Live: Saga in Neuleiningen

Saga (foto: neon ghosts)

Als im Frühjahr der Vorverkauf gestartet wurde, war das Saga-Konzert in Neuleiningen innerhalb von nur wenigen Minuten ausverkauft. Und so hieß es entsprechend volle Hütte, als die kanadischen Prog-Rocker den 13. Burgsommer eröffneten. Ein Anfang, der gleichzeitig einen Abschied bedeutete.

Noch einmal die Augen schließen. Die Arme in die Höhe reißen. Den Kopf zurücklegen. Genießen. Als Saga-Sänger Michael Sadler mit „On The Loose“ schon sehr früh an diesem Abend einen der großen Hits der 1977 gegründeten Band anstimmte – „No One Can Stop You Now. Tonight You’re On The Loose. No One Tell You How. Tonight You’re On The Loose“ – ließ sich das Publikum direkt dankbar mitreißen. Neuleiningen war in der Tat „on the loose“. Wie von der Leine gelassen. Ausgelassen feierte das Publikum die Band, wohlwissend, dass die meisten von ihnen an diesem Abend auf der Burg dazu wohl das letzte Mal die Chance haben würden. Denn nach 40 Jahren packt die Gruppe, die mit mehr als zehn Millionen verkaufter Tonträger zu den einflussreichsten Prog-Rock-Bands aller Zeiten gehört, die Instrumente endgültig weg.

Eine Ankündigung, mit der die Band ihre Fans zu Beginn des Jahres geschockt hat. 2018 soll Schluss sein, bis dahin befindet sich die Gruppe auf ausgedehnter Abschiedstour, die sie unter das Motto „Final Chapter“ gestellt hat. Das letzte Kapitel.

Sicher, es stehen im Rahmen dieser Tour noch einige Deutschland-Termine an – die Bundesrepublik gilt neben Puerto Rico als größter Markt für die Kanadier –, doch dem Vernehmen nach sollen die Saga-Tracks dann in akustischem Gewand präsentiert werden. Wer also noch mal einigermaßen originalgetreue Darbietungen der Saga-Klassiker erleben wollte, hatte hier in Neuleiningen womöglich die letzte Gelegenheit dazu.

Ihre Hits hatten sie alle im Gepäck. „On The Loose“, klar, „Wind Him Up“ und „The Flyer“, natürlich. Es waren vor allem die erfolgreichen achtziger Jahre, denen Saga an diesem Abend noch mal Tribut zollten. Titel, die man bei einer Abschiedstour eben einfach auch erwartet. Aus dem jüngsten Album „Sagacity“ (2014) hingegen schaffte es kein einziger Song auf die Setlist. Der jüngste, an diesem Abend performte Track „Book Of Lies“ stammt aus dem Jahr 2007.

Das Publikum störte das nicht. Es ergötzte sich lieber an der Spielfreude der Band, dem offensichtlichen Spaß, den die Jungs da oben auf der Bühne hatten. Geht es nach der Performance-Qualität, dann gibt es eigentlich keinen Grund für Saga, sich jetzt schon aufs Altenteil zurückzuziehen. Die Gruppe kann wirklich noch rocken. Und auch Sänger Michael Sadler, der immer wieder kurze Ansprachen ans Publikum auf Deutsch hält, trifft die Töne noch so wie er sie soll. Er singt kraftvoll, wirkt agil. Einfach gut in Form.

Nach den Zugaben „The Flyer“, „Mouse in A Maze“, „Will It Be You?“ und rund zwei Stunden Spielzeit ist gegen 23 Uhr Schluss. Eine letzte Verbeugung. Aus, das war’s. Kaum zu glauben. Und irgendwie schade.

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