Dalida

Dalida (foto: eurovideo)

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9 Eurovideo
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Überwältigendes Biopic einer der schillerndsten wie tragischsten Figuren der europäischen Musikgeschichte: Lisa Azuelos’ unter die Haut gehender Spielfilm “Dalida”, das sich mit dem Leben und Sterben des gleichnamigen französischen Weltstars beschäftigt, liegt nun fürs Heimkino vor.

„Das Leben ist mir unerträglich geworden – vergebt mir”. So ein bisschen ist es mit “Dalida” wie mit “Titanic”. Bei letzterem Film weiß man, dass es keine Hoffnung auf ein Happy End gibt und das Schiff am Ende an dem monströsen Eisberg zerschellen wird. Und bei “Dalida”, dass das Drama mit eben diesen Zeilen aus dem Abschiedsbrief enden wird, den die Sängerin schrieb, bevor sie ihrem Leben am 3. Mai 1987 mit einer Schlafmittel-Überdosis ein Ende setzte.

Dalidas freiwilliger Tod war das Ende eines Lebens, das höchste Höhen und tiefste Tiefen kannte. Beruflich lief es für sie, die 1933 in Kairo als Iolanda Cristina Gigliotti geboren wurde, zumeist mehr als erfolgreich. Immerhin verkaufte die Gute in ihrer vier Jahrzehnte umspannenden Karriere rund 140 Millionen Platten. Sie war ein Weltstar, der auf Französisch, Spanisch, Arabisch, Hebräisch, Deutsch und Italienisch singen konnte, überall sein Publikum fand und sich auch immer wieder den musikalischen Gegebenheiten anzupassen vermochte. Ob Pop, (manchmal auch den Schlager streifenden) Chanson oder gegen Ende ihrer Karriere sogar Disco – Dalida war in vielen Genres zu Hause.

Ihrem beruflichen Glück stand aber immer das private Pech gegenüber. Das Scheinwerferlicht dem Schmerz. Als Kind wurde sie gehänselt, ihr Vater Pietro – selbst auch Musiker – wurde nach einem Gefängnisaufenthalt gewalttätig. Und auch in der Liebe stürzte sich Dalida von einem Unglück ins nächste: Drei ihrer Partner begingen über die Jahre Selbstmord. Luigi Tenco, mit dem sie zu der Zeit des gemeinsamen Sanremo-Musikfestival-Auftritts eine Affäre hat, brachte sich aus Protest gegen die kommerzialisierte Musikindustrie um, nachdem er unverdient aus dem Wettbewerb schied. Dalida unternahm danach ebenfalls einen Selbstmordversuch. Und auch ihr Ex-Ehemann und ein Ex-Freund begingen (teils auch lange nach der Trennung von Dalida) Suizid.

Ihr größter Wunsch, Mutter zu werden, erfüllte sich nie. Einmal war sie nahe dran. Nach einem Techtelmechtel mit dem jungen Studenten Lucio wurde sie schwanger. Sie entschied sich aber ob der Perspektivlosigkeit dieser Beziehung für einen Abbruch. Bitter: Nach dem Eingriff war sie nicht mehr in der Lage, Kinder zu bekommen.

Es sind jene privaten Momente, die in “Dalida” im Vordergrund stehen. Für Regisseurin Lisa Azuelos, selbst Tochter einer Chanson-Sängerin, war die Musik in diesem Film nur unterstützendes Beiwerk. Der Fokus liegt hier auf jenem empfindsamen Menschen hinter der Star-Fassade. Newcomerin Sveva Alviti, die hier erstmals in einer größeren Filmrolle zu sehen ist, überzeugt dabei auf ganzer Linie. Sie spielt die große Dalida mit viel Hingabe, verschmilzt regelrecht mit ihr, ist in jeder Sekunde glaubwürdig. Gerade bei einem Biopic entscheidend. Auch der Rest der Crew – darunter der italienische Shootingstar Riccardo Scamarcio („John Wick 2“, „Im Rausch der Sterne“) als sorgender Bruder Orlando – macht seine Sache gut.

Am Ende gelingt dem Film, dass Dalidas Bitte aus ihrem Abschiedsbrief nachgekommen wird: Man heißt ihre Suizid-Entscheidung nicht gut, versteht sie aber – und kann ihr vergeben.

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Fazit: Bewegend.

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