Live: Backstreet Boys

Ohne Zweifel: Die Backstreet Boys (BSB) zählen zu den erfolgreichsten Boygroups der Welt. Rund 130 Millionen Tonträger haben sie in ihrer 21-jährigen Bandgeschichte verkauft. Die Mädchen, deren Herzen sie einst höher schlugen ließen, sind heute erwachsene Frauen – und aus den Boys sind Männer geworden. Viel geändert hat sich  trotzdem nicht. Und so geriet der Auftritt der Band  am Donnerstag in der Mannheimer SAP-Arena vor allem zum Nostalgie-Act.

Man kann sich  darüber streiten, inwiefern es für eine Band Sinn ergibt, sich weiterzuentwickeln. Das ist ja so eine Forderung, die Musikjournalisten gern mal an eine Kapelle stellen. Doch Fans ticken nicht wie Journalisten. Wer als Anhänger auf ein Reinhard-Mey-Konzert geht, der möchte „Über den Wolken“ hören und nicht dabei zusehen müssen, wie Reinhard Mey plötzlich zu rappen beginnt. Und so liefern auch die Backstreet Boys das, was ihre  (weiblichen) Fans von ihnen erwarten: ein Zelebrieren der Neunzigerjahre mit den alten Chartsstürmern wie „Everybody“, „Quit Playing Games With My Heart“ oder „As Long As You Love Me“, zu denen die Band dann auch  ihre alten Choreografien auspackt. Und obwohl die Boys sichtbar in die Jahre gekommen sind, erntet das immer noch laute „Woos“ und  Kreischen aus dem Publikum. Die Songs des neuen, achten Studioalbums (dem ersten seit 2009) „In A World Like This“ werden vergleichsweise höflich zur Kenntnis genommen.

Als Beobachter konnte man den Eindruck gewinnen, dass die Musik für die meisten Besucher an diesem Abend eher eine Nebensache ist. Für das Publikum scheint es  um einen nostalgischen Trip in die eigene Teenagerzeit zu gehen. Eine Reise in die späten Neunziger, in denen man  nur selten ein Zimmer einer Mitschülerin sah, das nicht mit „Bravo“-Postern der Backstreet Boys tapeziert war. Garantiert lächelten einen entweder der blonde Sunnyboy Nick Carter, Bad Boy AJ McLean, Latino Howie D oder der reif wirkende Kevin Richardson an. Nur den spröden Brian bekam man eher selten zu Gesicht. Er mogelte sich maximal über das obligatorische Gruppenfoto an die Wand.

Populär wurde die Combo, weil sie gekonnt die Wünsche und Träume der jungen Mädchen bediente. Die fünf durchtrainierten Jungs sangen von Herzschmerz und unerfüllter Liebe, baten in ihren Songs ihre  Anhängerinnen, ihnen nicht das Herz zu brechen und versprachen ewige Treue. Blickt man an diesem Abend in die Gesichter der  Fans, so scheint es, als würden diese weiter darauf warten, dass die Jungs ihre Versprechen nun endlich einlösen.

Und obwohl der  Hype um die Band Anfang der Nullerjahre bereits verflogen war (die Band stritt sich mit Management und Label, legte eine Pause ein, Kevin stieg dann auch noch aus) und die nachfolgende Teenager-Generation sich anderen Helden zuwandte, funktioniert das Geschäftsmodell der Backstreet Boys heute immer noch. Für ein Platinum-VIP-Paket zahlen die  Fans gerne bis zu 600 US-Dollar, um unter anderem für einen Song auf die Bühne geholt zu werden und beim Soundcheck dabei zu sein. Zwischen 1000 und 6000 US-Dollar kostet es, wenn man mit BSB eine Woche auf Kreuzfahrt gehen möchte. Die Geldmaschine, die der berüchtigte Ex-Manager Lou Pearlman einst angeworfen hat, sie läuft immer noch.

Das tröstet die Band  darüber hinweg, dass es mit den Solo-Karrieren nie so richtig geklappt hat – und dass sie nie als Vocal-Harmony-Group im Boyband-Look im Stile von Boyz II Men angesehen wurden, sondern  als  Boyband-Blaupause gelten.

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