Das Versprechen – Eine Liebe lebenslänglich

Das Versprechen (foto: verleih)

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5

In der packenden Dokumentation „Das Versprechen – Eine Liebe lebenslänglich“ beleuchten die die beiden Filmemacher Marcus Vetter und Karin Steinberger einen skandalumwitterten Doppelmord-Prozess. Gleichzeitig ist der Film das Porträt einer verhängnisvollen Liebelei.

Unschuldig oder nicht? Sitzt der Deutsche Jens Söring etwa seit 26 Jahren in den USA für einen Doppelmord im Knast, den er gar nicht begangen hat? Diese spannenden Kernfrage steht im Fokus der vorliegenden Dokumentation „Das Versprechen“, für die Marcus Vetter und Karin Steinberger jahrelang recherchiert haben und dabei neuen und alten Hinweisen nachgegangen sind, die zum Teil nie vor Gericht erwähnt worden sind.

Söring wird ein Doppelmord vorgeworfen. Und zwar ein äußerst brutaler, der einst weltweit für Aufsehen sorgte. 1985 soll er mit seiner amerikanischen Freundin Elizabeth deren Eltern Nancy und Derek Haysom getötet haben. Die Haysoms waren hoch angesehene Mitglieder der virginianischen Gesellschaft. Der Schuldspruch gegen Elizabeth und ihren deutschen Freund machte viele fassungslos. Die zwei hatten sich im August 1984 bei einem Orientierungsabend für die Hochbegabtenstipendiaten an der University of Virginia getroffen, er war sofort fasziniert von ihr, sie war schön, unwiderstehlich, verwegen, das Produkt englischer Boarding Schools, er war jung, naiv, Sohn eines deutschen Diplomaten.

Als die Ermittler in ihren Untersuchungen auf das Paar kamen, flohen die beiden aus Amerika, die Flucht war ein Abenteuer, führte über Bangkok und Moskau nach England.  Als die beiden Liebenden am 30. April 1986 in London wegen Scheckbetrugs gefasst wurden, kämpfte Söring jahrelang verbissen gegen die Auslieferung in die USA. Erst als die Amerikaner auf die Beantragung der Todesstrafe verzichteten, wurde er in die Vereinigten Staaten ausgeliefert. Söring wurde wegen Mordes zu zweimal lebenslänglich verurteilt. Seitdem sitzen Haysom und er in US-Gefängnissen, nicht weit voneinander entfernt.

Vetter und Steinberger haben sich viel Mühe gemacht, die Ereignisse von damals wieder aufzurollen. Der Film beleuchtet dabei nicht nur das Verbrechen, sondern auch die tragische, fast wahnsinnige Liebes-Geschichte zwischen Söring und Haysom. Meist bleiben die beiden Filmemacher sachlich, was recht schwer fällt, wirken viele der realen Figuren von damals – vom überdramatischen Staatsanwalt bis zum grimmigen Richter – in ihrer Klischeehaftigkeit fast schon comichaft.

Allerdings verlieren die Filmemacher über die Länge des Films die Distanz zu Söring und beantworten die Unschuldsfrage mit einem viel zu eindeutigen „Ja“. Sörings Sicht der Dinge dominiert und lässt ihn zwangsläufig – auch ob vieler offener Fragen (Fremde Blutspuren, Fingerabdrücke und Haare am Tatort wurden weder im Prozess noch in späteren Verfahren weiterverfolgt) unschuldig wirken, während die nicht für ein Interview bereit gewesene Elizabeth Haysom als kaltherzige Manipulatorin porträtiert wird. Dabei wird vieles, was Söring belastet, mehr oder weniger ausgeblendet. Das macht das Ganze am Ende viel zu einseitig.

Fazit: Packend inszeniert. Aber Zweifel bleiben.

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