Get Out

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8 Universal Pictures

8

Der Mystery-Horror-Thriller „Get Out“ beschäftigt sich mit dem unterschwelligen Rassismus der liberalen Wohlstandsgesellschaft in den USA. 

Der Film erzählt die Geschichte von Chris (Daniel Kaluuya), dem schwarzen Freund einer attraktiven, weißen Frau (Rose, gespielt von Allison Williams aus „Girls“). Die beiden sind erst seit wenigen Monaten ein Paar und so steht das erste Treffen mit Rosies Eltern Dean und Missy (Bradley Whitford und Catherine Keener) ins Haus. Chris ist beunruhigt: „Wissen sie, dass ich schwarz bin?“ Rose beruhigt ihn: Ihre Eltern hätten keine Vorurteile. Und obwohl sein bester Kumpel ihn noch davor warnt, ins Elternhaus eines weißen Mädchens zu fahren, weil er glaubt, Weiße wünschen sich insgeheim allesamt schwarze Sex-Sklaven, bricht Chris mit Rose Richtung des weißen, reichen New Yorker Vororts auf. Der erste Eindruck ist seltsam: Das Haus gleicht mit seinen weißen Säulen einer Südstaaten-Plantage und die Bediensteten sind ausnahmslos schwarz, aber: Dean, ein Neurochirurg, und Missy, eine Psychotherapeutin, heißen Chris sehr herzlich willkommen. Dean versichert ihm, er hätte ein drittes Mal für Obama gestimmt, wenn er denn gekonnt hätte. Aber er erzählt ihm auch, dass Roses Großvater, seinen Platz bei den Olympischen Spielen von 1936 an den schwarzen Leichtathleten Jesse Owens verlor. „Er ist fast darüber hinweggekommen“, sagt Dean lachend, aber mit Bitterkeit in der Stimme. Noch seltsamer ist das unterwürfige Benehmen der beiden schwarzen Hausangestellten (Marcus Henderson und Betty Gabriel). Dean ist sich dem Klischee bewusst: „Ich hasse die Art, wie es rüberkommt.“ Als Chris versucht, die Bediensteten näher kennenzulernen, spürt er, dass etwas nicht stimmt. Sein Unbehagen steigert sich, als er bei einer Familienfeier von den weißen Gästen sonderbar behandelt wird. Eine Frau fragt ihn, ob er wohl gut ausgestattet sei und streichelt über seinen Bizeps. Ein anderer Gast merkt an, dass schwarze Haut im Moment total „in Mode“ und „das neue Weiß“ sei …

Das Programm des Lux-Kinos Frankenthal

Gute Horrorfilme haben schon immer gesellschaftliche Missstände angeprangert. Dem Comedian Jordan Peele ist solch ein Film bei seinem Regiedebüt gelungen. Ein Film, der das Tabu der Mischehe, rassistisch motivierte Polizeibrutalität und den unterschwelligen Rassismus der grünen Vororte anprangert. „Get Out“, der explizit in der Post-Obama-Ära spielt, lässt den Zuschauer fühlen, wie sich Schwarze tagtäglich in Amerika fühlen. Der Horrorfilm nutzt dabei geschickt Elemente des Social Thrillers, des Mystery-Genres, aber auch aus der Komödie. Den einen oder anderen mag die Prämisse – in die sich ja jeder hineinversetzen kann, der eine Beziehung führt und zum ersten Mal die Schwiegereltern treffen musste – bekannt vorkommen: 1967 erzählte „Rat mal, wer zum Essen kommt“ die Geschichte einer jungen Weißen, die ihren schwarzen Verlobten (Sidney Poitier) mit nach Hause zu den Eltern bringt. Aber, soviel sei verraten: „Get Out“ hat eine weitaus negativere Sicht auf die Dinge. Der Rassismus, so die Botschaft des Films, ist trotz des ersten schwarzen Präsidenten in den USA nicht verschwunden – im Gegenteil. Wobei im Fokus des Films nicht die typischen Trump-Wähler stehen, sondern die weißen bürgerlichen Liberalen, denen Peele hier unterstellt, nicht so tolerant zu sein, wie sie einen gerne glauben machen. Ein Film, der natürlich auch Provokation ist – aber eine notwendige.

Fazit: So gruselig wie die Realität.

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