Kino: Poltergeist

Madison (foto: 2015 Twentieth Century Fox)

Alte Dämonen zum Leben erweckt: Beim Remake von „Poltergeist“ stellt sich die Frage nach der Notwendigkeit der Neuauflage des alten Stoffs.

Es läuft nicht wirklich rund für die Bowen-Familie. Papa Eric (Sam Rockwell) ist nach dem Verlust seines Jobs bei John Deere dauerarbeitslos. Mama Amy (Rosemarie DeWitt), eine Schriftstellerin, ist mit dem Hüten der drei Kinder Kendra (Saxon Sharbino), Griffin (Kyle Catlett) und Madison (Kennedi Clements) vollauf beschäftigt und bringt daher auch keine Zeile zu Papier. Das Geld ist knapp. Und so ist der Bowen-Clan happy, als er in einer neuen Vorstadtsiedlung ein bezahlbares Haus findet. Doch in dem Anwesen, das auf einem alten Friedhof gebaut wurde, spukt es. Das fällt zuerst den Kindern auf. Die übernatürlichen Phänomene steigern sich in ihrer Intensität und gipfeln darin, dass Madison verschwindet. Ein Spezialist fürs Paranormale und ein Uni-Forschungsteam sollen helfen, dem Poltergeist das Handwerk zu legen – und Madison zu retten.

„Poltergeist“ ist ein Remake des gleichnamigen Klassikers von Tobe Hooper aus dem Jahr 1982, der damals unter großer Einflussnahme Steven Spielbergs entstand. Der Streifen war damals einer der Vorzeigefilme des Effektkinos der Achtziger Jahre und funktionierte nicht nur als reiner Gruselfilm, sondern auch als komödiantische Satire des American Way of Life, der Medien (vor allem des Fernsehens) und des sich im wirtschaftlichen Aufschwung befindlichen Reagan-Amerikas, in dem gefühlt jeder Flecken Erde in Bauland umgewandelt wurde.

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Die Frage, warum man im Jahr 2015 dieses Remake braucht, darf man durchaus stellen. Satire und Gesellschaftskritik sind Charakteristiken, die der Neuauflage, für die Drehbuchautor David Lindsay-Abaire und Regisseur Gil Kenan verantwortlich zeichnen, völlig abgehen. Das ist schade, denn man hätte durchaus schauen können, was aus dem amerikanischen Traum nach 30 Jahren geworden ist. Aber auch gruseltechnisch bietet der Streifen nichts Neues und orientiert sich stark am schon viel zu häugig parodierten Original. Das nimmt viel vom Schrecken, ebenso wie die Tatsache, dass die Charaktere so hauchdünn gezeichnet wurden, dass der Zuschauer sich nie wirklich für sie interessiert. Einzig technisch hat man die Vorlage aktualisiert: So können die Poltergeister offenbar mittlerweile auch mit iPhones umgehen. Immerhin.