Kino: San Andreas 3D

Szene aus "San Andreas" (foto: warner)

Zwar hat das Fundament dieses 100 Millionen Dollar teuren Films eindeutig ein paar Risse, dennoch besticht „San Andreas“ durch beeindruckende visuelle Effekte, einen gut aufgelegten Dwayne Johnson und ist damit, was es sein will: solides Popcorn-Kino. Allerdings auch nicht mehr.

In „San Andreas“ mimt The Rock den LAFD-Helikopterpiloten Ray Gaines, der auf Rettungsflüge in und um Los Angeles spezialisiert ist. Eines unschönen Tages warnt der Seismologe Dr. Lawrence Hayes (Paul Giamatti) die Öffentlichkeit vor einer Kette von superstarken Erdbeben, die den Andreasgraben aufreißen und unter anderem Los Angeles und San Francisco zerstören werden. Und er soll Recht behalten. Bedeutet: Stress für Ray, der nicht nur seine Ex-Frau in spe (Carla Gugino) in Los Angeles, sondern auch seine Tochter Blake in San Francisco retten muss.

Der Rest der Menschheit, das muss man so sehen, ist dem Film relativ egal. Dass die Beben und die damit verbundenen Gebäudeeinstürze sowie ein Tsunami im Laufe der Handlung Tausende von Opfern werden, tut nichts weiter zur Sache. Der Plot ist nicht gerade die große Stärke dieses Blockbusters. Die Story ist linear und vorhersehbar, es gibt keine wirklichen Überraschungen, die Dialoge sind mit „hölzern“ noch euphemistisch umschrieben. Selbst auf einen wirklichen Bösewicht verzichtet der Streifen. Es gibt keinen windigen Politiker, der sich weigert, die Öffentlichkeit zu warnen, wie man ihn aus traditionellen Katastrophenfilmen kennt. Der einzige Arsch des Films ist Daniel, der neue Freund der scheidungswilligen Emma, der den ultimativen Charaktertest, den die Katastrophe mit sich bringt, nicht besteht und Blake im Stich und damit ihrem Schicksal lässt. Das öffnet zwar die Tür für eine Liebesgeschichte – ein junger Brite und sein Bruder retten Blake aus einem Parkhaus -, doch Daniel segnet recht bald das Zeitliche und taugt daher nicht wirklich zum Antagonisten.

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„San Andreas“ ist seit Charlton Hestons „Erdbeben“ (1974) der erste Kinofilm, der sich dieser Katastrophenform konsequent hingibt. Ein Film nach dem Roland-Emmerich-Prinzip, der durch seine Kameraführung jedoch mehr an ein Videospiel erinnert und bei dem der Einsatz der 3D-Technik mal ausnahmsweise durchaus Sinn ergibt. Nicht die Geschichte, sondern die Effekte sind hier der wahre Star. Es sieht schon einfach sehr imposant aus, wenn der Hoover-Damm zusammenbricht und wie die zwei Metropolen an der amerikanischen Westküste dem Erdboden gleichgemacht werden.

Die nach „Die Reise zur geheimnisvollen Insel“ zweite Zusammenarbeit von The Rock und Regisseur Brad Peyton ist zwar kein Meisterwerk, sondern ein vor Pathos triefendes, bildgewaltiges Spektakel, das zumindest kurzfristig zu unterhalten weiß. Popcorn-Kino eben.