Harry Styles – Harry Styles

Harry Styles (foto: label)

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8 Sony Music

8

Mit der Boyband One Direction raubte Harry Styles vor allem Teenagern den Verstand. Sein gerade erschienenes, selbstbetiteltes Solo-Album verfolgt aber einen deutlich erwachseneren Ansatz.

One Direction zogen 2015 die Reißleine, nach fünf Alben und rund 50 Millionen verkauften Tonträgern, ging die britisch-irische Gruppe in eine immer noch anhaltende Pause, damit die einzelnen Sänger sich solo austoben können. Nachdem Zayn Malik, der bereits 2015 komplett ausstieg, bereits ein eigenes Album und Niall Horan wenigstens zwei Singles veröffentlichten, wagt sich nun Harry Styles nach vorn.

Puh, möchte man zunächst seufzen. Noch so ein Boyband-Kollege, der nun einen auf ernsthaft macht? Muss das sein? Hatten wir das nicht schon oft und genauso oft erfolglos?

Keine Frage: Der 23-Jährige möchte endlich ernst genommen werden. Zu diesem Zweck lässt der Gute Boyband-Mucke Boyband-Mucke sein und channelt stattdessen die siebziger Jahre. Nicht nur, dass er sich neuerdings kleidet wie der junge Mick Jagger. Nein, auch der Sound jener Zeit, vor allem die Balladen, haben es dem Mann offenbar angetan.

Mit dem psychedelisch angehauchten, verträumten Opener „Meet Me In The Hallway“ geht es gleich gut los, der große Kracher ist aber der zweite Song des Albums: Die vorab veröffentlichte Single „Sign Of The Times“ atmet den Geist von Robbie Williams und David Bowie, beweist, dass Styles gleichermaßen im Falsett wie im Reibeisen-Bereich zu Hause ist, ist pompös und nachdenklich zugleich. Bei „Sweet Creature“ stand deutlich vernehmbar Paul McCartneys „Blackbird“ Pate, das geht ob dieser großartigen Performance aber schon klar. Bei „From The Dining Table“ hingegen fühlt man sich unweigerlich an Ryan Adams erinnert. Klassischen Rock kredenzt uns der Gute in „Kiwi“ – das wie ein Mix aus The Hives und Arctic Monkeys klingt – und „Only Angel“.

Nicht schlecht, aber die Rock-Nummern stehen dem jungen Mann nicht ganz so gut wie die grandiosen Pop-Nummern des Albums.

Fazit: Beeindruckendes Debüt. Da hat einer das Zeug dazu, dem Schicksal so vieler Teenie-Idole zu entkommen. 

Anspieltipps: Meet Me In The Hallway, Sign Of The Times, Sweet Creature, From The Dining Table

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