Kino: Star Wars VII – Das Erwachen der Macht

Man könnte mosern: Es wird fast ein bisschen zu oft auf die alten Krieg-der-Sterne-Tugenden gesetzt, die große Überraschung bleibt auch aus. Aber: Mit „Star Wars VII — Das Erwachen der Macht“ hat Regisseur J.J. Abrams („Star Trek“) dennoch einen spannenden Auftakt der nächsten Sternenkrieger-Trilogie geliefert und den Stoff damit einer neuen Generation erschlossen. Die Kinokassen klingeln. Auch das neue Heldentrio begeistert und passt mit der starken Frauenrolle Rey, gespielt von Daisy Ridley, perfekt ins Disney-Konzept (wie wir hier und hier besprochen haben).

Eigentlich war doch nach Episode VI alles geklärt: Der Todesstern war zerstört, der Imperator vernichtet und das Gleichgewicht der Macht wiederhergestellt.

Denkste.

Wie dem Titel sowie der legendären Intro-Laufschrift zu entnehmen ist: Das Böse ist zurück. An der Spitze der faschistisch-totalitär organisierten Nachfolge-Organisation des Imperiums, die sich First Order nennt, stehen der eisäugige General Hux (Domhnall Gleeson) und ein Wesen namens Snoke (Andy Serkis), das stark an Lord Voldemort erinnert. Wieder gibt es einen Todesstern, der dutzendmal größer ist als sein Vorgänger und die Energie einer ganzen Sonne benötigt.

Und so ist es wieder Murmeltiertag bei den Jedi, befinden sich die guten Widerständler doch zum wiederholten Male in der Unterzahl. Ihr bester Pilot ist Poe Dameron (Oscar Isaac), der sich mithilfe von Finn (John Boyega), einem desertierten Stormstrooper, aus der Gefangenschaft der First Order befreit. Nach der gemeinsamen Bruchlandung auf dem Wüstenplaneten Jakku — erinnert an Lukes Skywalkers Heimat Tatooine — verschwindet Poe vorerst von der Bildfläche. Stattdessen taucht Rey (Daisy Ridley) auf selbiger auf. Als Kind von ihren Eltern verlassen, führt sie ein entbehrungsreiches Leben als Schrottsammlerin. Bei ihr ist der niedliche Droide BB8, der angeblich eine Karte besitzt, die zum verschollenen Luke Skywalker (Mark Hamill) führt. Das spricht sich natürlich herum und schließlich ist die First Order hinter den beiden her.

Hartnäckigster Verfolger: Kylo Ren, genannt „Ben“ (Adam Driver). Der Enkel von Darth Vader, der optisch mehr der Harry-Potter-Figur Snape als seinen Eltern Leia Organa und Han Solo ähnelt, wurde von Snoke zum Bösen verführt. Wieder mal ein Vater-Sohn-Konflikt also, das hatten wir schon 1977— nur umgekehrt. Damals war Vati der böse Bube. Ben ist jedoch unentschlossen, wirkt unbeherrscht und mit der Gesamtsituation überfordert. Rey dagegen kann gut auf sich selbst aufpassen, wächst mehr und mehr über sich hinaus. Klar, es kommt irgendwann zum Zweitkampf …

Eine Frau als aktive Heldin und ein dunkelhäutiger, pazifistischer Ex-Soldat als Identifikationsfiguren — das ist ein gelungenes Statement. Es ist zeitgemäß. Und es passt so sehr in das Konzept von Disney, das seit einiger Zeit auch bei klassischen Märchenverfilmungen auf starke Frauenbilder setzt. Auch George Lucas sei an dieser neuen Generation von Star-Wars-Figuren, die auch das Heranwachsen einer neuen Fangemeinde prägen könnte, sehr interessiert gewesen. Das bestätigte sein Sohn Jett in einem Interview mit „The Guardian“, nachdem Lucas 2012 seine Star-Wars-Rechte mitsamt Lucasfilm für vier Milliarden US-Dollar an Disney verkauft hatte. An seiner Regel, die Hauptrollen mit unbekannten Schauspielern zu besetzen, hielt man fest. Obwohl auch, etwas versteckt, Promidamen in Nebenrollen mitwirken: Lupita Nyong’o ist als die computeranimierte (CGI) Figur Maz Kanata und Model Cara Delevingne als Freundin von Jabba the Hutt zu sehen.

Wirkten die Weltraumjets, Lichtschwerter und die Droiden R2-D2 und C-3PO in den 70er und 80er Jahren noch unheimlich futuristisch, sorgen sie in der siebten Star-Wars-Episode eher für nostalgisches Flair. Fans dürfte das Wiedersehen aber trotzdem freuen. Die Lichtschwerter sind ja auch nicht die einzigen alten Bekannten, die man aus den Originalfilmen wieder zu Gesicht bekommt: Wieder mit dabei sind die alten Lieblingsfiguren: Han Solo (Harrison Ford), der sich gemeinsam mit Chewbacca als Schmuggler herumtreibt. Leia (Carrie Fisher), mit neuer Frisur und mittlerweile getrennt von Han, ist zum General in der Resistance-Armee aufgestiegen. Und alle suchen sie Luke Skywalker. Weil sie aber alle nicht im Vordergrund stehen, gelingt J.J. Abrams mit „Erwachen der Macht“ (Drehbuch mit Michael Arndt und Lawrence Kasdan) mehr als nur eine Hommage an das Star-Wars-Original, sondern tatsächlich eine Weiterentwicklung.

„Erwachen der Macht“ ist der erste Teil einer neuen Filmtrilogie, die allem Anschein nach von Leias und Han Solos verlorenem Sohn und dessen Wandel vom Bösen zum Guten erzählen wird. Für Disney dürften sich die Produktionskosten von 200 Millionen Dollar gelohnt haben: Bereits nach den ersten beiden Kinotagen lagen die Einnahmen in den USA bei 250 Millionen. Die Fortsetzungen sollen 2017 und 2019 folgen, heißt es auf der offiziellen Star-Wars-Seite.