Kim Wilde

Kim Wilde (foto: sean j vincent)

Erst Wave-Königin, dann Pop-Ikone: In den achtziger Jahren gehörte Kim Wilde zweifellos zu den ganz Großen. Kaum zu glauben, dass die Gute abseits des Rampenlichts am liebsten in Gummistiefeln unterwegs ist. 

Man spricht ja immer gerne davon, dass einem Künstler sein Talent bereits in die Wiege gelegt wurde – und im Fall von Kim Wilde darf man das ebenfalls ungestraft. Die Gute, die eigentlich Kim Smith heißt, wird am 18. November 1960 in Chiswick (West-London) in eine musikalische Familie hineingeboren. Papa Reginald ist unter dem Künstlernamen Marty Wilde als Rock-Musiker aktiv, Mama Joyce Baker ist Mitglied der Gesangs- und Tanzgruppe The Vernon Girls. Nach ein paar Umzügen und Schulwechseln schließt Kim einen Grundkurs des St. Albans College of Art & Design ab, das Thema Studium hat sich aber erledigt, als ihr das Label RAK Records ihren ersten Plattenvertrag anbietet.

Kims Debüt-Single “Kids in America” wird 1981 gleich zu einem internationalen Erfolg – und in der Retrospektive auch zu einem Signature Tune der achtziger Jahre. Auch das selbstbetitelte Debüt-Album verkauft sich gut, mit “Chequered Love” und “Water On Glass” hat es noch zwei weitere erfolgreiche Singles in petto.

1982 legt Wilde direkt den Nachfolger nach. “Select” hat mit der Synthie-Nummer “Cambodia” und “View From A Bridge” ebenfalls ein paar Hits zu bieten, verkauft sich aber längst nicht so gut wie das Erstlingswerk im Jahr zuvor. Mag auch daran liegen, dass Wilde in Sachen Promo etwas nachlässig ist und wenig Drang verspürt, Konzerte zu geben. Erst Ende 1982 beginnt sie damit, live zu spielen. Einem Gig in Dänemark schließt sich eine UK-Tour an. Das große Interesse an Wilde scheint in Großbritannien da jedoch bereits abgeflaut: Das Album “Catch As Catch Can” wird 1983 zum Flop. Die Folge: Kim Wilde verlässt RAK Records und unterschreibt beim Label MCA.

Auch bei der neuen Plattenfirma bleiben die alten Probleme aber bestehen. Im UK hat man kein großes Interesse mehr am Tun der guten Kim, ihre Platten verkaufen sich auf dem Festland, gerade in Deutschland, meistens besser. Das gilt auch schon für das Album “Teases & Dares” (1984), bei dem ihr ihr Vater als Produzent unter die Arme greift. Und das, obwohl Kim alle Register zieht – Imagewandel inklusive: Die Gute tritt nicht länger mit selbstgefärbten Haaren und Second-Hand-Kleidern auf, sondern versucht es nun als sexy, von Barbarella-inspirierte Sci-Fi-Heldin. Den Look debütiert sie auf dem Cover zur Single “The Second Time” (die übrigens auch in der Serie “Knight Rider” Verwendung findet). Hilft den Sales aber auch nicht wirklich.

Der Erfolg kehrt erst wieder mit dem 1986er Album “Another Step” zurück. Die Lead-Single “Schoolgirl” floppt zwar grandios, dafür landet Wilde mit dem Supremes-Cover “You Keep Me Hangin’ On” einen Überraschungshit. Selbst in den USA geht der Song durch die Decke – Platz eins in den Charts.

Wilde nimmt in Folge mehr und mehr den Mainstream-Pop ins Visier. Mit Junior Giscombe nimmt sie das Duett “Another Step (Closer To You)” auf, es ist ein erster Schritt in diese Richtung, ein wichtiger. 1988 lässt Wilde mit “Close” ihr kommerziell erfolgreichstes Album folgen. Mehr als zwei Millionen Mal wird die Platte verkauft, mit “Never Trust A Stranger”, “You Came” und “Four Letter Word” hat sie auch einige große Hits zu bieten. Wilde ist auf dem Gipfel ihrer Popularität, selbst dem “King of Pop”, Michael Jackson, bleibt das nicht verborgen. Und so lädt er sie ein, ihn bei seiner “Bad”-Tour zu supporten.

Den Schwung kann Wilde aber leider nicht mitnehmen. Ihr 1990er Album “Love Moves” floppt, hat auch keine wirklich großen Single-Hits zu bieten. Trost findet Wilde in dem Umstand, David Bowie 1992 auf Tour begleiten zu dürfen. Im selben Jahr erscheint das Album “Love Is”, das ebenfalls kaum Käufer findet. 1993 legt sie zwar noch eine erfolgreiche Compilation nach, aber der Trend ist klar: Mit der Karriere geht es in den neunziger Jahren abwärts. Auch das Album “Now & Forever”, auf dem es Wilde mal mit R&B und Soul probiert, wird 1995 zum Misserfolg – es ist sozusagen der Sargnagel zur Pop-Karriere der Britin. Mehr als elf Jahre sollte sie kein neues Album mehr veröffentlichen.

Untätig ist sie in der Zwischenzeit nicht. Wilde entdeckt die Welt des Musicals für sich, ist 1996/97 in London in der Produktion “Tommy” zu sehen. Dabei lernt sie auch Hal Fowler kennen, den sie 1996 vom Fleck weg heiratet. Mit ihm bekommt sie zwei Kinder: Harry Tristan (*1998) und Rose Elisabeth (*2000). Während ihrer ersten Schwangerschaft entdeckt sie auch ihre Liebe zum Gärtnern wieder. Channel 4 bietet ihr einen Part in der Reihe “Better Gardens” an, kurz darauf wird sie von der BBC für die Serie “Garden Invaders” verpflichtet. Später wird Wilde auch mehrere Bücher zum Thema Garten veröffentlichen.

2001 kehrt sie dann wieder ins Musik-Biz zurück, spielt zunächst einige Konzerte und Festivals, um dann hier und da eine Single zu veröffentlichen. Auch Retro-Veranstaltungen nimmt sie gerne mit. Eine erfolgreiche Kollaboration mit Nena, die mit Wilde 2002 “Anyplace, Anywhere, Anytime” aufnimmt, führt in Deutschland wieder zu steigendem Interesse an der guten Kim. 2006 unterschreibt sie bei EMI einen Plattenvertrag, dort erscheint im selben Jahr das Album “Never Say Never”. Die nächsten Jahre verbringt sie hauptsächlich mit Touren.

2010 wird Wilde von Sony Music Germany” unter Vertrag genommen. Dort erscheinen ein Jahr später gleich zwei Platten von ihr: “Come Out And Play” knackt die Top Ten der Album-Charts, das Cover-Album “Snapshots” erreicht immerhin Platz 14. Das “Wilde Winter Songbook” ist 2013 dann wiederum eine Mixtur aus eigenem Material und Weihnachtscovern.

Für ihr Album “Here Come The Aliens” lässt sich Wilde, mittlerweile auch Radio-Moderatorin, dann fünf Jahre Zeit. Aufgenommen in den RAK Studios, lässt es Kim hier deutlich rockiger als zuvor angehen.

 

DISCOGRAPHY

1981: Kim Wilde

1982: Select

1983: Catch as Catch Can

1984: Teases & Dares

1986: Another Step

1988: Close

1990: Love Moves

1992: Love Is

1995: Now & Forever

2006: Never Say Never

2010: Come Out and Play

2011: Snapshots

2013: Wilde Winter Songbook

2018: Here Come The Aliens

1 Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.