Interview: The Hooters

The Hooters (Foto: band)

„500 Miles“, „Johnny B.“, „All You Zombies“ – The Hooters haben den Soundtrack der 1980er Jahre maßgeblich mitgeprägt. Am Freitag, 3. Juli, 20 Uhr, rockt die Band den Neuleininger Burgsommer. Unser Redakteur Benjamin Fiege sprach mit Gründungsmitglied Rob Hyman, einem der Hauptsongschreiber der Gruppe, über ihre Indie-Anfänge, Live Aid, das angespannte Verhältnis zu Sir Bob Geldof – und den Hasselhoff-Effekt.

Viele verbinden die Hooters vor allem mit den 1980er Jahren. Seht Ihr das als Kompliment?

Irgendwie gefällt es uns schon, mit der 80s-Musikszene assoziiert zu werden. Das war immerhin eine sehr vielfältige und interessante Szene, die von Hard Rock bis Dance/Disco reichte, vermischt mit viel Drum-Sound und Synthesizern. Wir wollten damals unseren eigenen Sound schaffen und haben Rock, Reggae und Ska mit neuen Instrumenten gemixt. Etwa mit Mandolinen, Blockflöten, Akkordeon, Mandola und natürlich der Melodica, die wir „hooter“ nennen. Für die, die immer noch danach fragen: Danach haben wir uns auch benannt. Selbst unsere Freunde bei Hohner (Instrumentenhersteller, Anmerkung der Redaktion) nennen das Instrument jetzt so. Danke dafür! In den 80ern wurden ein paar echte Klassiker produziert. Wir sind froh, Teil davon gewesen zu sein – und die Songs heute noch spielen zu dürfen.

Nur wenige wissen, dass Ihr Jungs ja als eine der ersten richtigen Indie-Bands betrachtet werden dürft.

Ja, das stimmt. In den ersten fünf Jahren (1980 bis 1985) waren wir „indie“, haben eigene 45er vertrieben und ein Indie-Album namens „Amore“ (1983). Wir fühlten uns dieser Szene verbunden und vor allem mit den britischen Two-Tone-Bands wie The Specials, Madness, Selecter und The English Beat. Viele Bands sind dann auf dem Indie-Trail gefolgt und spielten einfach die Musik, die sie spielen wollten. Selbst als wir dann bei einem Major Label unterschrieben hatten (1985 bei Columbia/Sony), verstand man dort, dass wir nun schon eine ganze Weile unser eigenes Ding gedreht hatten, und man ließ uns glücklicherweise freie Hand. Und so ist es auch danach immer gewesen.

Euer Live-Aid-Auftritt 1985 war Euer großer Durchbruch. Man hört, dass Ihr Organisator Bob Geldof damals von Promotern aufgezwungen wurdet und er Euch eigentlich nicht dabei haben wollte. Eure Performance fehlt auch auf der DVD. Welche Erinnerung habt ihr an die Story, und wie steht ihr heute zu dem Sir?

Ja, das war damals unser lokales Promo- und Management-Team, das Bob Geldof dazu gepusht hat, eine lokale Band als Opener in Philadelphia einzusetzen. Unserer Heimatstadt! Wir waren zur Zeit des Live-Aid-Sommers gerade dabei, in den USA populär zu werden, liefen im Radio und auf MTV. Aber es stimmt wohl, dass Geldof uns damals nicht kannte. Und so war es verständlich, dass es von seiner Seite Widerstand gab. Aber unser Team überzeugte Bill Graham, den Haupt-US-Promoter, die Hooters mit an Bord zu holen. Und so spielten wir denn auch an diesem heißen Tag als erste Band in unserer Heimatstadt Philly. Obwohl es unsere Show nicht auf die DVD geschafft hat, haben wir mit Bob Geldof später zusammen mehrere Konzerte in Deutschland gegeben. Ich weiß nicht, ob er ein Fan ist oder nicht, aber wir respektieren seine musikalischen Erfolge und Charity-Aktionen. Wir hoffen, er respektiert unsere Hingabe und Ausdauer ebenso. Wir sind immer noch da. And it’s only Rock and Roll.

Euer erster großer Hit war „Satellite“, ein Song, der damals als kontrovers empfunden wurde wegen seiner kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema Religion. Viel hat sich ja seither offenbar nicht verändert, Religion ist immer noch ein heißes Eisen.

Wir finden: Je mehr sich die Dinge ändern, desto mehr bleiben sie gleich. Und so ist das auch mit der Religion, die sich in den USA stark mit Kommerz und Politik vermischt. „Satellite“ bleibt einer unserer Lieblingssongs, die Lyrics sind immer noch relevant. Wir stehen zu ihm!

