Marie-Philomène Nga: „Macrons Aussage hat mich sehr geärgert“

Marie-Philomène Nga (foto: neue visionen filmverleih)

In der französischen Komödie „Zum Verwechseln ähnlich“, in der ein schwarzes Pärchen ein weißes Kind adoptieren will, spielt Marie-Philomène Nga die skeptische senegalesische  Großmutter. Zum Kinostart machte die Schauspielerin am Donnerstagabend in der Filmwelt Grünstadt Station und stand dem Publikum Rede und Antwort. Benjamin Fiege unterhielt sich mit Nga über den Film, Frankreich und Vorurteile.

Frau Nga, französische Komödien sind seit einigen Jahren international sehr erfolgreich. Uns Deutschen will das mit unseren Komödien nicht so recht gelingen. Verraten Sie uns also bitte das Erfolgsgeheimnis.

(lacht). Ich kenne es selbst auch nicht. Und ein Urteil über deutsche Komödien kann ich mir leider auch nicht erlauben, da ich sie nicht kenne. Das müsst ihr also selbst herausfinden.

Es scheint auf jeden Fall eine Stärke der französischen Komödie zu sein, gesellschaftliche Probleme auf humorige  Art und Weise anzupacken.

Ja, das kann man so sagen. Diese Komödien vermitteln ernste Botschaften. Der Zuschauer sitzt im Kino und lacht, geht dann aber oft nachdenklich aus dem Saal und fragt sich, warum er überhaupt gelacht hat. In seinem Kopf beginnt es dann zu arbeiten. Komödien sind eine schöne Art, die Menschen zum Nachdenken anzuregen. Ein bisschen Lockerheit im Leben kann nicht schaden.

In „Zum Verwechseln ähnlich“ spielen Vorurteile und Alltagsrassismus eine große Rolle. Haben Sie da selbst schon negative Erfahrungen gemacht? Auch im Filmgeschäft?

Ich müsste lügen, wenn ich behauptete, dass dem nicht so sei. Auch im Filmgeschäft. Aber ich möchte mich an solche negativen Momente nicht erinnern. Ich blicke nach vorn, schaue optimistisch in die Zukunft – und lasse mich von solchen Dingen nicht mehr allzu sehr belasten.

Das Thema ist ein sehr aktuelles. In den vergangenen Jahren sind in Frankreich die Rechtspopulisten recht stark gewesen. Und jüngst hat ja selbst Präsident Macron gesagt, Afrikaner würden zu viele Kinder bekommen. Wie nehmen Sie dieses Klima wahr?

Ja, Macrons Aussage hat mich sehr geärgert. Sie war verletzend. Beleidigend. Er hat solche Dinge leider schon viel häufiger gesagt. Man kann das nicht einfach mit seiner Jugend abtun. Das ist sehr gefährlich und macht mich traurig.

Sie spielen in „Zum Verwechseln ähnlich“ die Mutter der Protagonistin, die Oma des kleinen weißen Babys. Ein Charakter, der selbst nicht frei von Vorurteilen ist.

Ja, für einen Schauspieler ist das natürlich die große Herausforderung, einen Charakter zu spielen, der so ganz anders ist als man selbst. Mamita (so der Name ihrer Figur, Anmerkung der Redaktion) ist aber kein schlechter Mensch. Sie hat Angst vor dem Unbekannten, schafft es, sie zu überwinden. Angst ist ja oft die Ursache, wenn es um Rassismus und Vorurteile geht. Mamita ist aber eigentlich ein Mensch voller Liebe. Und das kommt auch in dem Film heraus.

Es gibt da eine schöne Szene, in der Ihr Charakter dann sozusagen bricht, in der der Eispanzer bröckelt und Sie das Kind beginnen zu akzeptieren, nachdem Sie es auf dem Arm halten. War das ihr Lieblingsmoment im Film?

(lacht verschmitzt). Ja, vielleicht. Die Szene hat mir gut gefallen. Weil sie die Fassade aufrecht erhalten will, es dann aber doch nicht ganz schafft.

In der Fragerunde mit dem Publikum haben Sie gesagt, dass es viel Spaß gemacht hat, mit dem Baby zu drehen. Es gibt ja viele Schauspieler, die sagen: Bloß nie mit süßen Tieren oder Kindern, die stehlen einem immer die Schau. Wie sehen Sie das?

Ich denke, es ist eine Charakterfrage. Es gibt sicherlich Schauspieler, die so denken, aber ich gehöre da nicht dazu. Ich bin selbst Mutter und Großmutter, mir hat das sehr gut gefallen. Und unser Regisseur hatte das Team auch im Griff, er hat eine Einheit, eine Art Familie aus uns geformt. Die Dreharbeiten waren ein großer Spaß.

Mit Lucien Jean-Baptiste hatten Sie einen Regisseur, der gleichzeitig auch in der männlichen Hauptrolle vor der Kamera stand. Wie wirkt sich das auf die Arbeit aus?

Das hat ganz prima funktioniert. Es ist schön, mit einem Regisseur zu arbeiten, der beim Dirigieren  die Sprache der Schauspieler spricht und sich in sie hineinversetzen kann. Das macht die Arbeit angenehmer. Wir durften auch unseren Input geben, wenn es etwa darum ging, was eine Figur tragen, wie sie sprechen sollte.

Es war ja auch nicht das erste Mal, dass sie mit ihm zusammengearbeitet haben.

Ja, das ist sehr lustig. Wir arbeiten beide als Synchronsprecher. Lucien ist ja die französische Stimme von Will Smith. Und kurz vor den Dreharbeiten zu „Zum Verwechseln ähnlich“ waren wir beide in ein Projekt involviert. Will Smith spielte einen nigerianischen Arzt – und ich musste dafür sorgen, dass Lucien, der ja aus Martinique kommt, diesen afrikanischen Akzent hinbekommt. Da hatte ich also ihn dirigiert.

Und hat er es hinbekommen?

Ja, natürlich. Vorzüglich.

Sie befinden sich jetzt noch  auf Promo-Tour. Was steht denn danach für Sie auf dem Programm?

Ich arbeite derzeit an einem Musik- und Bühnenprojekt, es gibt auch neue Filmangebote. Aber Genaueres darf ich da leider noch nicht sagen.

Ist Hollywood ein Thema?

Ich komme aus Kamerun, lebe in Frankreich, bin aber Weltbürgerin. Also warum nicht? Ich bin für alles offen.

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