Lana Del Rey – Lust For Life

Lana Del Rey (foto: label)

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9 Universal Music

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Die Königin der Schwermut entdeckt Lebensfreude und Haltung: Auf Lana Del Reys neuem Album „Lust For Life“ ist der Titel Programm.

Hach, man möchte sich Lana Del Reys Leben ja nur allzu gern so wie den Clip zum titelgebenden Stück „Lust For Life“ vorstellen. In dem Video thront sie mit ihrem Feature-Partner The Weeknd hoch oben im Hollywood-Schriftzug über Los Angeles. Von dort beobachten sie wie Geschöpfe des Himmels die Stadt der Engel und turteln schwer verliebt. Das alles zu den hypnotischen, fast schon hedonistischen Lyrics von Iggy Pops gleichnamiger Drogen-Hymne.

Die aus New York stammende Sängerin und Songwriterin, die eigentlich Elizabeth Grant heißt und 2011 mit der Single „Video Games“ den Durchbruch schaffte, lebt ja mittlerweile in Los Angeles. Dort bewegt sich sich nun vor allem in Indie-Folk-Kreisen und soll so ihre berüchtigte Verschlossenheit hinter sich gelassen haben. Die Sonne Kaliforniens gepaart mit neuen Freunden – klar, dass das auch Einfluss auf den Sound der guten Lana hat. Die sonst für ihre schwermütige Mucke bekannte Del Rey zitiert auf ihrem neuen Album die Hippie-Ära.

Einen Vorgeschmack auf diesen neuen, leichtfüßigeren Style hatte Del Rey schon mit der vorab veröffentlichten Single „Love“ gegeben, jene Nummer, in der Del Rey über vintage music aus dem Internet singt. Es geht um Nostalgie, Jugend, das erste Verliebtsein. Bekannte Lana-Motive. Wie auch bei „Cherry“, das von Liebe erzählt, oder „Groupie Love“, in dem die Del Rey begehrenswerte Bad Boys besingt. Die atmosphärisch-schwermütige Trip Hop-Ballade „13 Beaches“ erinnert musikalisch stark an vergangene Hits wie „Video Games“oder „Summertime Sadness“.

Aber Del Rey zitiert nicht nur die Hippie-Ästhetik, sondern wagt sich auch an gesellschaftskritische Themen ran: In „Coachella – Woodstock In My Mind“ verhandelt sie den an den Kalten Krieg erinnernden Nordkorea-Konflikt und beschwört im besten Hippie-Sinne ein friedliches Miteinander. Im dynamischen „When The World Was At War We Kept Dancing“ stellt sie die Frage nach der politischen US-Gegenwart: „Is it the end of America?“

Interessant sind auch die Kollaborationen: Beim sparsam instrumentierten „Tomorrow Never Came“, einer Hommage an den Beatles-Klassiker „Tomorrow Never Knows“, steht ihr Sean Ono Lennon zur Seite – eine starke Nummer. The Weeknd hatten wir eingangs schon erwähnt, und bei „Beautiful People With Beautiful Problems“ greift ihr Fleetwood-Mac-Legende Stevie Nicks unter die Arme. Für „Summer Bummer“ mit seinen kraftvollen Beats steuern A$ap Rocky und Playboy Carti Rap-Parts bei, die aber auch nicht weiter stören.

Eines der Glanzlichter hat sich die gute – stimmlich mal wieder über alle Zweifel erhabene – Lana für den Schluss der Platte aufgehoben: Auf der wunderbaren Piano-Ballade „Change“ reflektiert sie ihre eigenen Veränderungen, verknüpft aber das Private mit dem Politischen – wie so oft auf dieser Platte: „Es wäre doch seltsam gewesen“, sagt sie, „nicht darauf einzugehen, wie sehr Donald Trump unsere Gesellschaft aus den Fugen gehoben hat.“

Fazit: Del Rey hat sich weiterentwickelt ohne ihre Wurzeln zu verraten. Ihre Ästhetik verbindet sie nun gekonnt mit einer Haltung.

Anspieltipps: Coachella – Woodstock On My Mind, When The World Was At War We Kept Dancing, Tomorrow Never Came, 13 Beaches, Love, Lust For Life, Change

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