Lorde – Melodrama

Lorde (foto: universal)

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7 Universal Music

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Vier Jahre lang ließ Lorde ihre Fans auf einen Nachfolger zu ihrem gefeierten Debütalbum „Pure Heroine“ (2013) warten. Jetzt hat das geduldige Ausharren endlich ein Ende: Mit „Melodrama“ hat die Neuseeländerin abgeliefert – und zwar ein recht poppiges und tanzbares Break-Up-Album.

Keine Frage: Die Frau hat Mut. Vier Jahre sind im schnelllebigen Pop-Zirkus verdammt lang. Die meisten Karrieren würden eine solche Veröffentlichungspause nicht überleben, geschweige denn überhaupt so lange andauern. Lorde aber ließ sich nicht drängen und hat sich die Zeit einfach Mal genommen. Aber: Sie darf das. Lorde ist  – „Pure Heroine“ sei Dank – ein global etablierter Name, den man denn auch einfach Mal machen lässt.

Ein bisschen Bammel hatte sie vor diesem Machen allerdings schon. Das ließ sich 2013 schon aus einer Nummer wie „Tennis Court“ ablesen, in der sie die Frage aufwarf, wie sie sich denn selbst treu bleiben könne, wenn der Erfolg einsetzt, sich ihr Umfeld und ihre Lebenssituation verändern und sie plötzlich ihre Kreativität aus anderen Quellen speisen lassen muss („How can I fuck with the fun again, when I’m known“).

Und klar, der Erfolg („Pure Heroine“ verkaufte sich mehr als fünf Millionen Mal) hat ihr Leben und ihr Arbeiten gravierend verändert. Die neuen Lieder, so heißt es, sind zwar vornehmlich in Neuseeland, der Heimat der nunmehr 20-Jährigen, geschrieben worden. Aufgenommen und produziert aber wurde die Kiste dann im glitzernden New York. Und das nicht mehr gemeinsam mit Joel Little, wie beim Debüt, sondern mit allerlei namhaften Pop-Backstage-Größen wie Jack Antonoff (fun.), der ja gerade als Bleachers selbst ein Album auf den Markt gebracht hat. Auch Köpfe, die schon mit Taylor Swift, Beyoncé und Rihanna zusammengearbeitet haben, hatten hier plötzlich ihre Hände mit im Spiel.

Logisch, dass das Ganze dann eben auch ganz anders klingt. Kalkulierter als beim Debüt. Bombastischer. Es gibt jetzt mehr Pop-Pomp als noch beim Vorgänger, künstliche Bläser, mehr Piano, mehr Hall, gedoppelte Stimmen und schnellere Beats. „Melodrama“ ist keine ironische Betrachtung des Pop-Biz mehr von außen, sondern das Gegenteil: Es ist in seinem tiefsten Inneren entstanden. Lorde ist nun Teil der Kultur, deren Abgesang sie 2013 noch geleistet hat. Das muss man wissen, das muss man mögen.

Aber die Frau hat eben auch genug Talent, nicht vollständig im Pop-Brei zu versinken. Sie versteht es immer noch, sich wunderbar bildhaft auszudrücken. Diesmal verhandelt sie in ihren Texten vor allem die Trennung von ihrem Freund, das Zerbrechen der ersten großen Liebe – und die Gefühle, die sich nach einem solchen Einschnitt einstellen.

So ist das Album Musik gewordenes Gefühlschaos, ein ständiges Auf und Ab. Mal gibt sich Lorde ausgelassen, serviert Tanzbares: Das recht euphorische „Green Light“ etwa wurde ja bereits vorab als Single ausgekoppelt. Eine Herzschmerz-Dance-Nummer, wie sie sie 2013 im Song „Team“ noch kritisiert hatte. Dann wieder gibt sich Lorde verheult wie in „Sober“. Es sind gerade die Balladen, die besonders Spaß machen. Das von Piano und Streichern dominierte „Writer in the Dark“, eines der stärksten Lieder des Albums, erinnert stark an Kate Bush. Und das intime „Liability“ berührt ebenfalls.

Am Ende rafft sich Lorde in „Perfect Places“ auf, tanzt, traurig zwar, mit ihren feiernden Freunden in den Morgen. Und wir tanzen mit.

Fazit: So schön kann Herzschmerz klingen.

Anspieltipps: Green Light, Sober, Writer in the Dark, Liability

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