Hotel Heidelberg

Hotel Heidelberg (foto: verleih)

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3 Edel: Motion

3

Eine Serie über ein Hotel? Neu ist die Idee nicht. Und trotzdem schalteten bei der ARD/Degeto-Produktion „Hotel Heidelberg“ gerne Mal 3,5 bis 4,5 Millionen Menschen ein. Die ersten beiden Folgen der Reihe liegen nun fürs Heimkino vor.

Willkommen in der Postkarten-Idylle: Eine schmucke Jugendstil-Villa am Heidelberger Schlossberg ist Schauplatz der Geschichten um die Familie Kramer. Die exzentrische Hotelchefin, Alt-68erin Hermine Kramer (Hannelore Hoger), liegt ständig mit ihrer spießbürgerlichen Familie über Kreuz. Vom emeritierten Professor und Philosophen Günter (Rüdiger Vogler) ist sie schon lange getrennt, er lebt nach einem Schlaganfall aber wieder im Hotel. Sohn Stefan (Stephan Grossmann) nimmt ihr nach wie vor krumm, dass er als einziges Kind in seiner Klasse in einer Badewanne geboren wurde – und dabei fast ertrunken wäre. Und dann ist da noch die älteste Tochter Annette (Ulrike C. Tscharre), allein erziehende Mutter eines pubertierenden Sohnes, die zwar bemüht das Hotel leitet, sich aber in Geldnöten befindet, da Muttern das traditionsreiche Haus quasi an die Bank verzockt hat.

Auch Annettes Therapeut und zukünftiger Gemahl Dr. Ingolf Muthesius (Christoph Maria Herbst) findet kein Wohlgefallen in Hermines Augen und ist als künftiger Schwiegersohn zunächst völlig indiskutabel für das frühere Blumenkind. Sympathien hat sie eher für Ingolfs Mutter (Maren Kroymann), die das familiäre Kennenlern-Essen in einem feinen Restaurant mit den Worten sprengt: „Heidelberg ist vollkommen scheiße; die langweiligste, bürgerlichste Umgebung, in der ich je gelebt habe…“.

Heimat-Idylle zur Prime Time. Die ARD scheint sich allen aktuellen Trends zu verweigern und macht hier Programm für eine Zielgruppe, die schon in den achtziger Jahren bei der „Schwarzwaldklinik“ und danach bei „Forsthaus Falkenau“ eingeschaltet hat. Die im TV-Programm eher Geborgenheit denn Spannung und Aufregung sucht. Entsprechend seicht und unaufgeregt geht es bei „Hotel Heidelberg“ zu Werke. Die Serie lebt hauptsächlich von der Postkarten-Romantik, hat aber sonst wenig zu bieten. Die Handlung schreitet nur sehr langsam voran und ist sehr einfach gehalten. Und wer dem Ganzen trotzdem nicht folgen kann, der bekommt von einer nervigen Off-Stimme oder den Figuren selbst (!) ständig alles erklärt und beschrieben. Handlung und Dialog doppeln sich fortwährend. Man fühlt sich als normaler Zuschauer dabei intellektuell geradezu bevormundet. Da helfen dann auch namhafte Darsteller wie Christoph Maria Herbst, dem hier jeder Witz fehlt, nicht wirklich weiter.

Fazit: Wer sich je die Frage gestellt hat, warum das Internet dem Fernsehen den Rang abzulaufen droht, der bekommt sie hiermit beantwortet.

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