„Johnny B“ hat Euch dann unsterblich gemacht. Macht es immer noch Spaß, den Song zu spielen?

Nun, dazu gibt es eine interessante Geschichte. Wir verbanden mit der Single aus unserem zweiten Album die große Hoffnung, an unser sehr erfolgreiches Debüt „Nervous Night“ anzuknüpfen. Aber in den USA gab’s kein Radiopublikum dafür, was uns sehr enttäuschte. Bis wir in Europa tourten. Wir bemerkten, dass gewisse Songs in manchen Ländern besser funktionierten als in anderen. Und in Deutschland nahm man den Song so, wie wir ihn beabsichtigt hatten. Eine wunderbare Überraschung für uns. Wir sind sehr dankbar dafür, dass dieser Titel einer unserer beliebtesten wurde. Wir spielen ihn, wie auch unsere anderen Klassiker, immer noch gerne. Es ist jeden Abend anders, und das Publikum vereinnahmt ihn. Dafür sind wir dankbar.

In den 1990ern begann Euer Stern in den USA zu sinken, aber in Europa war Euer Erfolg ungebrochen. Wie erklärt Ihr dieses Phänomen? Man kann ja beinahe von einem Hasselhoff-Effekt sprechen.

Eine immer wiederkehrende Frage, auf die wir keine Antwort wissen. Es liegt wohl an der Musik und unserer Live-Performance. Wir haben nach unseren Übersee-Touren in den späten Achtzigern glücklicherweise hier ein neues Publikum gefunden, als es in den USA etwas schleppend für uns lief. Jetzt ist Deutschland unser Hauptmarkt, dazu kommen Skandinavien, die Schweiz und Österreich. Wer weiß schon warum? Wir sind immer aufgeregt, wenn wir hierher kommen. Die deutschen Fans sind sehr loyal, ob wir mit einem neuen Album kommen oder nicht, und sie unterstützen uns Nacht für Nacht. For that we say a big „Vielen Dank!“

Die Rock-and-Roll-Attitüde scheint ja in der heutigen Musik-Industrie immer mehr zu verschwinden. Noel Gallagher meinte kürzlich, dass es keine Bad Boys mehr gebe und alles langweilig geworden ist.

Für uns ging es nie darum, Bad Boys zu sein. Obwohl wir natürlich alle unsere Momente hatten in unseren jungen Jahren. Es ging immer um die Musik und um die Show. Wir nehmen das nicht als selbstverständlich hin, langweilen uns auf der Bühne nicht und arbeiten daran, die Dinge anders und besser zu machen. Auch nach 30 Jahren soll die Musik noch frisch klingen, gerade für unsere wunderbaren Fans. Es ist ein Klischee, aber wir haben die besten Fans in Deutschland.

Was hält die Zukunft denn bereit für die Hooters?

Wir denken immer über neue Hooters-Musik nach, aber wir sind alle viel beschäftigt. Jeder hat sein eigenes Studio, das er auch zum Interagieren mit anderen Musikern nutzt, wenn wir gerade nicht die Hooters-Road entlang fahren. Und dann haben wir ja auch Familien! Irgendwann wird es aber vielleicht auch neues Material von uns geben. Im Moment spielen wir mehr als zwei Stunden pro Nacht und kriegen da auch nicht das ganze Material unter, das wir gerne hätten. Und was den Burgsommer angeht … Are you ready? Wir sind’s! Kommt und feiert mit uns „35 Jahre Live“. Wir werden alles geben, was wir haben. Und hoffentlich geben uns auch die Fans ein bisschen Musik …

The Hooters are strongly connected with the 1980s in the minds of many people. Do you regard this a compliment?

In a way, yes, we’re happy to be associated with the 80s music scene – it was a very varied and interesting one, from hard-rock to dance/disco, with a lot of big drum sounds and electronic synthsizers mixed in. We were looking to create our own sound as well, mixing reggae, rock and ska with various new instruments we picked up along the way, like mandolins, recorder, accordion, mandola, and of course the melodica, what we call the „hooter“! For those that still ask, that is how we named ourselves, and the instrument. Even our friends at Hohner here in Germany now call it the „hooter“ as well…thank you for that! And looking back now, it seems that the 80s did produce some classic sounds and recordings. Glad to a be a part of it, and still playing those songs all these years later…

Few people know that you guys can be considered as one of the first real authentic Indie bands.

