Aurora: The Next Big Thing?

Aurora (foto: kenny mccracken)
Aurora (foto: kenny mccracken)

Wer in diesen Tagen das Radio oder den Fernseher einschaltet, der kommt an einer jungen Dame nicht vorbei: Aurora ist derzeit in aller Munde. Morgen erscheint das Debütalbum der jungen Norwegerin: „All My Demons Greeting Me As A Friend“. Vieles spricht dafür, dass wir die Geburtsstunde eines Stars miterleben.

„Ich schätze, ich bin ziemlich altmodisch. Ich bin nicht wirklich auf dem Laufenden, was aktuelle Musik angeht und habe keine Ahnung, was der ‚heiße Scheiss’ ist“, sagt Aurora. Sie höre lieber die alten Meister. Leonard Cohen, dessen „Suzanne“ sie schon als kleines Kind so sehr berührte. Bob Dylan. Ach ja, und manchmal Heavy Metal.

Für eine 19-Jährige ist das eine bemerkenswerte Aussage. Andererseits ist vieles an Aurora Aksnes jenseits der Norm. Schon als Kind erkannte sie ihre Fähigkeit, einmal gehörte Stücke auf dem Klavier nachzuspielen – ohne jemals Unterricht gehabt zu haben. Mit zehn Jahren fing sie an, eigene Songs zu komponieren, was ihre Eltern erst vier Jahre später überhaupt registrierten. So war es auch die Mutter, die sie dazu ermutigte, den nächsten Schritt zu gehen und ein Konzert in ihrer Oberschule zu geben. Danach ging alles schnell, zwei Jahre später hatte Aurora einen Plattenvertrag, erste Stücke wie „Awakening“ oder „Under Stars“ sorgten für reichlich Furore, der Song „Running With The Wolves“ begleitete die TV-Kampagne eines großen Mobilfunkanbieters. „Musik, die mein Herz flattern lässt“, twitterte Katy Perry. Der „Guardian“ zog Parallelen zu Kate Bush und Lykke Li.

Nun kennt man solche Geschichten. Und oft haben sie keine Pointe, klingen interessanter als die Musik, die sie eigentlich begleiten sollen. Bei Aurora liegt der Fall anders. Wer „Conqueror“ hört, die neue Single der Norwegerin, erkennt ziemlich schnell: Da ist jemand gekommen, um zu bleiben. Da haben wir Pop, der zwei Kriterien erfüllt. Einmal das der Eingängigkeit: Wer diesen Refrain gehört hat, wird ihn ebenso wenig vergessen wie die Stimme, die natürlich jung klingt – aber eben auch leicht belegt, ganz so, als hätte Aurora gerade den Herbstnebel ihres Heimatlandes eingeatmet. Vor allem jedoch besitzt der Song viele Ebenen. Perkussive Beats treffen auf pointiert gesetzte Tasten, Finger schnippen, es knistert und knackt, mal scheint eine Spur rückwärts zu laufen, mal überlegt man, ob da nicht doch ein ganzes Orchester im Hintergrund aufspielt, und am Ende fügt sich doch alles in einen Guss. Im Prinzip ist das Phil Spectors Idee des „Wall of Sound“, nur in die Gegenwart mit all ihren Produktionsmöglichkeiten übersetzt.

Wir müssen noch einmal über das Eingangszitat reden. Über das Wort „altmodisch“. In England erschien kürzlich eine Aurora-Coverversion des Oasis-Klassikers „Half The World Away“. Der Song ist Soundtrack der Weihnachts-Kampagne von John Lewis und damit traditionell einer der Winter-Hits des Jahres – 2010 etwa sang Ellie Goulding für die Kaufhauskette Elton Johns „Your Song“ und schoss damit sofort an die Spitze der Charts. Es spricht viel dafür, dass wir auch die Songs von Aurora bald in hohen Hitparadenpositionen sehen werden. Weil sie eigentlich das Gegenteil von altmodisch sind, nämlich zeitlos. Und etwas Besseres lässt sich über Popmusik kaum sagen.