Der Gigant: Nachruf auf James Gandolfini

James Gandolfini. (foto: gdcgraphics/wikimedia)

Der US-amerikanische Schauspieler James Gandolfini ist tot. Der 51-jährige verstarb am Mittwoch plötzlich während einer Italien-Reise, offenbar  hatte er eine Herzattacke erlitten. Bekannt wurde er durch seine Rolle als von Panikattacken geplagter Mafia-Boss Tony in der erfolgreichen US-Drama-Serie „Die Sopranos“, in die er zwischen 1999 und 2007 schlüpfte.

Es gibt wohl keinen Serien-Nerd, der nicht sofort den dringenden Impuls verspürt, mit der Zunge zu schnalzen. sobald jemand „Die Sopranos“ erwähnt. Wenn es in Umfragen um die „Beste Serie aller Zeiten“ geht, landet die Saga um die Mafia-Familie aus New Jersey stets auf den vorderen Plätzen.

Und womit? Mit Recht. Nicht zuletzt, weil sie Maßstäbe gesetzt hat in puncto Storytelling und komplexem Erzählen und weil sie das bis dato eher belächelte Format „TV-Serie“ zur Kunstform erhoben hat. Die Reihe war in den USA künstlerisch und kommerziell ein Riesenhit, hierzulande erging es ihr, wie es den meisten anspruchsvollen TV-Formaten eben so ergeht: Sie lief immer spät (im ZDF), irgendwann noch später und nach Staffel Drei schließlich gar nicht mehr. Auch Kabel1 bescherten sie kaum Zuschauer. Den großen Qualitätssprung aber, die heutige Fülle an interessanten und aufwendig produzierten US-Serien mit großen Handlungsbögen und komplexen Drehbüchern – all das wäre ohne die Sopranos kaum denkbar gewesen.

Für die Rolle des Tony Soprano heimste Gandolfini unter anderem drei Emmy-Trophäen ein. Kritiker und Publikum liebten die Figur des Tony Soprano gleichermaßen, den Italo-Amerikaner in mittleren Jahren, dessen Nervenkostüm durch familiären Stress einerseits (verheiratet, zwei Kinder, ewig nörgelnde Mutter) und seine Tätigkeit als Mafiaboss andererseits stark strapaziert wird. Hilfesuchend wendet sich Tony daher an eine Psychiaterin. Tony wurde Kult, zur Ikone. Nicht nur, weil die Figur perfekt konzipiert war, sondern auch, weil sie der Hüne Gandolfini mit großer schauspielerischer Finesse verkörperte.

Gandolfini wurde durch die Rolle zum Superstar, aber er war mehr als nur „Tony Soprano“. Schon vorher wirkte der 1961 in New Jersey geborene Mime mit italienischen Wurzeln am Broadway und spielte in Filmen wie True Romance (1993, Drehbuch: Quentin Tarantino) oder „Schnappt Shorty“ mit. 2011 spielte er in „Willkommen bei den Rileys“, im Januar war er im oscarnominierten Drama „Zero Dark Thirty“ zu sehen, und gerade erst stand er für den Film „Animal Rescue“ vor der Kamera, der 2014 in die Kinos kommen soll.

Gandolfinis Schauspiel-Freunde trauern öffentlich um ihren Kollegen. Lorraine Bracco, die Tonys Psychiaterin spielte, bringt es vielleicht am besten auf den Punkt: „Wir haben einen Giganten verloren.“

Gandolfini hinterlässt seine Ehefrau Deborah Lin, eine neun Monate alte Tochter sowie einen Sohn aus früherer Ehe.

Text: Benjamin Fiege

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