Live: Amy MacDonald in Karlsruhe

Amy MacDonald (foto: neon ghosts)

Knapp 250.000 Menschen sind beim Karlsruher Musik-Festival „Das Fest“ drei Tage lang kräftig steil gegangen. Den Schlusspunkt unter die gelungene Party setzte am Sonntagabend auf der Hauptbühne die charmante Schottin Amy MacDonald.

Ja, sie ist schon ein bisschen krude, die Zusammenstellung der Solo-Künstler und Bands, mit der das Karlsruher Festival in diesem Jahr aufgewartet hat. Da gab es zum einen Rock von Jennifer Rostock, düsteren Wave aus der Pfalz von Drangsal und Rap von Deutschrapper Sido. Da bliesen am Sonntag dann die Pop-Blechbläser von La Brassbanda dem Publikum den Marsch, verwandelten die Festival-Anlage für etwas mehr als eine Stunde lang in ein bayerisches Bierzelt – und klassische Musik hatten die Veranstalter auch noch irgendwo zwischenrein gepfercht. Wahrscheinlich ist es aber eben genau diese wilde Mischung, dieses musikalische All-You-Can-Eat-Buffett, das die Menschen Jahr für Jahr nach Karlsruhe an den „Mount Klotz“, jenen mittlerweile Kult gewordenen Hügel vor der Hauptbühne, lockt.

Zum großen Finale konnten die Festivalbesucher am Sonntagabend dann Amy MacDonald erleben. Keine Selbstverständlichkeit, hat die Gute sich doch in den vergangenen Jahren äußerst rar gemacht und war nach ihrem Album „Life In A Beautiful Light“ von 2012 praktisch von der Bildfläche verschwunden. Überraschend, nachdem sie zuvor jahrelang mit ihrer Musik in den Radio-Stationen dieser Welt omnipräsent war. Wie aus dem Nichts meldete sich MacDonald dann Anfang 2017 mit ihrem neuen Album „Under Stars“ zurück. Ihrem Stil, eingängigen Singer-Songwriter-Gitarren-Pop mit Folk und Country-Elementen zu verbinden, ist sie darauf weitgehend treu geblieben.

Aus dem neuen Album hatte sie an diesem Abend in Karlsruhe gleich mehrere Songs im Programm. Das ist bei Bands und Künstlern, die schon etwas länger dabei sind, immer eine gefährliche Sache, weil das Publikum sich oft auf die alten Hits versteift und die neuen Lieder meist nur müde lächelnd zur Kenntnis nimmt. An diesem Abend jedoch war das glücklicherweise nicht der Fall. Die neuen Stücke kommen an.

Das leicht gospelige „Down By The River“, das wurde schnell klar, hat das Zeug zum künftigen Publikumsliebling. Die aktuelle Single „Automatic“ stieß in Karlsruhe auch auf viel Gegenliebe, ebenso wie die dramatische Ballade „Prepare To Fall“, bei der MacDonald, nur von Klavierklängen begleitet, ihre stimmlichen Qualitäten ausspielen konnte. Bei diesem gefühlvollen Song verwandelte sich der Mount Klotz nicht zum ersten und auch nicht zum letzten Mal in dieser Nacht in ein Smartphone-Lichtermeer.

Zwischen den einzelnen Nummern wickelte die Frau das Publikum immer wieder mit ihrem grenzenlosen Charme um den Finger. Allerdings hatte man auch dann und wann den Eindruck, dass der dicke schottische Akzent der Dame nicht jedes Bonmot zu hundert Prozent an die Empfänger vor der Bühne vermitteln konnte. Nach der einen oder anderen Pointe blickte MacDonald in viele fragende Gesichter, was letztlich aber sowohl Künstlerin als auch Publikum äußerst komisch fanden.

Natürlich geizte die Schottin auch nicht mit großen Hits, sie hatte sie alle im Gepäck. MacDonald ist eine grandiose Live-Musikerin, viele der Tracks klangen besser als auf den oft zu glatt produzierten Alben. Nur wenigen verpasste die 1987 in Glasgow geborene Musikerin ein gänzlich neues Gewand: „4th of July“ etwa, eigentlich eine Up-Tempo-Nummer, kam plötzlich als romantische Akustik-Interpretation daher. Diese Experimentierfreude, da war sich der Mount Klotz am Ende einig, sollte MacDonald noch viel häufiger zeigen.

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