Halsey – Hopeless Fountain Kingdom

Halsey (foto: label)

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6 Universal

6

Das schwierige zweite Album: Eine überproduzierte Mischung aus Pop, Indie und Electro serviert Halsey auf ihrem neuen Album „Hopeless Fountain Kingdom“. Ein Flirt mit dem Mainstream.

Als Halsey mit ihrem Debütalbum „Badlands“ 2015 auf der Bildfläche erschien, schien es, als hätte der Pop ganz unerwartet eine neue starke Stimme gefunden. Eine, die ebenso glaubhaft wie eindringlich über Bipolarität und Bisexualität singen konnte, eine, die was zu sagen hatte und sich so von der breiten Masse an Luftblasen-Schleudern abheben konnte. Keine Frage, das mutige, autobiografische Züge tragende Storytelling war die große Stärke der aus New Jersey stammenden Ashley Frangipane (22), wie Halsey bürgerlich heißt.

Bei einem so starken Erstling hat man aber immer auch etwas Angst vor dem Nachfolger. Man fragt sich: Ob das Niveau gehalten werden kann? Noch dazu, wenn das Debüt durch seine Individualität glänzte?

Nicht ganz. „Hopeless Fountain Kingdom“ ist immer noch gut, keine Frage, aber nicht so genial und freimütig wie der Erstling. Es dominieren plötzlich weichere, wärmere R&B-Sounds und breitwandiger Pop. Das liegt vor allem daran, dass die Gesetze des Markts hier jetzt greifen. Erfolg zieht eben an. Zwar ist Halsey-Exfreund Lido als Produzent weiterhin an Bord, aber plötzlich mischen auch ganz andere mit: Greg Kurstin, Benny Blanco, Cashmere Cat, Sia Furler, Quavo, Lauren Jauregui (Fifth Harmony) und The Weeknd beispielsweise. Als Co-Produenten oder Gastmusiker. Logisch: Das klingt dann – sieht man mal von dem Song „1000 Words“ ab – nicht mehr individuell.

„Eyes Closed“ ist so ein Beispiel. Die Nummer klingt zwar gut, aber eben wie ein Weeknd-Song. Auf den R&B-Tracks wird man eher an Rihanna erinnert – kein Wunder, hat doch auch Rihanna-Associate Brittany Hazzard hier ihre Finger mit im Spiel. Nach Halsey klingt das alles nicht mehr wirklich, diese unwiderstehliche, authentische Einheit aus Stimme, Inhalt und Sound ist verschwunden.

Sicher, das alles ist Jammern auf hohem Niveau. Die R&B-Single „Now Or Never“ hat etwas, das dazugehörige, von „Romeo und Julia“ ebenfalls. Schön auch, dass der Opener „The Prologue“ aus diesem Stück zitiert und der Faden immer wieder im Laufe des Albums aufgenommen wird – auch in den beiden stärksten Nummern des Albums: „Strangers“ (mit Lauren Jauregui) und „Alone“.

Fazit: Schon als Halsey vergangenes Jahr die Gastrolle als Sängerin in „Closer“, einem Nummer-eins-Hit der Band The Chainsmokers übernahm, war das ein Hinweis darauf, dass Halsey sich in eine weniger radikale Richtung einschlagen würde. Hoffen wir, dass sie sich auf dem Weg zum globalen Pop-Superstar doch irgendwie treu bleiben wird. 

Anspieltipps: Now Or Never, The Prologue, Strangers, Alone, Sorry, Good Mourning

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