Kino: Cinderella

Cinderella (foto: disney)

Disney feiert derzeit ja große Erfolge mit den Realverfilmungen seiner Zeichentrickklassiker. Nach „Alice im Wunderland“ und „Maleficent“ soll’s bitte auch bei „Cinderella“ – aktuell in den Kinos – so sein. Immerhin wurde für die Rolle der bösen Stiefmutter Cate Blanchett engagiert. „Besser geht’s nicht“, sagte Regisseur Kenneth Branagh jüngst in einem Interview. Anders als seine Vorgänger unternahm Branagh nicht den Versuch, mit Klischees zu brechen. Im Gegenteil, auf der Leinwand zu sehen ist die Prinzessinnengeschichte schlechthin. Prinz Charming ist zurück – und die Kritiker freut’s.

Was für eine herrliche Träumerei war doch Disneys erste „Cinderella“-Verfilmung von 1951. Sie ließ jedes kleine Mädchen glauben, dass in ihr eine Prinzessin steckt. Dass ihre Träume wahr werden, sobald sie nur fest genug daran glaubt. Oder wie es in Disneys neuer Verfilmung heißt: Solange sie immer „mutig und freundlich“ (O-Ton Cinderella) ist. Regisseur Kenneth Branagh hat diese Träumerei tatsächlich mitsamt aller Klischees fortgesetzt. Die Staatsform im Film ist eine absolutistische Monarchie, die talentfreien Stiefschwestern (Holliday Grainger, Sophie McShera) sind von der tugendhaften und begabten Cinderella (Lily James) eindeutig zu unterscheiden. Gut und Böse gehen als Charaktereigenschaften eben wieder getrennte Wege. Der zeitlose Plot nach Charles Perrault ist Geschichte, sei aber dennoch kurz umrissen:

Die junge Ella verliert früh ihre Mutter und lebt fort an mit ihrem Vater, einem Großkaufmann, in guten Verhältnissen. Da sie möchte, dass ihr Daddy wieder happy ist, heißt sie seine neue Frau Lady Tremaine und deren Töchter Anastasia und Drizella in der Familie willkommen. Doch kaum kommt auch Ellas Vater auf tragische Weise ums Leben, zeigt Lady Tremaine ihr wahres Gesicht. Eine hässliche Fratze vielmehr. Ab diesem Tag lebt Ella als Dienstmädchen im Haus und wird nur noch Cinderella genannt.Eines Tages trifft sie den jungen, attraktiven Kit (nein, nicht das schwarze Auto), ohne zu ahnen, dass es sich bei ihm um einen waschechten Prinzen handelt. Sie verliebt sich in ihn und hofft, einen Soulmate gefunden zu haben. Als die Einladung des Königshauses kommt, will Ella diese wahrnehmen, aber ihre Stiefmutter will dies verhindern. Ellas einzige Chance? Ein Wunder in Form einer guten Fee.

Optisch ist der Film ein Traum: Die Natur ist überwältigend, das Dekor und die Kleider sind farbenprächtig. So sehr, dass es zwar unnatürlich, aber gewollt märchenhaft wirkt. Und überall ist so viel blau, dass für den, der Kenneth Branaghs Schwäche für Shakespeare kennt, ein Bezug zu „Sommernachtstraum“ nahe liegt. Gut gelungen sind auch die Animationseffekte. Besonders in der Szene als die gute Fee, etwas tollpatschig, einen Kürbis zur Kutsche und Cinderellas Mäuse in Schimmel verwandelt, denen später doch wieder Mäuseohren wachsen. Amüsant ist währenddessen der Dialog zwischen Cinderella und der Fee, die von keiner Geringeren als Helena Bonham Carter gespielt wird. Cate Blanchett ist in ihrer Rolle als böse Stiefmutter ebenfalls grandios. Auch wenn das keine Überraschung ist, adeln die beiden Schauspielerinnen doch jedes Leinwandbild.

Der Regisseur verteidigt übrigens Richard Maddan in der Rolle des Prinz Charming. Dieser habe zwar Sex-Appeal, sei aber dennoch in der Lage, der Figur eine Tiefe zu geben, „die ihn vielleicht schon ein kleines bisschen wie Hamlet erscheinen lässt“, so Branagh. Als Prinz suche er eine Frau, mit der er sich die Last des Herrschens teilen könne. Auch wenn er es ist, der Cinderella am Ende vor ihrer Stieffamilie rettet, wird deutlich: Die beiden sind tatsächlich Partner auf Augenhöhe.

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