cardigans-Frontfrau Nina Persson der Band zur Hand geht, ist mit seinen Rockslide-Riffs ziemlich catchy geraten. Erinnert dann und wann an „Enola Alone“. Eine gute Entscheidung, die Nummer als Single auszukoppeln.

Negative Ausreißer gibt es aber auch. „Winterlovers“ ist so einer. Hier versuchen die Waliser mehr schlecht als recht den Geist von Queen zu channeln. Hätten sie mal besser bleiben lassen. Ebenso wie das überflüssige John-Lennon-Cover „Working Class Hero“.

Die Collector’s Edition kommt nun als Doppel-CD mit DVD, als Doppel-Vinyl sowie in digitaler Version daher. Sie umfasst natürlich sämtliche Songs des Originals in digital optimierter Fassung, dazu kommen Demos sowie eine Bonus-Disc mit B-Seiten und Raritäten. Die DVD des Sets bietet das komplette Konzert der Manic Street Preachers aus dem Jahr 2007 in Glastonbury. Weiterhin gibt es noch Promovideos sowie seltene und unveröffentlichte Probenmitschnitte. Nicky Wire hat für das beiliegende Booklet handgeschriebene Lyrics und Bilder aus seinem persönlichen Archiv beigesteuert.

Die Band selbst kommentiert den Re-Release übrigens so: „’Send Away The Tigers‘ war ein sehr wichtiges Album für uns. Es gab uns neuen Schwung und wir konnten unsere Liebe zur Band wiederentdecken. Die Jubiläumsfassung erzählt die ganze Album-Geschichte. Dank der Demos und der handgeschriebenen Lyrics, die hier zu hören und zu sehen sind, entdeckt der Hörer intime Details einer Band, die dabei ist, sich neu zu erfinden.“

Fazit: Ein Album, das der Band wieder Leben eingehaucht hat. Für jeden Fan unverzichtbar.

Anspieltipps: Send Away The Tigers, Your Love Is Not Enough, Autumn Song

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