Kino: Spectre

Daniel Craig (foto: wikimedia/www.glynlowe.com)

„Spectre“ ist Daniel Craigs vierter und voraussichtlich letzter Bond-Streifen. Der Brite hat offenbar genug von 007. Mit seinem letzten Bond-Film kann er aber nochmal überzeugen. 

Man könnte seinen Abschied fast schade finden. Für mich war Craig als Bond nie passend, alleine schon optisch zu weit entfernt von meinem persönlichen Bond-Ideal. Zu hart, zu kantig, zu wenig British gentleman. Und so hatte ich auf die Craig-Bond-Filme auch nie so wirklich Lust. „Spectre“ hat es aber nun geschafft, mein Urteil über Craig zu revidieren. Der Mann ist zwar nicht Pierce Brosnan, aber: Er kann was.

Zur Story: Eine geheimnisvolle Botschaft aus der Vergangenheit schickt 007 ohne offiziellen Auftrag auf eine Mission nach Mexico City und schließlich nach Rom, wo er Lucia Sciarra (Monica Bellucci, das älteste Bond-Girl aller Zeiten) trifft, die attraktive Witwe eines berühmten Kriminellen. Bond schleust sich in ein geheimes Treffen ein und deckt dabei die Existenz einer zwielichtigen Organisation auf, die sich „Spectre“ nennt. Parallel dazu arbeitet der neue Chef des Centre for National Security Max Denbigh (Andrew Scott) in London an einem neuen Überwachungssystem und einer digitalen Geheimdienst-Revolution, die die Relevanz von Bonds und des MI6 unter Führung von M (Ralph Fiennes) in Frage stellt. Snowden lässt grüßen.

Gegen alle Widerstände versucht Bond das „Spectre“-Netz zu entwirren. Helfen kann ihm dabei die Tochter seines alten Gegenspielers Mr. White (Jesper Christensen): Dr. Madeleine Swann (Lea Seydoux). Heimlich bittet Bond Moneypenny (Naomie Harris) und Q (Ben Wishaw), ihm dabei zu helfen, die junge Frau aufzuspüren. Bei seinen Recherchen stellt Bond fest, dass es eine überraschende Verbindung gibt, zwischen ihm und dem Feind (Christoph Waltz).

Der von düsterem Pathos durchtränkte „Spectre“ ist mit 148 Minuten der längste der insgesamt 24 Bond-Filme, dabei aber trotzdem ein rasanter, stets spannender Action-Thriller, der viele Fäden aus den vorigen Filmen wieder aufgreift und damit „Casino“, „Quantum“, „Skyfall“ und „Spectre“ zur bisher längsten zusammenhängenden Bond-Erzählung macht. Das serielle Narrativ kommt an in einer Zeit, in der der moderne Zuschauer gerne komplexe Geschichten im TV oder beim Streaming-Dienst seines Vertrauens konsumiert.

Nervig allerdings: das immer aufdringlichere Product-Placement. Diverse Autohersteller, Textilhersteller und Spirituosen-Produzenten machen aus „Spectre“ auf penetrante Art und Weise einen 148-minütigen Werbefilm.

Auch Sam Smiths „Writing’s on the Wall“ ist eine herbe Enttäuschung und einer der schwächsten Bond-Titelsongs aller Zeiten.