Hannibal

Hannibal (foto: studiocanal)

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Leider war 2015 nach drei Staffeln schon Schluss: Die ekelhaft schöne Psychothriller-Serie „Hannibal“ gibt es aber jetzt immerhin komplett auf DVD und Blu-Ray.

Es gibt normalerweise immer einen Grund, skeptisch zu sein, wenn sich jemand anschickt, aus einem Buch einen Film zu machen. Und wenn dann noch einer daher kommt, und aus dem Film zum Buch eine Serie macht – dann sollten eigentlich alle Alarmglocken schrillen. Beim „Schweigen der Lämmer“ (1991) war das schon immer anders. Der Film zum Buch von Thomas Harris gilt als einer der Klassiker der Neunziger Jahre, nicht ohne Grund gab’s dafür einen Oscar. Über die Sequels, nun ja, hüllen wir einfach mal den Mantel des Schweigens.

Nun sollte es also eine Serie sein. Aber „Hannibal“ ohne den grenzgenialen Anthony Hopkins? Mit einem in den USA beinahe vollkommen unbekannten Hauptdarsteller an seiner Stelle? An den Gedanken musste man sich zunächst schon gewöhnen. Ebenso wie an den Bludurst, mit dem die Macher der Serie hier zu Werke gehen.

Um das Fazit vorwegzunehmen: Die Serie ist überraschend fantastisch geraten. Sie setzt inhaltlich vor „The Silence of the Lambs“ und „Red Dragon“ an, und erforscht die Beziehung zwischen dem heimlichen Kannibalen Lecter und FBI Special Agent Will Graham. Lecter ist eigentlich ein Psychiater, der zuvor als Chirurg praktizierte. In seiner Jugend wurde er durch den Mörder seiner Schwester Mischa dazu gebracht, ihr Fleisch zu verzehren. Seither führt er ein Doppelleben: Psychiater und Serienmörder, der die Organe seiner Opfer entfernt und isst. Gerne serviert er sie auch bei großen Festessen der High Society von Baltimore. Lecter entspricht irgendwann der Bitte des FBI-Direktors Jack Crawford, Will Graham bei seinen Ermittlungen gegen den Serienmörder zu unterstützen. Als Graham zudem ein Patient Lecters wird, baut sich eine Art Freundschaft zwischen den beiden auf. Ein Katz- und Maus-Spiel über drei Staffeln beginnt.

Mads Mikkelsen legt seinen Lecter etwas subtiler an als es damals der große Sir Anthony Hopkins getan hat. Beide Schauspieler schaffen es, dem Charakter trotz dessen Boshaftigkeit einen gewissen Charme mitzugeben, ja, aus ihm einen fast liebenswerten Kannibalen zu machen. Die Tatsache, dass man recht schnell nicht mehr an Hopkins denkt, ist vielleicht das größte Kompliment für Mikkelsen.

Hugh Dancy ist in seiner Rolle als Will Graham ebenso überzeugend wie der Rest der Cast, die aus illustren Namen wie Gillian Anderson, Eddie Izzard, Laurence Fishburne, Richard Armitage und Zachary Quinto besteht.

Serien-Schöpfer Bryan Fuller gelingt mit „Hannibal“ eine top besetzte, visuell vortreffliche Show, die die Ästhetik des Todes kunstvoll in Szene setzt. Der Plot ist clever konstruiert, weicht ab und an von der Romanvorlage ab, was aber nicht weiter schlimm ist. Brian Reitzells Score verleiht dem Ganzen dann auch noch die passende Atmosphäre.

Fazit: Unheimlich schön.

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