Bruce Lee: Ein Held für jene, die keine Helden hatten

Bruce-Lee-Wandbild in Tiflis. (foto: giga paitchadze/wikimedia)

 

Er gilt als der König der Martial-Arts-Filme, obwohl er nur vier Kung-Fu-Streifen gedreht hat: Bruce Lee. Und doch war der sino-amerikanische Schauspieler mehr als bloß ein Filmstar. Er war und ist eine popkulturelle Ikone, deren Einfluss in vielen Bereichen immer noch spürbar ist. Gestern vor 40 Jahren ist Bruce Lee gestorben.

Es wäre zu einfach, in Bruce Lee nur einen begnadeten, charismatischen Kämpfer zu sehen. Ihn auf seinen One-Inch-Punch oder den Zwei-Finger-Liegestütz zu reduzieren. Es würde seinem Erbe nicht gerecht.

Klar, der Einfluss, den Bruce Lee auf den Bereich des Films hat, ist offensichtlich. So offensichtlich, dass wir ihn hier nur streifen wollen. Ohne Bruce Lee kein Jackie Chan, kein Jet Li, keine Matrix-Trilogie und kein Kill Bill. Die Art und Weise, wie in Bruce- Lee-Filmen Kampfszenen inszeniert wurden, mit viel Dramatik und Tempi-Wechseln, wird bis heute immer wieder zitiert.

Es ist jedoch Bruce Lees Wirkung abseits der Leinwand, die viel interessanter ist und deren Wucht der Mime selbst nicht mehr miterleben sollte, weil er im Alter von 32 Jahren, überraschend an einem Hirnödem starb.

Vier Wochen nach seinem Tod kommt der Film „Der Mann mit der Todeskralle“ (Enter the Dragon) in die Kinos, die erste chinesisch-amerikanische Koproduktion. Es sollte Lees bekanntester Film werden und ein kultureller sowie kommerzieller Mega-Erfolg dazu. Der Streifen löste weltweit eine Kung-Fu-Welle aus, Kampfschulen schossen wie Pilze aus dem Boden. Selbst Elvis lernte damals diesen Kampfstil. Jeder wollte sein wie Bruce Lee. Carl Douglas’ „Everybody was Kung-Fu fighting“ lieferte den passenden Soundtrack dazu.

Vor allem für die Amerikaner asiatischer Herkunft war der Film damals wichtig. Er brach mit der Stereotypisierung asiatischer Charaktere im Hollywood-Kino. Denn zuvor wurden diese meist als Bösewichte oder Witzfiguren dargestellt. Meist wurden sie sogar von Weißen gespielt. Mickey Rooney als Mr. Yunioshi in „Frühstück bei Tiffany“ ist da so ein Beispiel. Lee war hingegen nicht nur ein echter Asiat, sondern gab auf der Leinwand auch noch deas Ideal eines strahlenden Helden. Das schlug ein. Ein Einwanderer, einer Angehöriger einer Minderheit, der sich in einer von Weißen dominierten Welt durchboxt und Erfolg hat – das machte ihn für viele zum Vorbild. Selbst für  Mitglieder anderer ethnischer Minderheiten. Bruce Lee war ein Held für all jene, die keine Helden besaßen, sagte der farbige Schauspieler Eddie Griffin mal. Diese Identifikationskraft Lees ist immer noch ungebrochen. Das zeigt beispielsweise die Errichtung einer Lee-Statue in Mostar im Jahr 2005. Bosniaken, Serben und Kroaten sahen in ihm den kleinsten, gemeinsamen Nenner. Lee als Symbol zur Überbrückung ethnischer Zerrissenheit auf dem Balkan. Everybody was Kung-fu fighting.

Bruce Lee brachte der Welt jedoch nicht nur Kung-Fu näher, sondern schuf mit Jeet Kune Do sogar seine eigene Kampfkunst: ein auf Effizienz ausgerichteter Hybridstil, dem die Idee des  Daoismus als Grundlage dient, sich dem Fluss der Dinge aktiv hinzugeben. Der Mensch solle wie Wasser sein, sagte Lee, formlos und flüssig in seinen Bewegungen. Heute speisen sich aus dieser Philosophie Sportarten wie „Free Running“ oder Mixed Martial Arts. Selbst Bodybuilder wie Arnold Schwarzenegger versichern, sich von Lee beim Bauch- und  Rücken-Training viel abgeschaut zu haben. Ganz abgesehen davon, dass Lees Protein-Drinks (rohes Rindfleisch, Eier und Milch in den Mixer, Prost!) und die Verwendung von Stromstößen zur Muskelentspannung salonfähig machte.

Selbst im Musikbereich hat Bruce Lee seine Spuren hinterlassen. Carl Douglas haben wir bereits erwähnt. Überraschenderweise beziehen sich aber auch Breakdancer und Hip-Hopper wie der Wu-Tang-Clan auf ihn. Hip Hop ist ähnlich wie Lees Kampfstil durch Freestyling und Improvisation geprägt, außerdem erinnern die gebrochenen Rhythmen an die Tempi-Wechsel in Lees Kampf-Choreografien.

Nicht nur im Westen hinterließ Lee jedoch einen bleibenden Eindruck, sondern auch in China und Hongkong. Gut, in China hat es ein wenig gedauert. Während der Siebziger Jahre, in denen China in der blutigen Phase der Kulturrevolution steckte, waren die Eliten nicht allzu gut auf Lee zu sprechen. Viele Chinesen flohen damals jedoch nach Hongkong. Für sie verkörperte Lee das gute alte, mythologische China. Nachdem die Lee-Filme viele Jahre lang in China verboten waren, wird sein Einfluss heute von der chinesischen Regierung anerkannt. Sie nutzt seine Popularität sogar, um mit ihr das Image Chinas aufzupolieren. Und so gibt es heute nicht nur in Hongkong, sondern auch in Festland-China Bruce-Lee-Museen. Everybody is kung-fu fighting.

Text: Benjamin Fiege

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