Camouflage

Camouflage (foto: universal music)

Sind das nicht … ? Nope, sind sie nicht. Die deutsche Vorzeige-Synthie-Band Camouflage wird gerne mal mit Depeche Mode verwechselt. Kann also gut und gerne sein, dass ein paar eurer vermeintlich liebsten Depeche-Mode-Songs tatsächlich aus Bietigheim-Bissingen stammen.

In eben diesem schwäbischen Provinznest begann 1983 nämlich die Geschichte der Band, zu der zunächst Marcus Meyn, Martin Kähling, Heiko Maile und Oliver Kreyssig zählten. Die Schülerband nannte sich Licensed Technology, wandelte den Namen dann aber recht flink in Camouflage um – eine Referenz an einen Song der japanischen Musikgruppe Yellow Magic Orchestra. Nicht die einzige schnelle Änderung: Kähling verließ die Band, die sich stark von Kraftwerk und Depeche Mode beeinflusst zeigte, bereits 1984.

Das verbliebene Trio ging die ganze Sache von Beginn an recht professionell an. Im Keller des Elternhauses von Heiko Maile richtete sich die Kapelle früh ein eigenes Studio ein, das sie Boys Factory tauften. Hier nahmen Camouflage zwei Demo-Kassetten auf, die über einen Umweg bei dem Wettbewerb eines hessischen Radiosenders landeten. Überraschend holte die Band dabei direkt den ersten Platz und zog so das Interesse des Frankfurter Labels Westside auf sich. Für dieses nahmen Camouflage den tanzbaren New-Wave-Song „The Great Commandment“ (1987) auf, der international zu einem großen Hit avancieren sollte (unter anderem Platz eins der US-Dance-Charts).

Der große Erfolg der Nummer blieb nicht folgenlos: Das Label Metronome wurde auf die Band aufmerksam und nahm sie unter Vertrag. Hier erschien 1988 denn auch das Camouflage-Debüt-Album „Voices & Images“, das vier Singles gebar und auf Platz 16 der deutschen Charts peakte.

Dass die Jungs keine One Hit Wonder, keine Eintagsfliegen, bleiben sollten, stellten sie direkt im Jahr darauf unter Beweis: 1989 veröffentlichten sie mit „Methods of Silence“ ihr Album Nummer zwei. Mit „Love Is A Shield“ enthielt die Platte einen weiteren Mega-Hit.

Die anschließende Tour verlief erfolgreich, endete aber im Ausstieg von Oliver Kreyssig, der aus persönlichen Gründen seinen Hut nahm. Maile und Mayn waren fortan als Duo unterwegs. Als ein solches veröffentlichten sie 1991 das von konventioneller Instrumentierung geprägte Album „Meanwhile“. Für die LP sprang nur Platz 57 in den heimischen Charts heraus, einzig die Single „Heaven“ wurde ein achtbarer kommerzieller Erfolg. Diesen krassen stilistischen Wandel, so gaben die beiden viele Jahre später in Interviews zu, würden sie heute so nicht mehr vornehmen.

1992 siedelte die Band nach Hamburg über, und bastelte dort mehr oder weniger gleichzeitig an dem Nebenprojekt Areu Areu (um eine EP mit Coverversionen ihrer musikalischen Idole zu veröffentlichen) und am vierten Camouflage-Album. Letzteres sollte wieder deutlich elektronischer daherkommen. Half nicht viel. „Bodega Bohemia“ wollten 1993 nicht wahnsinnig viele Menschen hören. Immerhin erhielt die Single „Suspicious Love“ etwas Airplay. Auch die zwei Jahre später veröffentlichte Platte „Spice Crackers“ verkaufte sich nicht viel besser.

1999 war die Gruppe dann plötzlich wieder zu dritt, nachdem Oliver Kreyssig zurückkehrte. Sein Comeback wurde direkt mit der Single „Thief“ begangen. Da diese aber unbeachtet blieb, wurden alle Pläne, ein neues Album aufzunehmen, erst Mal verworfen.

2002 nahm das Label Island/Zeitgeist die Band unter Vertrag – und endlich erschien im Mai 2003 dann auch das auf Eis gelegte „Sensor“. Das Ding wurde immerhin ein Achtungserfolg, erreichte Platz 26 der Charts und auch bei der folgenden Tour spielte die Band nicht vor leeren Hallen. Ebenso wie bei der Nachfolge-Platte „Relocator“ (2006) sprang jedoch auch hier keine erinnerungswürdige Single heraus. Bis Album Nummer neun („Greyscale“) erschien, gingen dann neun Jahre ins Land.

Auch in den Veröffentlichungspausen ist die Band aber selten untätig. Maile ist schwer in Sachen Filmmusik  unterwegs, Meyn arbeitet unterdessen mit Jochen Schmalbach und Volker Hinkel (Fool’s Garden) in der Band M.I.N.E. zusammen.

 

DISCOGRAPHY

1988: Voices & Images

1989: Methods of Silence

1991: Meanwhile

1993: Bodega Bohemia

1995: Spice Crackers

2003: Sensor

2006: Relocated

2015: Greyscale

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