Live: Paul McCartney in München

Paul McCartney (foto: linda mccartney)

Nachdem dann mehr als zweieinhalb Stunden vergangen und der letzte Gitarrenklang dieser unglaublichen Zeitreise durch 50 Jahre Musikgeschichte im stimmungsvollen Münchner Olympiastadion verklungen war, baute sich Sir Paul McCartney ein allerletztes Mal vor seinem Mikrofon auf und sprach die letzten Worte dieses unvergesslichen Abends – und das auch noch auf deutsch: „Es tut mir wirklich leid, aber wir müssen jetzt gehen. Danke für alles. Servus, München. See you next time.“ Dann verschwand McCartney hinter einer Wand von Konfettiregen und joggte leichtfüßig, die Hände zu einer Jubelpose in den Himmel streckend, von der Bühne.

McCartneys erster Auftritt in der bayerischen Landeshauptstadt seit 13 Jahren war nicht weniger als ein musikalischer Triumphzug. Am 18. Juni wird der Ex-Beatle, der mit seiner alten Kapelle schon 1966 auf der „Bravo-Blitz-Tour“ im Circus Krone aufgetreten war, 74 (!) Jahre alt. Man merkt ihm sein Alter nicht an. Frisch und motiviert wie eh und je, schlenderte McCartney gegen 20 Uhr auf die Bühne, stilsicher gekleidet mit weißem Hemd und blauem Sakko. Um seinen Hals hing das legendäre Hohner-Bass. Dass er auch stimmlich noch mithalten kann, zeigte er bereits beim ersten Song des Abends: „A Hard Day’s Night“. Die alte Beatles-Nummer brachte das Olympiastadion sofort zum Kochen. Es folgte „Save Us“ von seinem 2013er Album „New“ und dann schon der nächste Klassiker der vier Pilzköpfe aus Liverpool: „Can’t Buy Me Love“. Bei diesem Song flimmerten alte Aufnahmen der Beatles über die riesigen Leinwände auf der Bühne und man fühlte sich sofort in der Zeit ein wenig zurückversetzt.

McCartney wechselte selbst an diesem Abend zwischen Bass, E-Gitarre, Akkustikgitarre und Piano hin und her, spielte Hits wie „Love Me Do“, „Let It Be“, „Lady Madonna“, „Eleanor Rigby“, „Back In The U.S.S.R“ oder „Hey Jude“– allesamt Beatles-Songs, die den Geräuschpegel in diesem imposanten Olympiastadion immer wieder merklich ansteigen ließen. Bei „Blackbird“, „Here Today“ – was „ich meinem Kumpel John Lennon widme“ – und „Something“ („Das ist ein Lied für meinen guten Freund George Harrison“) konnte man dagegen in der Arena eine Stecknadel fallen hören. So leise und andächtig hörten die Fans „ihrem“ Sir Paul zu. Als Überraschung stimmte McCartney dann „das erste Lied an, das wir jemals mit den Beatles aufgenommen haben und zuvor mit den Quarrymen auf Konzerten spielten“: „In Spite Of All The Danger“. Definitiv ein musikalischer Höhepunkt.

McCartney zog ganz München in seinen Bann, zeigte an diesem Abend, warum er eine absolute Legende im Musikgeschäft ist. Als dann zum Abschluss des Hauptsets zu den Klängen des alten Wings-Hits „Live And Let Die“ dann auch noch das Olympiastadion „brannte“ – eine beeindruckende Laser-, Visual- und Feuerwerkshow, Konfettiregen und hochzischende Flammen machten es möglich – hielt es im Olympiastadion wirklich niemanden mehr auf seinen Sitzen. Es war eine Euphorie und ein lauter Jubelsturm, wie in allerbesten Beatles-Zeiten vor rund 50 Jahren.

Für die Zugaben kam McCartney dann erst einmal alleine auf die Bühne zurück und zupfte das wunderschöne „Yesterday“ auf der Akkustikgitarre. Und beendet wurde Sir Pauls 38-Songs-Set an diesem wunderbaren und für viele mit Sicherheit unvergesslichen Abend mit dem Medley aus „Golden Slumbers“, „Carry That Weight“ und „The End“ vom Beatles-Album „Abbey Road“. Es war unverkennbar, dass sich der oder die eine oder andere in diesem Augenblick ein paar Tränchen aus den Augen wischte, so rührend war dieser Moment, wenn McCartney seinem Publikum zum Abschluss ein musikalisches Betthupferl mit auf den Heimweg gab.

„See you next time“? Es klang wie ein Versprechen. Und es ist zu hoffen, dass McCartney wirklich noch einmal zurück kommt und noch mehr Fans und Musikbegeisterte die Möglichkeit haben, dieser sympathischen Legende und seinen Hits auf der Bühne zu lauschen.

 

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