Lester Bangs – Elvis Presley. Wo waren Sie, als Elvis starb?

Lester Bangs - Elvis Presley (foto: schirmer/mosel)

Our Rating

7 Schirmer/Mosel

7

Vor 40 Jahren starb Elvis Presley. Lester Bangs Essay „Wo waren Sie, als Elvis starb?“ erschien als Nachruf ursprünglich in „Village Voice“ (29. August 1977) – und wird nun vom Schirmer/Mosel-Verlag als kleines Büchlein neu aufgelegt.

Lester Bangs Glaskugel funktionierte damals prächtig. „Wo waren Sie als Elvis starb? Was haben Sie da gerade gemacht, und für welchen Zeitvertreib haben Sie seinen Tod als Ausrede benutzt? Darüber werden wir uns künftig unterhalten, wenn wir uns an dieses bedeutsame Ereignis erinnern. Wie bei Pearl Harbor oder dem Kennedy-Mord bleiben letztlich nur individuelle Erinnerungen daran zurück“, orakelte Bangs in seinem Essay.

Der US-Popkritiker hat diese popkulturelle Zäsur damals richtig eingeschätzt. Hier ist nicht nur einfach ein Musiker von dieser Welt gegangen, nein, hier hat ein historisches Ereignis stattgefunden. Hier gab es einen Einschnitt, der im kollektiven Gedächtnis als eben solcher abgespeichert werden würde.

Dennoch packt Bangs den guten Elvis in diesem Nachruf nicht mit Samthandschuhen an. Im Gegenteil. Vielmehr wirft er Presley vor, seine Fans verachtet zu haben und knüpft diese These an jene späten Alben, auf denen Elvis seinen Anhängern immer wieder altes, bereits bekanntes Material aufwärmte.  Er bezeichnet Elvis sogar als „pervers“, weil nur ein Perversling eine Platte wie „Having Fun With Elvis On Stage“ herausbringen könnte, in der dem Hörer „nur pausenfüllendes Bühnengeplapper“ geboten würde. Elvis, so sein Vorwurf, habe am Ende einfach seine Langeweile vermarktet. Dessen Fans, „diese armen Idioten“, täten ihm leid. Man solle sich überlegen, „ob wir ihm zum Abschied nicht mit ausgestrecktem Mittelfinger winken sollten“.

Aus Bangs spricht die Enttäuschung, dass sich Elvis, der die Amerikaner dereinst aus ihrer sexuellen Starre befreite, irgendwann verändert hatte. Bequem wurde. Die Fans im Stich ließ. Und so ein bisschen hatte er ja Recht dabei. Man muss es nicht so radikal wie seinerzeit John Lennon sehen, dem alles, was Elvis nach der Army-Zeit anpackte, nicht mehr gefiel. Damit würde man ja die Phase der späten sechziger Jahre, das legendäre Comeback-Special, Hits wie „Suspicious Minds“ oder das „Hawaii“-Special ausklammern. Aber das, was Elvis in seinen letzten Lebensjahren auf die Beine stellte, war schon geeignet dafür, bei dem einen oder anderen Fan Enttäuschung hervorzurufen.

Aufgepimpt wird der Essay durch eine längere Bilderstrecke mit netten, aber bekannten Bildern des King of Rock ’n‘ Roll.

ANZEIGE

Fazit: Lesenswert, aber eben aufgewärmt. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.