Linkin Park – One More Light

Linkin Park (foto: warner)

Our Rating

5 Warner Music

5

Das wird so einige Fans der ersten Stunde tierisch nerven: Überraschend poppig kommt „One More Light“, das siebte Studioalbum der Nu-Metal-Vorreiter Linkin Park, daher. Von harten Riffs und schnörkellosem Alternative Rock keine Spur mehr.

Nein, mit den harten Klängen aus den Anfangstagen von Linkin Park haben die Songs auf „One More Light“ nicht mehr viel gemein. Man hatte so etwas ja schon geahnt, als Chester Bennington, Mike Shinoda, Joseph Hahn, Brad Delson, David Farrell und Rob Bourdon vor wenigen Monaten mit „Heavy“ (feat. Kiiara) die erste Single aus ihrem neuen Machwerk auskoppelten. Der Titel der Nummer – eigentlich blanke Ironie. Wo waren da die verzerrten Gitarren? Wo der in Geschrei übergehende Gesang?  Und nach den Single-VÖs von „Battle  Symphony“ und „Good Goodbye“ war auch dem Letzten der 61 Millionen Facebook-Fans der Gruppe klar, wohin die Reise geht: in Richtung Pop. Genauer: Format-Radio-Pop. „A Thousand Suns“ (2010) war also kein Ausrutscher, sondern vielmehr ein Vorbote.

Gitarren findet man auf dem sehr glattgebügelten „One More Light“ tatsächlich nur noch selten. Etwa auf „Sharp Edges“, dann aber auch nicht elektrisch verstärkt, sondern akustisch. Stattdessen kredenzt uns die Band viele Electro-Experimente, 08/15-Chöre, einen Auftritt der Rapper Pusha T und Stormzy und jede Menge Auto-Tune. Zehn Songs, die sich zumeist im Spannungsfeld zwischen Ballade und Hymne bewegen. Ein bisschen Bieber, ein bisschen Maroon 5.

Linkin Park, so scheint es, haben ihre wilden Zeiten hinter sich. Die Band ist erwachsen geworden, viele Bandmitglieder haben Familien. Erstmals, so heißt es, habe die Gruppe nicht einfach drauflos gespielt, sondern die Arbeit an dem neuen Album mit Gesprächen begonnen, die sich um Themen wie Depression und Tod, aber eben auch um Alltägliches,um das Familienleben drehten. Themen, die vor 15 Jahren niemand in der Band verstanden hätte, wie Bennington jüngst in einem Interview verriet. Der neue, weiche Sound repräsentiert, wo die Band gerade im Leben steht. Ob es den Fans gefällt oder nicht. They don’t give a fuck. Und das ist dann doch auch wieder eine Rock-Attitüde. Irgendwie.

Fazit: Gewöhnungsbedürftig.

Anspieltipps: Battle Symphony, One More Light, Sharp Edges

1 Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.