Live: Picknick Open Air (Loreley)

Die Freilichtbühne (foto: veranstalter/frey)

Essen und Musik – die Hochzeit meiner zwei Lieblingsbeschäftigungen wird beim Picknick Open Air auf der Loreley gefeiert. Ein ganz schmuckes Line-Up hatte sich gestern bei diesem Tagesfestival nahe St. Goarshausen eingefunden: Die Radiolieblinge Andreas Bourani, Christina Stürmer und Mark Forster wurden als Zugpferde verpflichtet, unter anderem Elena und Undiscovered Soul galt es zu entdecken.

Am Ende gab’s ein Feuerwerk. Fast schon ein bisschen kitschig, zugegeben, aber vor der malerischen Kulisse der Loreley dann doch spektakulär. Es war der Schlusspunkt unter rund sieben Stunden Live-Musikgenuss, von denen wir allerdings nur rund vier mitbekamen. Termine, Termine. Und so trudelten wir ein, als Mark Forster gerade Tschüss sagte und von der Bühne ging. Das nennt man Timing.

Blieben also Christina Stürmer und Andreas Bourani. Beides die Sorte Künstler, deren Songs gerne von RTL II oder Vox verwendet werden, um Trailer oder Scripted-Reality-Formate mit Musik zu unterlegen. Beides Künstler, die bisher nicht den Weg in meinen Plattenschrank gefunden haben.

Enter Christina Stürmer. Seit mehr als einem Jahrzehnt zählt die Linzerin bekanntermaßen zu Österreichs erfolgreichsten Musik-Exporten. Mehr als 1,5 Millionen Tonträger hat die Gute bereits an den Mann gebracht, diverse „Amadeus“-Awards eingesackt, und, und, und. Selbst wenn man einen großen Bogen um derlei Mainstream-Mucke von ehemaligen Castingshow-Teilnehmern („Starmania“, Österreich) macht, kommt man doch irgendwann zwangsläufig mit dem einen oder anderen Song in Berührung. Mit „Millionen Lichter“, „Nie genug“ oder „Ich lebe“ tritt bei mir recht schnell der „Aha“-Effekt ein. Ja, doch, kennt man. Nichts, was ich mir unbedingt ins Regal stellen müsste, aber live kann man zu Stürmers Pop-Rock doch ganz gut Party machen. In Erinnerung bleibt vor allem ihre Coverversion des Prinzen-Klassikers „Alles nur geklaut“, das selbst den größten Mitgröl-Muffel (moi) dann doch zum Mitmachen animiert. Entschuldigung, das habe ich mir erlaubt.

Jogi Löws nasses Haupthaar und Andreas Bouranis Sommerhymne „Auf uns“ – das ist es, was ein Jahr nach dem deutschen Triumph von der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien hängen geblieben ist. Den deutschen Finaltorschützen? Hat man als BVB-Fan irgendwie vergessen. War’s nicht Mats Hummels? Sei’s drum. „Auf uns“ hatte Bourani auf der Loreley auf jeden Fall mit im Gepäck, und so zogen die großen WM-Momente vorm inneren Auge eines jeden Fußballfans im Publikum vorbei. Jogis nasse Frise, Mats Hummels‘ geiles Endspieltor. Schön war’s. Bourani selbst zeigte sich in Topform und bewies einmal mehr, warum man die Meinung vertreten könnte, ein verrückter Wissenschafter hätte da erfolgreich rumexperimentiert und eine Kreuzung zwischen Herbert Grönemeyer und Xavier Naidoo geschaffen. Viel Charisma, gute Bühnenpräsenz, ausgezeichnete Stimme – Andreas Bourani ist ein kompletter Sänger. Nur die Songs dürften ein paar mehr Ecken und Kanten vertragen.

Am Ende war es ein gelungener Abend, auch, weil das befürchtete Unwetter ausblieb und die Konzertbesucher nur von ein paar Schauern heimgesucht wurden. Aber wie kann ein Konzert nicht gelungen sein, zu dem man seine eigenen Bifis mitbringen darf?