Ezra Furman – Transangelic Exodus

Ezra Furman - Transangelic Exodus (foto: bella union)

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10 Bella Union/PIAS Cooperative
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Als eine Art Roman, mindestens aber als eine Sammlung von Kurzgeschichten, die halb seiner Fantasie, halb dem wahren Leben entsprungen seien, will Ezra Furman sein neues Album verstanden wissen. Als eine Art queerer, paranoider Outlaw-Road-Trip. “Transangelic Exodus”, der neueste Wurf des Singer-Songwriters aus Chicago, ist soeben bei Bella Union erschienen.

Es sind beklemmende Geschichten, die Furman auf “Transangelic Exodus” erzählt. Das Narrativ: Der Protagonist hat sich in einen Engel verliebt, und gemeinsam mit dem Himmelsgeschöpf ist er nun auf der Flucht vor der autoritär, ja, faschistisch auftretenden Regierung, die diese Liebe als illegal betrachtet. Kurzum: Es geht um Stigmatisierung von vermeintlich andersartiger sexueller Identität, die Furman nicht nur in den USA, sondern auch in anderen, sich gerne als hochentwickelt bezeichnenden Gesellschaften ausmacht.

Die Musik, die Furman für dieses düstere, musikalische Road Movie vorgesehen hat, unterscheidet sich auf vielen Ebenen vom Sound, der ihn früher ausgemacht hat. Die Doo-Wop-Elemente, die auf “Perpetual Motion People” (2015) noch so im Vordergrund standen, verschwinden hier zwar nicht gänzlich, treten aber deutlich in den Hintergrund. Stattdessen wählt Furman hier einen dramatischeren, im Glam Rock der siebziger Jahre verankerten Ansatz, den er mit modernen Elementen verquickt. Ein bisschen von The Velvet Underground inspirierter Garage-Punk hier, ein bisschen Jonathan Richman und Rock ‘n’ Roll dort, selbst eine Prise Vampire Weekend und Bruce Springsteen darf es dann und wann sein. Seine Band hat Furman dafür kurzerhand von The Boy-Friends in The Visions umbenannt.

“Da ist sehr viel Sehnsucht und Wut in diesen Songs. Die Sehnsucht nach Gottes Hilfe und die unterschwellige Frage, wie lange das alles noch andauern kann. Es fühlt sich an, als seien wir im Exil, wir, die Unschuldigen, Verfolgten, Unterdrückten und Bedrohten. Es ist aber sehr schwierig, explizit religiöse Statements in der Popkultur abzugeben. Viele Leute, ich auch, wurden von der Religion verletzt”, so Furman. Und so ist die Platte eben auch ein Ausdruck von Solidarität. Ein Soundtrack für all jene, denen es so geht beziehungsweise ging wie Furman. Ein Soundtrack der Angst.

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Fazit: Eine großartige Platte voller Wut und Ärger. 

Anspieltipps: – Gesamtkunstwerk.

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