Freundeskreis

Freundeskreis (foto: mika väisänen/wikimedia)

Immer wenn es regnet, müssen wir an sie denken: Die Stuttgarter Band Freundeskreis stiftete uns mit „A-N-N-A“ nicht nur einen der schönsten deutschen Hits der neunziger Jahre, sondern halfen dem politische Rap hierzulande auch auf die Sprünge. Vor allem die Themen Gleichberechtigung und internationale Verständigung waren Steckenpferde der Band.

Senkrechtstarter. Ja, das ist das passende Wort. Oder wie soll man es sonst nennen, wenn einem gleich mit der zweiten Single ein die Dekade prägender Evergreen gelingt? „A-N-N-A (Immer wenn es regnet)“ hieß das gute Stück, das im Frühjahr 1997 erschien und zum Sommerhit des Jahres wurde. Freundeskreis – Maximilian (Max Herre), Don Philippo und DJ Friction – waren plötzlich wer, auch das Debütalbum „Quadratur des Kreises“, auf dem die Band Hip-Hop mit Elementen aus Reggae, Jazz und Soul vereinte, verkaufte sich in diesem Jahr nicht schlecht.

Keine Selbstverständlichkeit, waren die Texte hier doch um einiges tiefgründiger und intelligenter, als man es in dieser Dekade von Charts-Musik so gewohnt war. Max Herre erzählte in der ersten Single „Leg dein Ohr auf die Schiene der Geschichte“ beispielsweise seine Lebensgeschichte anhand von geschichtlichen Ereignissen und Biografien anderer Menschen. So brachte er hier Themen wie die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl und den Kalten Krieg zur Sprache. In der dritten Single „Wenn der Vorhang fällt“ rappten Herre und Wasi Ntuanoglu über ihr Selbstverständnis als Musiker und ihren Blick auf die deutsche Hip-Hop-Kultur: „Banaler Rap ist publik und macht uns in Sachen Kunst zu ’ner Bananenrepublik“, sang Herre in der zweiten Strophe.

Nach dem erfolgreichen Erstling folgte 1999 das Album mit der titelstiftenden Single „Esperanto“, benannt nach der gleichnamigen Plansprache. Die Idee hinter dem Albumtitel: Hip-Hop sollte das Esperanto der Jugend sein. Der Untertitel „Amikaro“ bedeutet „Freundeskreis“ auf Esperanto. Der Introtext des Albums, vorgetragen von Jean Codjo (Benin), war ebenfalls auf Esperanto gehalten. Der Longplayer geriet zum erfolgreichsten Album von Freundeskreis und verkaufte sich mehr als 300.000 Mal.

In jener Phase erweiterte sich das Trio lose um die FK Allstars, zu denen Afrob, Brooke Russell, Joy Denalane, Déborah, Wasi und Gentleman gehören. Das sorgte umso mehr dafür, dass sich Freundeskreis stilistisch weiter öffneten und in ihren Sound mehr und mehr Elemente aus Reggae, Jazz, Soul und Funk verrührten. Die Mischung kam an, das Live-Album „En Directo“ (2000) wurde mehr als  250.000 Mal verkauft.

Mit Songs wie „Mit dir“ mit Joy Denalane oder „Tabula Rasa Pt. 2″ heimste die Band weiterhin große Erfolge ein, auch das Cover des Ton-Steine-Scherben-Lieds „Halt dich an deiner Liebe fest“ für den Soundtrack des Films „23 – Nichts ist so wie es scheint“ überzeugte.

Kurz darauf aber wurde Max Herre das ganze Gewese um seine Person zu bunt (die „Bravo“ beispielsweise nannte ihn mal den „Jesus von Benztown“). Die Gruppe verordnete sich daher eine Pause. Mastermind Herre machte sich in Folge als Produzent einen Namen, gründete mit Joy Denalane eine Familie und nahm erst vier Jahre später wieder eine eigene Platte („Max Herre“, 2004) auf – erfolgreich. Auch DJ Friction versuchte sich als Solo-Künstler und brachte drei Solo-Alben heraus.

Lange war es dann still um die Band, ehe im Juli 2007 ein Best-Of-Album/DVD inklusive zwei neuer beziehungsweise unveröffentlichter Titel auf den Markt kam. Zum zehnjährigen Band-Jubiläum im selben Jahr traten Freundeskreis auf verschiedenen Festivals im deutschsprachigen Raum auf. Am 19. September 2007 gab die Band ihr Abschiedskonzert im Stuttgarter Gazi-Stadion auf der Waldau.

 

DISCOGRAPHY

1997: Quadratur des Kreises

1999: Esperanto

2007: FK 10

 

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