Live: Morcheeba

Eine Stimme wie Honig: Skye (foto: christian gaier)

Schwer zu sagen, ob man sich in eine Stimme verlieben kann. Aber zumindest spürt man all die Symptome, die zum Verliebtsein eben dazu gehören, wenn man Skye Edwards beim Singen lauscht. Nur ein einziges Konzert haben Morcheeba in diesem Jahr in Deutschland gegeben. Wir waren dabei – in der Alten Feuerwache in Mannheim. 

Und irgendwann war sie einfach weg, die singende Elfe. Alles aus, vorbei. Morcheeba waren nicht mehr. Beziehungsweise: Sie waren schon, nur halt ohne Skye, den akustischen und optischen Mittelpunkt jenes Trios, das sich dereinst losmachte, den Trip Hop (neben Massive Attack) in den späten Neunzigern salonfähig zu machen. Vier Alben schenkten uns Skye sowie Ross und Paul Godfrey zwischen 1996 und 2004, bevor es zum großenKnatsch und dem Split der Band kam. Triste Jahre waren das, die da folgen sollten. Skye, die Sängerin mit der Honig ummantelten Stimme, machte solo weiter, brachte zwei gefällige Alben heraus, flog aber irgendwie unter dem Radar des Mainstreams. (Unser Interview mit ihr könnt ihr übrigens hier lesen). Morcheeba machten derweil ohne sie weiter, verschlissen dabei zwei Sängerinnen binnen kürzester Zeit und konnten nicht mehr an frühere Erfolge anknüpfen – auch wenn „Dive Deep“ eine tolle Platte war. Die Tatsache, dass wir der Band in Originalbesetzung heute in Clubs wie der Alten Feuerwache wieder zujubeln dürfen, verdanken wir dem Umstand, dass sich Skye und die Godfrey-Brüder wieder miteinander vertragen haben. Seit 2010 wird wieder gemeinsam musiziert.

Nun ist das ja immer so eine Sache mit Comebacks, selten sind sie notwendig, oft verschandeln sie das Erbe, das eine Band im Laufe ihres ersten erfolgreichen Runs hinterlassen hat. Glücklicherweise ist das bei Morcheeba aber nicht so. Sicher, die ausgelatschten Trip-Hop-Pfade hat die Combo mittlerweile mehr oder weniger hinter sich gelassen. Mit „Blood Like Lemonade“ (2010) und „Head Up High“ (2013) hat sich die Band mittlerweile in poppigere Fahrwässer begeben. Das ist hier aber kein unverzeihlicher Stilbruch, denn schließlich war der größte Hit der Band ja ebenfalls ein Pop-Song: „Rome wasn’t build in a Day“ dürfte jenes Lied sein, wegen dem die meisten Zuschauer in der gut besuchten Alten Feuerwache ein Ticket gelöst haben.

Sie wurden nicht enttäuscht. Es wurde magisch ab dem Moment, als Skye in ihrem – natürlich selbstgemachten – schwarzen Dress auf die Bühne schwebte. Der Fokus lag diesmal nicht so sehr auf den neuen Songs, vielmehr wurde den Fans ein Best-Of kredenzt, ein Streifzug durch die komplette Diskographie der Band (abzüglich der beiden Alben, die ohne Skye erschienen sind). Songs wie „The Sea“ ließen einen im Geiste noch mal trotz des grauen November-Wetters am Strand chillen. Die Performances vom countryhaften „Part of the Process“, „Rome wasn’t built in a Day“ oder „Over and Over“ – perfekt.

Nicht am Start war mal wieder Paul Godfrey (der fehlte auch schon bei den letzten Konzerten von Morcheeba in Deutschland, im Frankfurter Gibson 2013 etwa), was seinem Bruder Ross ausreichend Raum für dessen Gitarren-Vorliebe gab. Die Band präsentierte sich in bester Spiellaune, und Skye ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Die Frau ist schlicht in Topform, und hat übrigens mittlerweile selbst Familie mit auf der Bühne: Sohnemann Diego saß an den Drums, ihr Ehemann gibt schon länger den Haus-Bassisten der Band.

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Die Magie fand auf der Bühne statt, nicht davor (foto: alexander ‚quick shot‘ fiege)

Einziger Wehrmutstropfen: das Mannheimer Publikum. Das ging, möglicherweise ob des doch etwas höheren Durchschnittsalters, nun nicht wirklich in die Vollen. Schade, denn die Band hätte ein etwas energiegeladeneres Auditorium verdient gehabt. So fand die Magie an diesem Abend nur auf, und nicht vor der Bühne statt.