George Michael – Listen Without Prejudice Vol. 1 / MTV Unplugged

George Michael - Listen Without Prejudice Vol. 1 (foto: sony music)

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6 Sony Music

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George Michael ist kaum ein Jahr unter der Erde, schon wird die Gelddruckmaschine angeworfen: Sony Music hat sich dazu entschlossen, Michaels zweites Solo-Album „Listen Without Prejudice Vol. 1“ zu remastern und neu aufzulegen. Als Schmankerl gibt es in der Doppel-CD-Variante das bisher unveröffentlichte „MTV Unplugged“-Konzert des ehemaligen Wham!-Mitglieds obendrauf.

Nein, einen offensichtlichen Grund, „Listen Without Prejudice Vol. 1“ neu aufzulegen, gibt es nicht. Weder feiert das 1990 veröffentlichte Machwerk Geburtstag, noch nimmt es in der Vita des guten George irgendwie eine besondere Stellung ein. Sieht man mal davon ab, dass es für 14 Jahre das letzte Album Michaels mit neuem, eigenem Material war. Lag wohl auch daran, dass das Ding ein Flop war, verkauften sich davon doch vergleichsweise läppische acht Millionen Exemplare. Zum Vergleich: Der Vorgänger „Faith“ wanderte noch 25 Millionen Mal über den Ladentisch.

Dabei hatte das Album seinerzeit einige Perlen zu bieten. Die düstere, gesellschaftskritische Pop-Single „Praying for Time“ ist ein perfekt gewählter Opener, die zweite Nummer „Freedom! 90“ ist eine gnadenlos eingängige Pop-Hymne, die auf zynische Art und Weise die Schattenseiten des Ruhms thematisiert, und der Michael ein legendäres Video stiftete, das von den Supermodels jener Zeit bevölkert wurde. „Something To Save“ balanciert mit seinen Streichern auf der Grenze zum Kitsch, strauchelt aber nicht. „Mothers Pride“ ist zwar etwas süßlich, gewinnt aber durch den emotionalen Kontext, in dem das Lied seinerzeit immer wieder gespielt wurde: Im Golf-Krieg 1991 ließen Radio-Stationen den Song oft als Untermalung für Hörer-Tribute an US-Soldaten laufen.

Mit „They Won’t Go When I Go“ findet sich allerdings auch ein überflüssiges Stevie-Wonder-Cover auf dem Album und mit „Waiting For That Day“ eine Nummer, bei der der gute George sich doch etwas stark am Stones-Hit „You Can’t Always Get What You Want“ bedient hat. Hätte es beides nicht gebraucht. Ebenso wie den langatmigen Walzer „Cowboys and Angels“ und die Akustik-Gitarren-Ballade „Heal the Pain“.

Kurzum: Eine Platte, die nur bedingt zur Legendenbildung taugt.

Auf CD2 findet sich denn George Michaels „MTV Unplugged“-Konzert. Der Gig, der 1996 aufgezeichnet wurde, wurde bisher nie komplett als Live-Album veröffentlicht. Eigentlich unüblich. Vielleicht, ja, vielleicht war der gute George nicht so happy mit seiner Performance an diesem Abend in London. Es ist jetzt nicht so, dass die Songs – die die Wham!-Zeit bis zur Gegenwart abdeckten – im akustischen Gewand gar nicht funktionieren würden, der große WOW-Effekt bleibt hier aber aus. Wirkt insgesamt alles doch sehr süßlich und wenig überraschend, da hilft dann auch der Gospel-Chor letztlich nicht wirklich weiter (der noch beim Opener „Freedom! 90“ und beim starken „Father Figure“ gut funktioniert). Das Bonnie-Raitt-Cover „I Can’t Make You Love Me“ verkommt in der Michael-Version leider zum Kitsch.

Mit dem versponnenen „Fantasy“, das Michael dem Vernehmen nach kurz vor seinem Tod noch mit Disco-Legende Nile Rodgers aufnahm, hat es dann auch noch ein Bonus-Track etwas zusammenhangslos auf die Doppel-CD geschafft. Für sich genommen zumindest tanzbar, auf der „Unplugged“-CD wirkt der Titel aber eher wie ein lieblos platziertes Anhängsel.

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Fazit: Gehobener Durchschnitt.

Anspieltipps: Praying For Time, Freedom! 90, Something To Save, Freedom! 90 (live), Father Figure (live)

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