The Beat: 1100 Meilen nach Graceland

Sie ist mir noch gut im Gedächtnis, die nette Oma, die ich vor dem Eingangstor von Graceland kennenlernte. Mehr als 1100 Meilen hatte ich zu diesem Zeitpunkt hinter mich gebracht, auf meinem Road Trip von New York City nach Memphis, Tennessee. Mehr als 1100 Meilen, die zwischen mir und meinem Wunschtraum standen, endlich einmal das Mekka aller Elvis-Fans persönlich zu besuchen. Den Wohnsitz des Kings.

Drei Wochen (und 28 Jahre, streng genommen) hatte ich dafür gebraucht, in denen ich in vielen verschiedenen Städten Station machte, unglaublich nette Menschen kennenlernte, couchsurfte – und viel zu viel aß. Newark, Atlantic City, Philly, Baltimore, Washington, Richmond, Johnson City, Nashville, Tupelo. Drei Wochen, die auf diesen einen besonderen Moment hinausliefen: ein Foto auf den Stufen vor der Eingangstür Gracelands. Mein großes Finale.

Auftritt Omi. Irgendwo aus Osteuropa kam sie her, ebenfalls ein genauso großer Elvis-Fan wie ich, was man daran erkennen konnte, dass wir beide die einzigen waren, die die teuerste Graceland-Tour gebucht hatten. Und weil ich allein reiste, bot sie mir an, ein Foto von mir zu machen. Saft hatte mein Iphone für maximal noch ein Bild, der letzte Schuss musste also sitzen. Jaja, sie kenne sich aus, winkte sie lachend ab und ließ mich posieren. Ich musste ihr blind vertrauen. Und klar: Direkt nach dem Bild ging der Akku leer.

Checken konnte ich das Foto also erst Stunden später in der Wohnung meiner Gastgeberin Amy. Voller Nervosität wischte ich mich durch die Galerie. Und da war es. DAS Bild. DAS eine Bild, das Sinn und Zweck meiner Reise war. Da sah man mich also sitzen, ich im dunklen T-Shirt, die Haare schön, ausnahmsweise mehr oder weniger rasiert, auf den Stufen vor Graceland. Das heißt, man sah einen Teil von mir, weil der Zeigefinger der alten Dame praktisch zwei Drittel des Fotos verdeckte. Na toll, die Oma war im Fotografieren offensichtlich ebenso talentiert wie ich. Was also tun? Am nächsten Tag ging bereits mein Flieger nach Miami.

Scheiße.

Also machte ich mich am nächsten Tag  in aller Herrgottsfrüh auf, um ein zweites Mal Graceland zu besuchen und hoffte, dass sich das Graceland-Personal very understanding zeigen würde. Nur ein Foto auf den Stufen wollte ich ja, ohne ein weiteres Mal knapp 100 Dollar Eintritt zu bezahlen. Immerhin hatte ich ohnehin das gefühlt 30-fache für Merchandising ausgegeben (Hey, da waren mindestens 20 Elvis-Fanshops mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten. Jemand Lust auf ’ne Runde Elvis-Monopoly?). Lange Rede, kurzer Sinn: Nachdem ich das halbe Personal beschwatzt hatte und durch mehrere hierarchische Instanzen gegangen war, hatte ich mein Willen schließlich bekommen. Man wollte wohl vermeiden, wegen des groß gewachsenen Deutschen mit dem hässlichen Sonnenbrand am Ende noch Priscilla herself anrufen zu müssen. Schade eigentlich, das wäre ein Bild geworden! Zumindest, wenn es nicht die osteuropäische Omi geschossen hätte.

Elvis Top 20:

  1. Let Yourself Go
  2. Lawdy Miss Clawdy
  3. Separate Ways
  4. Long Black Limousine
  5. Like A Baby
  6. Heartbreak Hotel
  7. Such an Easy Question
  8. You’ll Think Of Me
  9. Trying To Get To You
  10. Clean Up Your Own Backyard
  11. Tomorrow Is a Long Time
  12. Mystery Train
  13. Too Much
  14. Jailhouse Rock
  15. My Baby Left Me
  16. Peace In The Valley
  17. Where Could I Go But To The Lord
  18. Suspicious Minds
  19. Don’t Leave Me Now
  20. I Can’t Stop Loving You

Text: Benjamin Fiege

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