Gimme Danger

Gimme Danger (foto: studiocanal)

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7 Studiocanal

7

Kein Geheimnis: Jim Jarmusch ist ein fantastischer Geschichtenerzähler. Diesmal aber hat das Leben im die Story vorgegeben: In der Doku „Gimme Danger“ widmet er sich der Karriere von Iggy Pop und den Stooges.

Nein, so etwas wie die Stooges hatte man Mitte, Ende der sechziger Jahre so noch nicht gesehen. Eine wilde Horde von Teenager-Kommunisten aus Ann Arbor/Michigan, die mit ihrem wilden Mix aus Rock, Blues, R&B und Free Jazz das Musikgeschäft aus den Angeln hob und so die Basis für Alternative Rock und Punk schuf.

Für Jarmusch ist „Gimme Danger“ nach „Year of the Horse“, bei dem er sich mit Neil Young beschäftigte, erst der zweite Musikfilm. Allerdings gilt der Gute als großer Musikfan und hat ja auch schon einige Musik-Videos gedreht. Hier nun gibt er sich hier mehr oder weniger als Chronist, arbeitet mit Archiv-Aufnahmen, alten Bildern und Interview-Sequenzen, die zum Teil frisch, zum Teil aber auch aus der Dose kommen, da einige Stooges-Mitglieder zum Zeitpunkt der Aufnahmen schon nicht mehr lebten. Und so sieht der Zuschauer Iggy noch Mal wie einen jecken Schimpansen über die Bühne toben, erfährt, was sein nackter Oberkörper mit ägyptischer Ikonographie zu tun hat, wie er David Bowie kennengelernt hat oder wie die Band zu ihrem Namen gekommen ist. Der Bogen wird dabei von den Anfängen der Stooges bis in die Aufnahme der Band in die Rock-’n‘ Roll-Hall-of-Fame 2010 gespannt.

Klar, viel analytische Distanz lässt sich bei der Nummer nicht erwarten. Das wird schon gleich zu Beginn deutlich, als Jarmusch die Stooges als die größte Rockband aller Zeiten bezeichnet. Spätestens da ist klar wohin die Reise geht: Der Film ist als eine Art Verbeugung vor Iggy und seinen Mannen gedacht. Kein Wunder: Jarmusch ist mit Pop gut befreundet, Iggy trat in seinen Filmen „Coffee & Cigarettes“ und „Dead Man“ auf. Er darf hier seine Story mehr oder weniger unbehelligt selbst erzählen. Jarmusch will da zu keiner Zeit objektiv sein. Das heißt nicht, dass düstere Kapitel komplett ausgeklammert werden, aber eine große Rolle spielen sie auch nicht. Jarmusch will Iggy Pop feiern – und das darf er auch.

Interessant wird es, wenn Pop seine Gedanken über das Musikgeschäft einstreut. Er kann das gefahrlos, der Mann ist immerhin schon 70 und hat seine Schäfchen längst im Trockenen. So entzaubert er etwa die kalifornischen Hippie-Bands der späten sechziger Jahre, die laut seiner Aussage zum Großteil in irgendwelchen Meeting-Räumen der großen Plattenfirmen entstanden sind. Deren Versuch, den Rock ’n‘ Roll durch die Perrycomoisierung der Hörer zu verdrängen, bezeichnet Pop sogar als kulturellen Verrat am eigenen Volk. Die Antwort auf diese Versuche haben Pop und die Stooges selbst gegeben. Als er Mal in einem Interview gefragt wird, ob er glaubt, dass er irgendjemanden mit seiner Musik beeinflusst habe, entgegnet Pop: „I helped to wipe out the Sixties.“

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Fazit: Sehenswert.

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