Games: Borderlands – The Pre-Sequel. Schießt mich auf den Mond!

 


Möge der Wahnsinn beginnen! Nach zwei Borderlands-Teilen und so einigen DLCs geht es endlich wieder zurück nach Pandora. Obwohl, so ganz stimmt das nicht. Denn im sinnig benannten „Borderlands– The Pre-Sequel“, also etwa der „Vor-Forsetzung“, die zeitlich vor dem zweiten Teil angesiedelt ist, treiben allerlei Feinde ihr Unwesen auf Elpis, dem Mond Pandoras, diese schöne, mit Lava durchzogene Kugel, die in den ersten beiden Teilen nur als Hintergrund zu sehen war. Und als wäre das nicht genug, stellen sich die Spieler diesmal auf die dunkle Seite der Macht und helfen Handsome Jack, dem allseits unbeliebten Bösewicht aus Teil zwei dabei, die Macht über Mond, Mondstation und den Planeten zu übernehmen. Mit den besten Absichten, versteht sich.

Auch dieses Mal können die Spieler aus vier Charakteren wählen, die alle besondere Fähigkeiten haben. Gladiator Athena kann mit ihrem Schutzschild die Attacken der Feinde absorbieren und auch mächtig austeilen. Enforcer Wilhelm hat Kampfdrohnen an seiner Seite, und Lawbringer Nisha kann schießen wie kein anderer. Der Vierte im Bunde ist der dauerplappernde Roboter Claptrap, der in den ersten beiden Teilen den Spielern vor allem auf die Nerven ging. Dessen Fähigkeiten bleiben dem Zufall überlassen – von der Feuersalve bis zum lebenden Piratenschiff (ja, wirklich) ist alles dabei.

Wer bereits den zweiten Teil kennt, wird sich sofort an die Spielmechanik gewöhnen – denn die unterscheidet sich praktisch gar nicht vom Vorgänger. „Borderlands – The Pre-Sequel“ ist wieder einmal ein actionreicher Ego-Shooter, der mit Rollenspielelementen erweitert wird. Die speziellen Fähigkeiten lassen sich im Laufe des Spiels immer weiter nach den eigenen Vorlieben modifizieren. So ist es durchaus möglich, dass zwei Spieler, die beide Athena wählen, am Ende völlig verschiedene Charaktere steuern. „Borderlands“ lässt sich hervorragend allein spielen, gewinnt aber noch einmal erheblich im Coop-Modus: Bis zu drei weitere Spieler können sich dazuschalten und die Missionen gemeinsam bestreiten. So sind nicht nur die Gegner schneller platt, auch das Spiel an sich gewinnt noch einmal gefühlt an Fahrt.

All das ist nicht wirklich neu; auch der Look (trotz neuer Karten), die Steuerung und die Art der Missionen sind gleich geblieben. Die Charaktere sind so verrückt wie immer, zahlreiche alte Bekannte geben sich ein kleines Stell-dich-ein. Nur die neuen Fähigkeiten und neue Gadgets sorgen für Abwechslung. Ansonsten wird viel geballert, werden einige Rätsel gelöst. Neben der Hauptmission locken zahlreiche, meist ziemlich durchgeknallte Nebenmissionen. Und natürlich gibt es auch im dritten Teil wieder jede Menge Beute – die Waffen sind so zahlreich wie unterschiedlich, es stehen  Abermillionen Modelle zur Verfügung. Und es dauert nicht lange, bis der Spieler sie alle haben will.

Einige wenige Neuerungen gibt es dennoch. Eine davon ist, dass die Gegebenheiten des Mondes berücksichtigt wurden, der unserem Mond offenbar nachempfunden wurde. Bedeutet: Die Schwerkraft ist geringer, der Spieler springt höher und braucht zudem auf der Oberfläche einen Sauerstoffhelm, um atmen zu können. Alles nette Gimmicks, die den Spielverlauf nicht großartig verändern, ihn aber auch nicht weiter stören. Neu ist auch die Musik, die leider mit dem Western-Sound des Vorgängers nicht mithalten kann. Sie erinnert aber immerhin ein bisschen an alte Science-Fiction-Klassiker wie Blade Runner und geht damit trotzdem in Ordnung. Dazu gibt es jetzt auch Laserwaffen und Frosteffekte – das war’s dann aber auch schon mit den Updates.

Bei so wenig Neuem könnte diese Mond-Episode auch ein – wenn auch sehr umfangreiches – DLC sein. Oder eben in aller Konsequenz ein Vorgänger zu Teil 2. Wer also unbedingt eine echte Fortsetzung sehen will, den könnte „Borderlands – The Pre-Sequel“  enttäuschen. Doch wer darüber hinwegsehen kann, wird sich so schnell nicht vom Spiel abwenden können. Denn es reizt auch in diesem Teil das aus, was es am besten kann: Es gibt verrückte Storys mit jeder Menge Action, eine sehenswerte Comicgrafik und einen irren, dezent psychopathischen Humor. Absolutes Suchtpotenzial!

„Borderlands – The Pre-Sequel“ ist erhältlich für Playstation 3, Xbox 360 und PC. Wir haben die Xbox-Version getestet.

Text: Anita Lozina