Culture Beat

Tania Evans 2007 (foto: wikimedia/taylor news)

Von Darmstadt hinaus in die große weite Welt: Dem Eurodance-Projekt Culture Beat gelang mit „Mr. Vain“ einer der größten Hits des Genres – und ein internationaler Erfolg.

Die Geschichte von Culture Beat beginnt im Jahr 1989. Torsten Fenslau, der eigentlich mal Architekt werden wollte, arbeitete zu jener Zeit bereits seit elf Jahren als DJ im Frankfurter Club „Dorian Gray“, als er sich entschloss, ein eigenes Projekt ins Leben zu rufen. Ihm zur Seite standen damals seine Kumpels Jens Zimmermann und Peter Zweier, als Songschreiber stieß Nosie Katzmann dazu. „Fenslau öffnete mir eine Szene von ganz vielen der elektronischen Musik verfallenen Menschen – und wir haben dann schließlich Beats und Songwriting zusammengefügt. Es war faszinierend, denn hier mitten in Hessen entstand etwas Neues, etwas, das in der breiten Masse auf Ablehnung stieß. Krach oder Schwachsinn sei unsere Musik … Das motivierte mich – denn so ähnlich mussten die Großeltern reagiert haben, als deren Kinder mit Elvis ankamen“, meinte Katzmann später mal im Interview mit „Intro“.

Die erste Single, die Culture Beat veröffentlichten, hieß „Der Erdbeermund“ und enthielt noch gesprochene Vocals des Cabaret-Performers Jo van Nelsen. Zwar war die Nummer ein Achtungserfolg – unter anderem erreichte sie Platz elf der deutschen Charts und zog französische sowie englische Versionen nach sich -, dennoch entschieden sich die Macher hinter Culture Beat danach, das Konzept grundlegend zu ändern. Fortan setzte man auf die Kombination „Rapper und Sängerin“. Mit Jay Supreme als Rapper und Lana Earl als Sängerin fand man schnell die passenden Leute dazu. Größter Hit dieser Besetzung war „I Like You“ (1990, Platz 22 in den Niederlanden). Das Album „Horizon“ (1991) fand indes kaum Beachtung.

1993 wurde Lana Earl durch die britische Sängerin Tania Evans ersetzt, Rapper Jay Supreme blieb an Bord. Auch der Stil änderte sich, man orientierte sich nun noch stärker am gerade angesagten Eurodance. Eine weise Entscheidung: Die erste Single-Auskopplung des Albums „Serenity“ (1993) wurde gleich zu einem krachenden Erfolg: „Mr. Vain“ (Text: Nosie Katzmann und Jay Supreme, Komponist: Nosie Katzmann und Steven Levis) erreichte in 13 Ländern Platz eins in den Charts.

Torsten Fenslau konnte diesen Welt-Erfolg nicht lange genießen. Nach der Veröffentlichung der Nachfolge-Single „Got to Get It“ verunglückte der Produzent tödlich bei einem Autounfall bei Darmstadt, wo er damals wohnte. Sein Bruder Frank übernahm danach die musikalischen Geschicke und veröffentlichte im Herbst 1995 ein weiteres Album mit Jay Supreme und Tania Evans: „Inside Out“. Produziert wurde das Album von fünf Produzenten-Teams, Frank Fenslau wirkte hier mehr als Manager. „Inside Out“ wurde erneut sehr erfolgreich, kam aber nicht ganz an die Erfolge von „Serenity“ heran. Die titelgebende Single erreichte Platz fünf der deutschen Charts.

1997 war dann Schluss für Tania Evans, die Culture Beat für eine Solokarriere verließ. Fenslau ersetzte sie durch die Amerikanerin Kim Sanders, die zuvor schon als Teil des Captain Hollywood Projetcs mit „Impossible“ einen Hit landete, und verordnete der Band einen erneuten musikalischen Stilwechsel. Das Ganze sollte fortan mehr in Richtung Kommerz-Pop gehen. Nachdem sich Fenslau Anfang 1998 auch von Jay Supreme getrennt hatte, erschien das vierte Culture-Beat-Album „Metamorphosis“. Die Singles „Pay No Mind“, „You Belong“ und „Rendez-Vous“ waren im Airplay-Bereich weit erfolgreicher als in den Verkaufscharts.

Nach „Metamorphosis“ ließ die Plattenfirma Sony Culture Beat fallen, woraufhin die Band zu Eastwest rüber machte. Auf diesem Label erschien im Sommer 2001 die Single „Insanity“, diesmal mit der Britin Jacky Sangster am Mikro. Die Single war zwar in Deutschland kein großer Erfolg, erreichte aber immerhin Platz eins in Israel. Ein geplantes Album erschien nie.

Danach wurde es still um die Band. Erst Mitte 2003 gelang ein kleines Comeback mit einer Neuauflage von „Mr. Vain“: „Mr. Vain Recall“ wurde ein Top-10-Hit, sowohl in den Clubs als auch in den Verkaufscharts. Die Vocals stammten in dieser überarbeiteten Version aber nicht mehr von Tania Evans, sondern von Jacky Sangster.

Plötzlich witterte auch Sony wieder Morgenluft und veröffentlichte kurz nach dem Erfolg der neuen Version ein Best-Of-Album mit den Originalversionen der Culture-Beat-Hits. Nach „Mr. Vain Recall“ wurde es erneut still um das Projekt.

Fortan hörte man von Culture Beat nur noch tröpfchenweise. Anfang 2004 wurde eine Promo-Single mit dem Titel „Can’t Go On Like This (No, No)“ verschickt, die ab Mitte des Jahres auf Vinyl und CD zu erwerben war. 2008 erschien eine weitere Promo-Maxi von Culture Beat, „Your Love“ (ursprünglich: „I Love Culture Beat“), die Platz eins der Dance-Charts erreichte. 2013 folgte die CD „The Loungin’ Side of Culture Beat“, auf der unter anderem Akustikversionen früherer Hits zu hören sind.

Neben Jacky Sangster, die offiziell Frontfrau von Culture Beat ist, tritt auch Tania Evans ab und an noch mit den früheren Culture-Beat-Hits auf.

 

DISCOGRAPHY

1991: Horizon

1993: Serenity

1995: Inside Out

1998: Metamorphosis

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