Live: Zaz

Paris, das ist ja nun seit Erscheinen ihres jüngsten (gleichnamigen) Albums bekannt, ist für Zaz nicht nur bloß ihre Wahlheimat, sondern eine echte Herzensangelegenheit. Eine Stadt, in der sich die französische Sängerin wohlfühlt. Eine Stadt, die es zu besingen lohnt. Nun ist Ludwigshafen nicht Paris, und ein Album über die rustikale Chemiestadt wird Zaz wohl auch nicht aufnehmen  – wohlgefühlt hat sich die Chanteuse bei ihrem Konzert im ausverkauften BASF-Feierabendhaus aber augenscheinlich trotzdem.

Wenn es in der Presse heißt, Isabelle Geffroy habe eine Stimme wie aus der Gosse, dann liest sich das im ersten Moment ja schon grausam und brutal, fast schon beleidigend. Ist aber am Ende bei näherem Hinsehen dann doch eher als Kompliment gemeint. Denn bei Zaz, der früheren Straßenmusikerin am Montmartre, ist es gerade ihr raues Tremolo, ihr spezielles Timbre, das ihrer Musik und ihrem Gesang das gewisse, beinahe erotische Etwas verleiht. Und das einen live besonders umhaut.

Umgehauen wird das Publikum auch durch die schier unermüdliche Energie der mittlerweile 34-jährigen Französin. Ob in glitzernder Pailettenbluse oder Fransenmini, Zaz ist voller Spieltrieb, wirbelt wild wie ein Derwisch über die Bühne und animiert das Auditorium immer wieder zu interaktiven Frage-Antwort-Spielchen („Lauter!“, „Tanzön!“). Auf den eigenen vier Buchstaben blieb da – trotz Bestuhlung – niemand sitzen.

Ist ja auch schwer bei dieser lebendigen, vor Lebensfreude strotzenden Musik. Hier ein bisschen Jazz, da ein bisschen Chanson, dort etwas Gypsy-Swing, angereichert mit einer Prise Pop: Wer kann da schon still sitzen? Den Ludwigshafenern fiel das vor allem bei den großen Hits schwer. „Les Passants“, „Je Veux“, „Comme ci, comme ca“  – dazu ging man in der Stadt am Rhein besonders steil. Zaz musizierte sich in „Lu“ quer durch all ihre Alben, auch Songs von ihrem jüngsten Arbeitsnachweis, „Paris“, hatte sie natürlich mit im Gepäck. Deutlich frischer, optimistischer und lebensbejahender wirken diese im Vergleich zu den Tracks des Vorgängers „Recto Verso“, Zaz orientiert sich wieder mehr an ihren Wurzeln. Und das ist auch gut so.

Zaz kokettiert mit ihrem natürlichen Charisma und ihrer Spontanität, nie weiß man so recht, was  nun bis ins letzte Detail durchgeplant ist, und was aus dem Moment heraus geschieht. Wer eher romantisch veranlagt ist, der interpretiert dann und wann eher in letztere Richtung. Fakt ist: Zaz ist eine Meisterin der Inszenierung, die Show ist perfekt durchgestylt: vom epischen, orientalisch angehauchten Intro über die Jazz-Club-Kulisse bis hin zu den Authentizität und Straßenkünstlercharme versprühenden Waschbrettern und Drehleiern. Man ist verzückt.

Dass geschätzt rund die Hälfte des Publikums weder die französischen Lyrics noch die Anmoderationen versteht, geschenkt. Tat der guten Stimmung keinen Abbruch.

Text: Benjamin Fiege