Kino: Es („It“)

Es - Poster (foto: warner)

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7 Warner Bros.

7

Der Hype war im Vorfeld riesengroß: Am Donnerstag ist das Remake von Stephen Kings Horror-Klassiker „Es“ in den deutschen Kinos angelaufen. Die Macher haben viel richtig gemacht – aber auch manches falsch.

Die Kleinstadt Derry im US-Bundesstaat Maine ist ein merkwürdiger Ort. Alle 27 Jahre passieren hier schreckliche Dinge. In keiner anderen amerikanischen Stadt verschwinden so viele Kinder wie hier. Im Oktober 1988 erwischt es den kleinen Georgie Denbrough (Jackson Robert Scott). Der Siebenjährige hat von seinem großen Bruder Bill (Jaeden Lieberher) ein Papierboot geschenkt bekommen und lässt es gerade auf den verregneten Straßen Derrys segeln. Dummerweise wird es von einem Abfluss verschluckt. Als sich Georgie bückt und durch das Loch des Abflusses linst, erspäht er in der Kanalisation einen Clown, der sich ihm als Pennywise (Bill Skarsgård) vorstellt. Dieser lockt ihn näher zu sich, trennt ihm dann unvermittelt den Arm ab und zieht ihn runter zu sich in die Kanalisation.

Sommer 1989. Bill kommt über das Verschwinden seines Bruders nicht hinweg. Er vermutet, dass sein Bruder vom Regenwasser erfasst und in die Barrens, ein Waldgebiet am Rande der Stadt, gespült worden sein könnte. Und so versucht er seine Freunde – das freche Großmaul Richie Tozier (Finn Wolfhard), den schwächlichen Hypochonder Eddie Kaspbrak (Jack Dylan Grazer) und den etwas steifen Stan Uris (Wyatt Oleff) – davon zu überzeugen, mit ihm auf die Suche nach Georgie zu gehen. Die Gruppe von Außenseitern bekommt schnell Zuwachs durch den dicklichen Schulneuling Ben Hanscom (Jeremy Ray Taylor), der bei ihr Zuflucht findet, als er gerade vom Schul-Bully Henry Bowers (Nicholas Hamilton) und seiner Bande durch die Barrens gejagt wird. Später stoßen auch Beverly Marsh (Sophia Lillis – großartig, eine echte Entdeckung), die von ihrem Vater missbraucht wird, und der farbige Mike Hanlon (Chosen Jacobs), der immer wieder Opfer rassistisch motivierter Attacken von Bowers und seinen Kumpels wird, zu der Außenseiter-Gruppe. Der Club der Verlierer ist geboren. Und sie alle haben eine Gemeinsamkeit: Pennywise terrorisiert sie, in dem er immer wieder die Gestalt der größten Ängste jedes Einzelnen annimmt.

Nachdem weitere Kinder verschwinden und dem Club der Verlierer dämmert, dass Pennywise dahinter steckt, beschließen sie den Kampf mit dem Wesen aufzunehmen – und als Erwachsene zurückzukehren, falls Pennywise in 27 Jahren wieder morden sollte.

Was Steven Spielbergs „Jaws“ seinerzeit für das Image des Weißen Hais war, war „Es“ 1986 für den Berufsstand des professionellen Spaßmachers. Stephen Kings im Kokswahn erschaffener Pennywise hat sicherlich dazu beigetragen, dass der eine oder andere heute mit einer ausgeprägten Clown-Phobie durchs Leben geht. Im literarischen Katalog des Horror-Schriftstellers nimmt „Es“ einen prominenten Platz ein, der Roman gehört zu seinen erfolgreichsten Werken. Und das mit Recht. Weil es das Buch geschafft hat, dass sich die Leser mit den jungen (und alten) Helden aus dem Club der Verlierer identifizieren. Weil hier auf hervorragende Art und Weise Coming-Of-Age-Elemente in eine Horror-Story verwoben wurden. Und weil sich Stephen King Platz für die Charakterentwicklung nahm und die Geschichte auf mehr als 1000 Seiten erzählte, ohne dabei zu langweilen.

Klar, dass diese 1000 Seiten nicht in einen Film passen und so ist diese Neuverfilmung von „Es“ ähnlich wie die Verfilmung von 1990 als Mehrteiler angelegt. Mit einem großen Unterschied jedoch: Hat sich die Originalverfilmung in der Chronologie stark an der Buchvorlage orientiert und beide zeitlichen Ebenen der Geschichte im Plot miteinander vermengt, sind sie in der Neuverfilmung, für die Regisseur Andrés Muschietti verantwortlich zeichnet, voneinander getrennt. Will heißen: Der gerade vorliegende Film spart den Kampf des erwachsenen Verlierer-Clubs aus und hebt ihn sich für den bereits bestätigten zweiten Teil auf. Und noch eine dramatische Änderung: Muschietti verlegt die Handlung von den fünfziger in die achtziger Jahre. Eine mutige Entscheidung, die Vor- und Nachteile mit sich bringt. Mit den achtziger Jahren können sich sicherlich mehr der heutigen Kinogänger identifizieren, der eine oder andere mag bei den häufigen New-Kids-On-The-Block-Referenzen vielleicht sogar nostalgisch werden und damit das selbe Gefühl erleben wie der „Es“-Leser in den achtziger Jahren, der sich beim Lesen in seine Kindheit in den fünfziger Jahren zurückversetzt fühlte.

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Inhaltlich bringt das aber Schwierigkeiten mit sich: Eine amerikanische Kindheit in den achtziger Jahren lief eben doch deutlich anders ab als in den fünfziger Jahren und so muten manche Verhaltensweisen der Kinder-Gruppe etwas arg aus der Zeit gefallen an. Hier und da haben das die Macher bemerkt und entsprechend angepasst. So ist Stan etwa kein begeisterter Vogelkundler mehr und wird in seiner Alptraum-Sequenz entsprechend auch nicht von Vögeln attackiert. Die künstlerischen Freiheiten, die sich Muschietti bei derlei Änderungen genommen hat, sind verkraftbar und sorgen immerhin auch für Überraschungseffekte bei jenen, die die Geschichte bereits kennen. In den besten Momenten atmet der Film daher etwas von diesem „Stand By Me“-Geist, der auch das Buch auszeichnete. Schwerer ins Gewicht fällt da schon eher die Marginalisierung eines Charakters wie Mike Hanlon. Seine Figur, von King damals auch als Kommentar zum Rassismus der fünfziger Jahre angelegt, ist in der Neuverfilmung fast schon überflüssig. Schade.

Bill Skarsgård hat in diesem Remake die undankbare Aufgabe, sich mit Tim Currys Interpretation von Pennywise messen lassen zu müssen. Allerdings füllt der Schlacks die Rolle gut aus, sorgt auch für viele unheimliche Momente. Beim zweiten Teil sollten die Macher aber den Einsatz von CGI-Effekten etwas zurückfahren, die hier viel vom Grusel nehmen.

Fazit: Sehenswert, aber mit Schwächen.

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