Well, yes, were „indie“ for the first 5 years together (1980-1985), putting out our own 45s and independent album called „Amore“ in 1983. We felt connected to that scene, and to the British „Two-Tone“ bands in particular, like The Specials, Madness, Selecter and the English Beat. Many groups were following the indie trail, to play the music they wanted to play.  And even when we signed with a major record company in 1985 (Columbia/Sony), they understood that we had been doing our own thing for awhile, and fortunately, let us continue making the music as we heard it. And it’s been that way ever since.

One could see your Live Aid performance in 1985 as your big breakthrough. It is said that you guys were „forced“ on Bob Geldof by the promoters and he seemed not very happy about it. Your Performance is also missing on the official DVD. How do you remember this Story and how is your relationship with the Sir nowadays?

Regarding Live-Aid….yes, it was our local promoting and management team that pushed Bob Geldof to have a „local“ band open the show in Philadelphia, fortunately our home town! We were already getting popular in the States, on radio and MTV, by the summer of Live-Aid (July, ’85) but it is probably true that Bob Geldof was not aware of the band at the time. It was understandable that there might be resistance, but our local guys convinced Bill Graham, the main US promoter, to add the Hooters to the bill. And so we were the first band to play that very hot day, and welcome everyone to our hometown in Philly. Though our performance did not make the DVD, we have done several shows with Bob Geldof in Germany over many years, and so it goes. Don’t know if he’s a fan or not these days, but we certainly do respect his charitable efforts and music of course. Hopefully he respects our dedication and longevity as well – we’re still here. And it’s only rock and roll….!

Your first huge success was „Satellite“, a song which was considered controversial at the time due to its critical perspective on religion. It seems not much has changed since religion is maybe an even more sensitive topic nowadays. What’s your take on that?

We say, „the more things change, the more they stay the same.“ And so it is with religion, as it continues to mix with politics and „commerce“ in the US more than ever. „Satellite“ remains one of our favorite songs, with lyrics that are still relevant. We stand by it!

„Johnny B“ was the song which immortalized the Hooters. Is it still fun to perform it?

Well, it’s an interesting story about „Johnny B“.  We had high hopes for that one as a single from our second album, following the big success of our debut „Nervous Night“. But it did not find its radio audience in the States, which did disappoint us – until we toured in Europe. We discovered that different songs found favor in different countries, and Germany really took the song the way we had intended it. What a wonderful surprise for us! We remain very grateful that it became one of our most popular songs, and really, like all of the classics for us, we still really love to perform it every night. It’s always different, and the fans make it their own…we thank them for that.

In the 1990s, your success in the United States faded, but you were still going very strong in Europe. How do you explain this phenomenon? This Hasselhoff effect?

This is a common question, and we’re not quite sure of the answer. I suppose the easy one is the music, and our live show. Somehow, after we started touring overseas in the late 80s, very luckily, we found a new audience for our sound when things slowed down in the US, and now Germany is our main market, along with Scandinavia, Switzerland, Austria, etc.  Who knows why? But we are always very excited to come back and perform. We do know that the German fans are very loyal, whether we have a new album or not, and they continue to support the live show night after night. For that, we say a big „Vielen Dank“….

The rock and roll attitude seems to disappear more and more in today’s music industry. Noel Gallagher claimed recently, that there are no Bad Boys anymore and it all became very stale and boring. What’s your opinion on that?

Well, it does take a lot of work and planning to get the band on tour overseas. But once we’re here, we always feel like we never left! We pick right back up, get on the bus, and go to every town and city we can, big or small, and do the best show we can. For us, it was never about being „bad boys“ (though we all had our moments in our younger days) but all about the music and the show. We never take it for granted, never get bored onstage, and never stop working on the concert performances and how to make it better. Even playing some of these songs for over 30 years, it’s a great thrill and challenge to make it feel „fresh“, especially for those amazing fans who have come for all these tours. It’s a cliché of course, but we truly feel that we have the best fans in the world, esp. in Deutschland.

What does the near future have in store for the Hooters? Your last album was released five years ago.

We are always thinking of new music for the Hooters, but we also have busy lives at home with many activities, as each of us has their own home studio of sorts, and interact with many other musicians when we’re not on the Hooter Road. Not to mention our families! So perhaps in time, new music will appear when it’s ready. For now, we play over 2 hours many nights, and still don’t get to all the material we’d like. But stay tuned….! As for Burgsommer – „Seit Ihr Bereit“??  Are you ready – we are!  Come and celebrate „35 Years Live“ with us. We will give you everything we have. And hopefully the fans will „give the music back“ to us as well.