Böhmermann legt Fernsehpause ein

Jan Böhmermann (foto: wikimedia/franz richter)

Jan Böhmermann ist dann mal weg. Über Facebook hat der Satiriker mitgeteilt, er werde „eine kleine Fernsehpause einlegen“. Der Moderator begründet diese Entscheidung mit den Ausmaßen, die die öffentliche Debatte über sein Erdogan-Schmähgedicht erreicht habe.

Der Facebook-Eintrag ist im typischen Neo-Magazin-Royale-Stil gehalten. Böhmermann erläutert, wie es seine Redaktion geschafft habe, binnen von zwei Wochen die „Presse-Levels“ „Politik, Feuilleton und Boulevard“ durchzuspielen. Deshalb habe er sich nun entschlossen, „eine kleine Fernsehpause einzulegen, damit sich die hiesige Öffentlichkeit und das Internet mal wieder auf die wirklich wichtigen Dinge wie die Flüchtlingskrise, Katzenvideos oder das Liebesleben von Sophia Thomalla konzentrieren kann“.

Einen weiteren Song von Didi Hallervorden zu verhindern, müsse „oberste Priorität haben!“ heißt es weiter. Böhmermann behauptet, er werde das Land verlassen und sich „beim Twerk&Travel durch Nordkorea die Sache mit der Presse- und Kunstfreiheit noch einmal genau erklären“ lassen, „bevor ich noch ein paar Tage mit meinem Segway auf dem Jakobsweg pilgere, um mich selbst zu finden“.

Auch sein Heimatsender ZDF hat bestätigt, Böhmermann und seine Produktionsfirma würden eine „vierwöchige Produktionspause bis zum 12. Mai einlegen“. Es sei noch unklar, was in der Zwischenzeit anstelle des „Neo Magazin Royale“ gesendet werde.

Kanzlerin Angela Merkel hatte am Freitag der deutschen Justiz auf Wunsch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan die Erlaubnis erteilt, gegen Böhmermann ein Verfahren wegen möglicher Beleidigung eines ausländischen Staatsschefs einzuleiten. Basis ist der Paragraf 103 des Strafgesetzbuches (StGB), der für die Beleidigung eines ausländischen Staatschefs eine Strafe von bis zu drei Jahren Haft oder eine Geldbuße vorsieht. Die Entscheidung der Regierung polarisiert. ZDF-Intendant Thomas Bellut hat bereits angekündigt, der  Sender werde mit Böhmermann „durch alle Instanzen“ gehen. Erdogan hat neben dem Verfahren nach Paragraf 103 StGB auch noch als Privatperson Anzeige gegen Böhmermann erstattet.

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