Jata – Mexico

Jata - Mexico (foto: snowhite)

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8 Snowhite / Rough Trade

8

In vielerlei Hinsicht war Mexiko für Jacob Vetter alias Jata ein Einschnitt. Und so verwundert es nicht, dass der Mann sein Solo-Debüt eben nach jenem nordamerikanischen Staat benannt hat. „Mexico“ ist via Snowhite/Rough Trade erschienen.

Jata ist in seinem noch jungen Leben schon weit herumgekommen: Vetter wurde zwar in Ulm geboren, als er sechs Jahre alt war zog die Familie aber in die Vereinigten Staaten. Später lebte er unter anderem in Frankfurt, Mainz, Frankreich, Berlin und in der Schweiz. In den USA begann der Gute aber, sich für Musik zu interessieren, kam hier zunächst vor allem mit R&B und HipHop in Berührung. Einflüsse, die man auf seinem Erstling nicht wegdiskutieren kann. Zwar ist die Basis der Suppe hier wohl schmeckende Electronica, allerdings gibt’s als Beilage jede Menge Elemente aus R&B, Soul und HipHop.

Los geht es gleich bockstark: Der erste Song „Mephisto“ ist ein werbendes Klagelied, bei dem Vetters Vocals jede Menge Seele, jede Menge Soul transportieren. Ein Opener, der unter die Haut geht und die Messlatte für den Rest des Longplayers gleich sehr hoch legt.

Auch der Titelsong „Mexico“ beginnt eher melancholisch: „Oh Mexico, I don’t want to get over you“, wimmert Vetter zu Beginn des Lieds. Hier dringt die Nostalgie und Wehmut zunächst aus jeder Pore des Songs. Kein Wunder: Mexiko ist für Vetter ein ganz besonderer Ort. Hier verbrachte er nach dem Studium mit seiner Frau, die für die UN arbeitet, ein gutes halbes Jahr. Für ihn wie eine Art Transit vor dem Erwachsenwerden. Eine Phase, in der er sich in einem ganz bestimmten Gefühlszustand befand, einer eigentümlichen Mixtur aus Wehmut und Melancholie, aus Sehnsucht und Nostalgie. Ein Gefühl, das den Abschied von einem alten Lebensabschnitt betrauert und gleichzeitig nach dem folgenden verlangt. Und so wechselt die Stimmung des Songs folgerichtig von wehmütig/nostalgisch in optimistisch. Ein Song mit großer Symbolkraft.

„Saturn“ plätschert dann so elektronisch vor sich hin, ehe dann das vorab als Single veröffentlichte „Monster“ übernimmt, bei dem dann die eingangs erwähnten Soul- und R&B-Einflüsse vielleicht am offensichtlichsten werden. Eine Slow-Beat-Nummer mit verwehten Saxofon-Parts. Macht Spaß.

Ruhiger lässt es Vetter auf einem weiteren Glanzlicht des Albums angehen: Auf „Love You Less“ gibt sich der Gute wieder nachdenklich, während im Hintergrund künstliche Frauenchöre, Space-Rauschen und Synthie-Flächen ihr Werk tun.

Ganz nett sind auch „Down By The Water“ und „What Would You Do“, die sich zunächst zwar etwas Zeit lassen, dann aber doch etwas Fahrt aufnehmen und den Hörer schließlich abholen. Der Closer „The City“ ist dann noch Mal eine wunderschöne Ballade.Geschrieben und aufgenommen hat Jata „Mexico“ übrigens vor allem in Frankreich, wo er seit etwa anderthalb Jahren wohnt. Hier, in einem kleinen Dorf an der Grenze zur Schweiz, fand er die Ruhe für das Basteln an seinem Solo-Debüt. Abgemischt hat er „Mexico“ jedoch mit Ash Workman in London. Und in England hat es ihm so gut gefallen, dass er nun eben dorthin zieht: Nach Margate, einem alten Badeort. Dort, am Meer, wird er wieder neue Beobachtungen machen und weitere Träume entwickeln. Wir dürfen auf Album Nummer zwei also gespannt sein.

Fazit: Starker Erstling.

Anspieltipps: Mephisto, Monster, Mexico, Love You Less, The City

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