Arcade Fire – Everything Now

Arcade Fire (foto: label)

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7 Sony Music

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Ohne Zweifel eines der meist erwarteten Alben des Sommers: Nach vier Jahren VÖ-Pause hauen Arcade Fire mit „Everything Now“ ihren fünften Longplayer heraus.

Die Vorfreude auf das neue Machwerk hielt sich jedoch in Grenzen, nachdem Arcade Fire vor wenigen Monaten ihren Anhängern als ersten Vorgeschmack den Titeltrack kredenzten. Fans der ersten Stunde waren verstört. Der Umstand, dass Daft Punks Thomas Bangalter (nebst Pulps Steve Mackey) an den Reglern saß, ließ nichts Gutes ahnen. Vom Ausverkauf der kanadischen Indie-Helden war da schon die Rede, nachdem so mancher in dem Song zwar wenig Neues, dafür aber viel Altes entdeckte. Sogar ABBA und die Simple Minds hörten manche spöttisch aus der Nummer raus. Die ist aber nur auf den ersten Blick ein  schmieriger Disco-Song. Die Doppelbödigkeit von „Everything Now“ enthüllt sich in seinen Lyrics: „We turn the speakers up till they break / ‚Cause everytime you smile it’s a fake.“ Im Intro dazu scheint David Bowie aus dem Jenseits zu grüßen.

Dass sie missverstanden werden könnten, scheint Arcade Fire mittlerweile egal zu sein. Ein gutes Beispiel dafür ist „Infinite Content“: Das liefert die Band zunächst in einer Punk-Variante ab – und schiebt danach eine Akustik-Version nach. Pick your poison, ist uns doch egal.

Arcade Fire können sich diese Attitüde mittlerweile leisten. Viele Stücke auf dem neuen Machwerk sind tatsächlich für schwüle Disco-Nächte gemacht: In der Funk-Nummer „Signs Of Life“ etwa erzählt Win Butler von Menschen auf der fortwährenden Suche nach Erleichterung. „Peter Pan“ schwankt zwischen Hip Hop und Rock. In „Electric Blue“ erinnert der Gesang von Régine Chassagne etwas an Prince und dessen Hit „Kiss“, kommt dabei nur nicht so erotisch daher.

Überraschenderweise bricht sich zwischendurch immer wieder die Ernsthaftigkeit Bann: Das großartige, vom Keyboard getragene „Creature Comfort“ verhandelt den Selbstmord eines Fans, der befürchtete, zwischen all den Influencern um ihn herum ein Nobody zu sein: „God, make me famous/ When you can’t, just make it painless“. Starker Tobak. Und „We Don’t Deserve Love“, die abschließende Ballade, erzählt noch Mal gefühlvoll von der Liebe: „You don’t want to talk/ You don’t want to touch/ You don’t even want to watch TV“.

Ja, Arcade Fire klingen nicht mehr wie Arcade Fire von damals. Die Musik ist schon mehr Mainstream. Aber in einem Punkt bleibt sich die Band treu: Nachdenkliche Texte gibt es nach wie vor. Und das ist doch die Hauptsache.

Fazit: Welcome back!

Anspieltipps: Everything Now, Creature Comfort, We Don’t Deserve Love

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