Grizzly Bear – Painted Ruins

Grizzly Bear - Painted Ruins (foto: sony music/ rca)

Our Rating

8 Sony Music / RCA

8

Irgendwann war einfach die Luft raus. Sie müssen wirklich kraftraubend gewesen sein, die Aufnahmen zum vierten Album „Shields“. So kraftraubend, dass sich die Jungs von Grizzly Bear fünf Jahre Zeit ließen, um nun mit „Painted Ruins“ einen Nachfolger zu präsentieren.

Es wäre übertrieben, zu behaupten, dass es schon ein bisschen an ein Wunder grenze, dass die Band für diese Platte noch einmal zusammengefunden hat. Immerhin gab es keinen (bekannten) Zoff zwischen den Bandmitgliedern. Aber die Sehnsucht nach einer Pause muss wohl sehr groß gewesen sein. Grizzly Bear, die sich einst 2004 in Brooklyn gründeten, verstreuten sich nach „Shields“ in alle Himmelsrichtungen. Frontmann und Songwriter Ed Droste zog es nach Los Angeles, wo er von Musik und Musikindustrie zunächst nichts mehr hören wollte. Sänger, Songwriter und Multiinstrumentalist Daniel Rossen landete hingegen in der Einsamkeit Upstate New Yorks, schrieb und nahm Songs auf. Drummer, Songwriter und Multiinstrumentalist Christopher Bear zog mit diversen Bands umher und bastelte an einem Soundtrack zu einer TV-Serie. Und Sänger, Multiinstrumentalist, Songwriter und Produzent Chris Taylor verbrachte erst ein Jahr in Berlin, bevor er ebenfalls nach Los Angeles rübermachte.

Es ist wohl vor allem Chris Taylor zu verdanken, dass es Grizzly Bear weiterhin gibt und „Painted Ruins“ nun in den Regalen steht. Er war es, den es am ersten wieder juckte und der als erstes wieder mit dem bandorientierten Songwriting begann. Spontan richtete er einen Cloud-Account ein, um seinen Kollegen einen ganz lockeren Wiedereinstieg zu ermöglichen. Für Grizzly Bear, so heißt es, war das eine neue Arbeitsweise – mit weniger Druck und dadurch viel entspannter.

Die Band ließ es langsam angehen, von den ersten Sessions im März 2015 landeten auch nur wenige Songs auf der finalen Tracklist, die letztlich elf Lieder umfasste. „Sky Took Hold“ gehörte zu diesen frühen Nummern, wurde aber noch durch eine Bläser-Passage ergänzt. „Systole“, bei dem Taylor erstmals die Leadvocals übernimmt, entstand sogar noch zu Taylors Berlin-Zeit. Gewohnt verspielt ist die Platte geworden, mit der gewohnt instrumentellen Überfrachtung, den gewohnten vertrackten Kompositionen und dem großartigen Harmoniegesang, der immer ein wenig an die Fleet Foxes erinnert. Das ist zum Teil immer noch eine Mixtur aus Indie-Rock und Art-Folk, jedoch kommt er diesmal mit mehr synthie- und beatlastiger daher. Die für Grizzly-Bear-Verhältnisse unheimlich eingängige Indie-Rock-Nummer „Mourning Sound“ trägt fast schon Pop-Züge. Auch das Droste-Stück „Losing All Sense“ schlägt in die selbe Kerbe.

Einerseits ist „Painted Ruins“, der Titel verrät es, eine Musik gewordene Beobachtung des allgemeinen gesellschaftlichen Verfalls, andererseits weigert sich die Band auch, allzu politisch zu werden. Man wollte verbinden, nicht spalten, heißt es seitens der Band. Exemplarisch dafür: der Indie-Folk-Track „Four Cypresses“, politisch, ja, aber auf eine subtile Art und Weise. Viele Stücke haben aber doch eher eine persönliche Dimension, wie etwa „Wasted Acres“, das von Rossens Leben in Upstate New York erzählt. „Am Anfang war es ein einfacher Texte über das Feuerholzsammeln mit meinem Hund“, so Rossen.

Keine Frage: Die Band hat sich hörbar weiterentwickelt. Die neue Zugänglichkeit, sie steht Grizzly Bear ausgesprochen gut. Der Wechsel vom Indie-Label Warp Records zum Major RCA hat der Band offenbar nicht geschadet.

Anzeige

Fazit: Starkes Comeback.

Anspieltipps: Mourning Sound, Four Cypresses, Losing All Sense, Three Rings, Aquarian, Neighbors, Systole

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.