Kino: 50 Shades of Grey

50 Shades of Grey (foto: universal pictures)

Durch den Peitschenhieb zum Orgasmus: Wie Christian Grey dieses Versprechen in die Tat umsetzt, wird aktuell in der Kino-Adaption von E.L. James‘ Erotik-Bestseller „50 Shades of Grey“ auf der Leinwand lediglich angedeutet. Romangetreu propagiert Regisseurin Sam Taylor-Johnson ein altmodisches Geschlechterbild mit falschen Vorstellungen über Sadomasochismus. Heiße Sexszenen gibt es nicht wirklich. Der Film? Hausfrauenerotik.

Zugegeben: Es ist schon ein ziemlich heißer Gedanke, von einem Mann, der Dich mindestens so begehrt wie er attraktiv ist, flachgelegt zu werden. Mit dem Zusatz: Haben könnte er sie alle, aber er will nur Dich. So sehr, dass er sich verliebt. Obwohl das nicht sein Ding ist. Aber er hat sich verändert. Nur wegen Dir. Mit Geschenken kleckert er nicht, sondern klotzt: Erstausgaben Deiner Lieblingsromane, ein neuer Laptop, Designer-Klamotten und ein Sportwagen sind erst der Anfang. Ein billiger Blumenstrauß würde ja auch gar nicht dem entsprechen, was Du ihm wert bist. Du bist das Wertvollste, Schönste. In deinem Kleid findet er Dich niemals zu dick, höchstens zu dünn. Nackt steht Dir jedoch am besten. Bei Deinem Anblick kann er gar nicht anders, als dich auf der Stelle „hart zu ficken“ (O-Ton Grey). Mehrmals hintereinander. So ist Christian Grey – die weibliche Fantasie vom perfekten Traumprinzen in Perversion.

Leider ist Perfektion in der Realität furchtbar langweilig. Und Regisseurin Sam Taylor-Johnson hat es da noch mal schwieriger als E.L. James, die auf dem Papier wenigstens mit ein paar pikanten Details arbeiten konnte. Anders als das Buch ist der Film aber nicht mal Softporno. It doesn’t get graphic, herhalten müssen stattdessen schöne, aber irgendwie öde Panoramabilder. Auf den dritten oder vierten Filmsex folgt denn auch kollektives Gähnen im Kinosaal.

Bedrohlich-verrucht, so wie es eigentlich sein soll, wirkt Christian Grey weder im Roman noch auf der Leinwand.  Jamie Dornans spitzbübisches Grinsen, nachdem er betont hat, er schlafe mit niemanden, er ficke nur hart, ist maximal unerotisch. Der Mann löst bei Frau höchstens  Muttergefühle aus. Dakota Johnson, übrigens die Enkelin von Hollywood-Legende und Hitchcock-Muse Tippi Hedren („Die Vögel“) und Tochter von Miami-Vice-Star Don Johnson, liegt die Schauspielerei dagegen etwas mehr: Glaubhaft gibt sie die vor Ehrfurcht erstarrte, Unterlippen kauende Anastasia Steele. Ein Häufchen Elend, ohne jedes Selbstbewusstsein.

Shades of Grey ist ein Paradebeispiel dafür, dass das bloße Versprechen von Sex an sich ein funktionierender Verkaufstrick ist. Auch wenn es nicht oder nur unzureichend eingelöst wird. Selbst der Auftritt von Sängerin und Sex-Bombe Rita Ora verpufft. Wer während des Films zur falschen Zeit geblinzelt hatte, bekam ihren Auftritt nicht mit. Sei´s drum.

Grey versucht, aus Steele seine Sexsklavin zu machen. Kaum hat er sie entjungfert, sprechen sie über Analfisting. Das lehnt sie ab, auspeitschen darf er sie aber. Wie’s halt so ist, im wahren Leben. Sie will die sexuelle Unterwerfung nicht, lässt sich aber schließlich doch zwingen. Weil sie ihn liebt. Keine gute Botschaft, die da jungen Menschen vermittelt wird.

Schade ist auch, dass der Film in Sachen Sadomasochismus ein völlig falsches Bild zeichnet. In dieser Hinsicht ist der Streifen ein einziges Missverständnis. Doof, zumal anzunehmen ist, dass sich der Hype um 50 Shades of Grey wohl bis in die Schlafzimmer ausweiten wird.  Tipp daher an alle Beteiligten: Besser vorher jemanden fragen, der sich damit auskennt.