Faber – Sei Ein Faber Im Wind

Faber (foto: universal)

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8 Vertigo / Capitol

8

Kaum zu glauben: Faber ist gerade Mal 23 Jahre alt. Doch der Zürcher Songwriter klingt wie ein alter Hase. Davon kann man sich auf seinem nun vorliegenden Debütalbum „Sei ein Faber im Wind“ überzeugen.

Die vergangenen zwei Jahre waren für Faber ereignisreich. Nachdem er 2015 mit Sophie Hunger auf Tour war und AnnenMayKantereit supportete, erregte die Musik des Guten erstmals größere Aufmerksamkeit. Spätestens seit der EP „Abstinenz“ (2016) hatten ihn dann auch die Feuilletons der Republik auf dem Schirm, die seine Beobachtungsgabe feierten und ihn gleich zur neuen deutschsprachigen Songwriter-Hoffnung aufbliesen. Klar, dass Fabers Debütalbum sehnlichst erwartet wurde.

Das liegt jetzt endlich vor. Allein das Cover ist ja schon fast den Kauf dieses Erstlings wert. Darauf sieht man die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Geseke 1412, alle Mitglieder schön in Tracht – und zu ihren Füßen liegt der Schweizer Musiker mit seiner zerrissenen Hose und seinen ausgelatschten Schuhen. Die Botschaft ist klar: Faber, so will uns dieses Bild sagen, ist einer, der aus der Reihe tanzt.

Das tut er auch. Nicht nur optisch, sondern auch musikalisch. Zu Beginn der Scheibe überrascht der Mann mit folkloristischer Polka und Blechbläsern, die fast an Beirut erinnern, dann wechselt er auf Salsa-Rhythmen, um dann in Richtung Chanson-Pop abzubiegen. Kurzum: Viele mutige Experimente, viele Zitate – und jede Menge schräger Texte. In „Wem Du’s Heute Kannst Besorgen“ etwa singt Faber aus der Sicht eines notgeilen alten Bocks, der eine 16-Jährige zum Beischlaf überreden will.

Der Zürcher Songwriter, das wird schnell klar, hat keine Angst, gegen den Strom zu schwimmen und mitunter schräge bis unsympathische Rollen in seinen Songs zu spielen. Das hat ihm auch schon Shitstorms eingebracht, weil die Menschen eben oft nicht zwischen Interpret und lyrischem Ich differenzieren können. So geschehen bei dem Lied „Wer Nicht Schwimmen Kann Der Taucht“, in dem Faber in die Rolle eines AfD-Anhängers schlüpft und so einen Kommentar zur Flüchtlingsthematik abgibt. Brachte ihm Nazi-Vorwürfe ein, was natürlich Quatsch ist. Fabers Song ist mehr eine Sozialstudie, fernab der Wohlfühlzone des Hörers, der diese Exkursion in die Finsternis der Gesellschaft nur schwer aushalten kann.

Der Titelsong „Sei ein Faber im Wind“ ist schmerzhaft, grausam, schön und wahrhaftig, ein Song über Liebeskummer, der frei von jedem Kitsch ist. „Einer von uns beiden war ein Arschloch. Und das warst du.“

Stimmlich macht Faber Spaß. Der Mann nuschelt, schreihalst auch mal und klingt immer so, als hätte er vor den Aufnahmen noch eben ein Päckchen Filterlose geraucht. Einer, den man im Auge behalten sollte.

Fazit: Stark. Kaum zu glauben, dass das ein Debütalbum ist.

Anspieltipps: Sei Ein Faber Im Wind, Wer Nicht Schwimmen Kann Der Taucht, Wem Du’s Heute Kannst Besorgen

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